Daheim bei den Obamas

First Lady

Daheim bei den Obamas

Sein Sieg ist ihr Sieg: Michelle Obama gab Amerika seinen Traum zurück. Der Welt gibt die neue First Lady wieder Hoffnung. Die „Mom-in-Chief“ über den Change ihres Lebens.

(c) ReutersEs war ein Dienstag, der ihr Leben für immer veränderte. Am 4. November sagte Amerika Yes, (c) APwe can zu jenem Mann, dem sie vor 16 Jahren schwor: Yes, I will. Ihr Ehemann ist seither der erste afroamerikanische US-Präsident in der Geschichte – sie die erste First Lady, die den mächtigsten Mann der Welt in Interviews als crazy bezeichnet. Obwohl ihr Outfit so brav wie Jacky Kennedys Image, und ihr Geschäftssinn so tough wie Hillary Clintons ist – nichts steht mehr für Barack Obamas Change wie die zweite Hälfte seines Gehirns, Michelle Obama.
Es wird auch ein Dienstag sein, an dem die 44-Jährige mit ihren beiden Töchtern (Malia Ann, 10, und Natasha, 7, genannt: Sasha) und ihrem Ehemann die erste Nacht im neuen, 132-Zimmer-großen Zuhause in der Pennsylvania Avenue 1600 verbringt – und ihr neues Leben beginnt.

Mrs. Obama, Sie haben eine sehr turbulente Zeit hinter sich, seit Ihr Ehemann beschlossen hat, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Wie würden Sie das letzte Jahr beschreiben?
Michelle Obama:
Wissen Sie, dieses Jahr war wie ein unendlicher Wirbelwind (lacht)! Unfassbar, was man in relativ kurzer Zeit zustande bringt – und wie sehr sich das Leben verändern kann. Was mich am meisten berührt hat, ist zu sehen, dass die Menschen wirklich hungrig nach etwas anderem – einer Veränderung – sind. Ich bin froh, mit meiner Frustration über die Politik in unserem Land nicht allein zu sein. Es war ein anstrengendes, aber ein tolles Jahr!

Was denken Ihre Töchter über all das? Sind sie nicht ein wenig „überfordert“?
Obama:
Nein,... weil das alles ja nicht IHR Leben ist. Wir haben alles getan, um das Leben von Malia und Sasha in gewohnten Bahnen laufen zu lassen. Auch im Wahlkampf sind sie an der selben Schule geblieben, mit denselben Lehrern und denselben Freunden. Ihr Umfeld behandelt sie auch nicht anders als früher. Natürlich beschäftigt sie jetzt die Frage, welche Auswirkungen der Umzug auf ihr Leben haben wird. „Wie werden meine neuen Mitschüler zu mir sein?“, oder „Werde ich wieder ein schönes Zimmer haben?“ – Fragen, die sich eben ein zehn- oder siebenjähriges Mädchen stellt, wenn es mit seinen Eltern woanders hinzieht.

Aber es wird doch bestimmt schwer, die beiden von alldem zu isolieren?
Obama:
Ja, natürlich. Aber sie reagieren auch unterschiedlich auf den Medienrummel. Wir haben sie immer gefragt, ob sie auf die Bühnen kommen möchten bei den Wahlkampfveranstaltungen. Malia sagte dann manchmal: „Das ist nicht so mein Ding.“ Die kleine Sasha hingegen ist eher fasziniert vom Rampenlicht. Sie liebt es, zu winken.

Wie war das als Sie Ihren Ehemann das erste Mal getroffen haben – war es Liebe auf den ersten Blick?
Obama:
Nicht ganz. Wir haben ja in derselben Anwaltskanzlei gearbeitet. Ich war seine Tutorin und musste ihn in die Kanzleigepflogenheiten einführen. Wir gingen zusammen Mittagessen. Barack war mir sofort sympathisch, weil er sich selbst nicht so ernst nahm. Man konnte gute Gespräche mit ihm führen, mit ihm lachen. Und er hatte einen interessanten Background. Aber als er mich das erste Mal um ein Date bat, lehnte ich ab. Ich wollte Berufliches von Privatem trennen. Ich dachte: Er ist ein Freund. Aber dann lud er mich ein, mit ihm in eine Kirche zu gehen. Als Mitglied einer gemeinnützigen Organisation hielt Barack dort ein Arbeitstraining für Bewohner armer Stadtviertel ab, hauptsächlich afroamerikanische Alleinerzieherinnen. Seine Aussagen darüber, wie die Welt ist und wie sie sein sollte, haben mich beeindruckt. Ich war so berührt. Plötzlich wusste ich: Mit diesem Mann will ich zusammen sein.

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Sie erleben täglich, wie Ihr Mann die Massen begeistert. Manche Kommentatoren bezeichnete ihn gar als messianisch...
Obama:
Ich weiß, Barack und ich haben oft darüber gesprochen, ob die „Obama-Bewegung“ manchen Wählern zu viel werden könnte. Aber wenn du wirklich etwas verändern willst, kannst du das nicht, indem du Menschen mit Emotionen fängst. Veränderung (Anm. d. Red.: Michelle Obama verwendet an dieser Stelle das legendäre Wort „Change“) hat nichts mit Gefühlen zu tun! Veränderung bedeutet harte Arbeit, Organisation, Strategie. Du lockst die Menschen zwar mit Inspiration an, aber dann musst du schon auch die Ärmel hochkrempeln, Strukturen schaffen. Und Opfer bringen.

Zählt Ihr Familienleben zu diesen Opfern?
Obama:
Ich hoffe nicht. Wir waren ja immer berufstätige Eltern. Und egal, wie stressig es in den letzten Monaten für Barack war, und egal, wo er war, er hat seine Familie nie vergessen. Die Kinder haben zum Beispiel sehr strenge Schlafenszeiten. Ich habe Barack gesagt: „Wenn du mit den Kids sprechen willst, musst du davor anrufen.“ Und er hat angerufen. Jeden Abend. Immer pünktlich, bevor die Kinder zu Bett gingen.

Sind Sie eine strenge Mutter?
Obama:
Ich denke, Kinder gedeihen am besten, wenn man ihnen Strukturen, Regeln und Grenzen setzt. Ich bin eine Verfechterin dieser Ansicht und sehr dankbar, dass mich Barack darin immer unterstützt hat. Nicht so, wie viele andere Väter, die nach einer Reise oder spät abends heimkommen und dann den Super-Dad herauskehren, um sich bei den Kindern beliebt zu machen. Und Mum darf die Böse spielen. Nein, er achtet genauso darauf, dass die Regeln, die wir zusammen aufstellen, auch eingehalten werden.

Wie kann man sich einen familiären Abend im Hause Obama vorstellen? Sitzen Sie auch mal zusammen vor dem Fernseher?
Obama:
Zu allererst müssen wir es einmal schaffen, dass wir gleichzeitig zu Hause sind (lacht). Wenn das der Fall ist, nützen wir die Zeit natürlich anders. Wir versuchen auch nicht, über unsere Jobs zu sprechen. Wir spielen mit den Kindern, essen gemeinsam – und sind einfach eine ganz normale Familie. Wenn Barack fernsieht, schaut er meist Sport. Ich sehe kaum fern – und wenn, fallen mir dabei meist die Augen nach wenigen Minuten zu (lacht).

Zurück zu Ihrer Funktion als First Lady: Betty Ford hat Tabus gebrochen, indem sie sich an für Brustkrebs erkrankte und Alkoholsüchtige eingesetzt hat. Nancy Reagan nahm den Kampf gegen Drogen auf. Haben Sie sich schon überlegt, welchem Thema Sie sich annehmen?
Obama:
Ich habe lange darüber nachgedacht und bin oft danach gefragt worden. Es gibt so viele Dinge, die mir ein Anliegen sind. Ein wichtiges Thema ist sicher die medizinische Versorgung in unserem Land. Aber in erster Linie bin ich – berufstätige – Mutter, und Ehefrau. Und damit kenne ich den Kampf, den man führen muss, um die Balance zwischen Familie und Beruf zu halten. Ich kann das nur schaffen, weil ich ein Netzwerk habe, das mir dieses Leben ermöglicht. Egal, ob es meine Mutter ist, eine Freundin, oder mein Job, der es mir ermöglicht, gewisse Dinge einzuteilen – ich bin diesbezüglich absolut privilegiert. Mir ist aber bewusst, dass das die wenigsten Frauen in unserem Land sind. Eben diesen Frauen zu helfen will ich mir zur Aufgabe machen.

Nach all dem, was in den letzten Wochen passiert ist – sehen sich Ihr Mann und Sie manchmal an und fragen sie sich, ob all das Wirklichkeit ist?
Obama:
Oh, ja – absolut (lacht)! Das ist gar nicht so lange her.

Und wie lautet Ihre Antwort darauf?
Obama:
Dass es eine spannende, lange Reise ist, auf der wir uns befinden. Ein Traum, der wahr geworden ist.