Blackpink und der harte Weg zum K-Pop-Star

Die Zukunft des Pop

Blackpink und der harte Weg zum K-Pop-Star

K-Pop ist längst kein rein asiatisches Phänomen mehr, sondern eine globale Bewegung. Aber kein anderer Markt setzt so stark auf das Konzept Girl- bzw. Boygroup wie der Ferne Osten. Der Siegeszug des Genres wird angeführt von der Boyband „BTS“, die im vergangenen Jahr ankündigte, eine längere Pause machen zu wollen und damit vielleicht umso mehr den Platz für die vierköpfigen Girlgroup „Blackpink“ schuf. Jisoo, Rosé, Jennie und Lisa sind schon seit ihrem Debüt 2016 mit nur einer Handvoll von (elektronisch anmutenden Pop-)Songs höchst erfolgreich, doch mit dem Anfang des Monats erschienen Album soll ihre Bedeutung am globalen Markt zementiert werden.  
 
Rekordverdächtig. „Blackpink“ führen die Liste der Bands mit den meisten YouTube-Abonnenten an und performten vergangenes Jahr als erste K-Pop-Band bei Coachella. Mit ihrer Hit-Single „Kill This Vibe“ knackten die Mittzwanzigerinnen drei Guinness-Weltrekorde, rekordverdächtig dürften aber auch ihre Gagen sein, die sich nicht nur aus ausverkauften Tourneen und Singleverkäufen zusammensetzen, sondern vor allem aus ihrer Werbetauglichkeit bestehen. So konnte man in Berlin, wo „Blackpink“ vergangenes Jahr ebenfalls ein Konzert gaben, im Foyer der Auftrittshalle die neuesten Automodelle eines koreanischen Autobauers bestaunen. 
 
Die K-Pop-Maschinerie. Solche Erfolge passieren nicht zufällig. Anders als in anderen Ländern durchlaufen potenzielle Künstler im asiatischen und eben vor allem koreanischen Raum, darunter auch die „Blackpink“-Mitglieder, nicht nur einfache Castings, um Teil einer Band zu werden, sondern ganze Ausbildungen, welche die zukünftigen K-Pop-Stars auf ihrem Weg zum Star bestehen müssen. Die Gewinner eines Castings bekommen einen Vertrag für das Trainee-Programm des Plattenlabels, das mehrere Jahre dauert und auch eine gewisse militärische Anmutung hat. Darum halten die Agenturen und Musikkonzerne nach möglichst jungen Talenten Ausschau, das Durchschnittsalter für den Einstieg liegt zwischen zehn und elf Jahren. Wie eine „Vice“-Reportage aus 2016 berichtet, spielt plastische Chirurgie dabei auch eine große Rolle. In Korea gäbe es auch kein Stigma gegenüber jenen, die sich zur Image-Aufbesserung operieren lassen würden. Oft genug würden auch die Plattenfirmen ihren Aspirantinnen zu diesem Zweck mit Krediten aushelfen. Darüber hinaus sei es gang und gäbe, dass die Ausbildnerinnen ihre Schülerinnen zum Gewichtsverlust raten würden. Doch nur die weiblichen, den männlichen Ausbildnern wurden solche Einmischungen per Gesetz verboten. Dies zeigt, welch ernstes Thema das K-Pop-Business für die dortige Branche darstellt.  
 
Perfektion als Ziel. Weitaus wichtiger als „natürliches Aussehen und Talent“ sei im K-Pop die „Optimierung“, wie Cho Shin, Musikmanagerin bei Warner Music Korea gegenüber „Vice“ erklärte. K-Pop sei laut ihr „ein Produkt. Ein Produkt, das in etwas Makelloses geformt werden kann.“ Und Makellosigkeit hat ihren Preis. Im Gegensatz zu westlichen Bands, für die die Veröffentlichung ihres romantischen Lebens ein wichtiger Teil der Werbeaktivitäten sein kann (einschließlich inszenierter Beziehungen), ist es K-Pop-Stars oft verboten, persönliche Vorlieben preiszugeben, wobei einige sogar eine „No Dating“-Klausel in ihren Verträgen haben. Warum das so ist? Dating wird in einem Atemzug mit Drogen genannt, wie aus einem Statement von Musikmanager Bernie Cho hervorgeht, das er gegenüber „Korea Herald“ machte: „Skandale mit Alkohol, Drogen oder sogar Dating schlagen nicht nur Wellen im Bereich der Unterhaltungsnachrichten, sondern auch im Bereich der Finanznachrichten, da viele der größten koreanischen Musikmanagement-Unternehmen auch öffentlich gehandelte Aktien an der koreanischen Börse sind. Schlagzeilen können einen tief greifenden Einfluss auf deren Ergebnisse haben.“ Die Dokumentation „BLACKPINK: Light Up The Sky“, die dieser Tage auf Netflix erschienen ist, beinhaltet dementsprechend nur oberflächlich Persönliches. Dennoch resümiert Sängerin Jennie selbst, dass genau die harte Ausbildungszeit K-Pop zu dem macht, was es ist. Ihre zahlreichen „Blinks“, wie Blackpink-Fans genannt werden, werden jedenfalls garantiert kreischend vor den Fernsehern sitzen. 
Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden