Bidens bessere Hälfte

Jill Biden

Bidens bessere Hälfte

Der Unterschied zwischen Melania Trump und Jill Biden könnte nicht größer sein. Während die eine Glamour und Reserviertheit versprüht, strotzt die andere nur von Herzlichkeit und Empathie. Die Frau von Joe Biden, die bisher bevorzugt im Hintergrund stand, demonstrierte diese Eigenschaften kürzlich erst auf dem virtuellen Parteitag der Demokraten, als die Nominierung ihres Mannes zum Präsidentschaftskandidaten offiziell verlautbart wurde. Dabei gab die potenzielle First Lady in spe einen tiefen Einblick in das Leid, das Biden wiederholt in seinem Leben erfahren hat – und sprach ihre Bewunderung dafür aus, „wie er es schaffte, einen Fuß vor den anderen zu setzen und weiterzumachen“.  
 
Schicksalsschläge. Damit thematisierte sie die schwierigen Lebenssituationen, die sie in den letzten Jahren mit ihrem Mann durchlebt hatte, allen voran den Verlust ihres Sohnes Beau, der 2015 an einem Gehirntumor verstarb. Jill ist Joe Bidens zweite Frau, sie heirateten 1977, vier Jahre nachdem seine erste Frau und kleine Tochter bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren. Sie half ihm, seine beiden Söhne Beau und Hunter aufzuziehen, und brachte 1981 noch Tochter Ashley zur Welt. Während Joe Biden als Senator zwischen Dienst- und Wohnort pendelte, baute Jill aber auch eine eigene Karriere als Lehrerin auf.

Starke Stütze. Laut ehemaligen politischen Mitarbeitern legt Joe Biden sehr viel Wert auf die Meinung seiner Frau – sie war auch diejenige, die ihm in den vergangenen Monaten half, eine geeignete Vizekandidatin zu finden. Mit der viel gelobten Senatorin Kamala Harris scheinen sie und der Präsidentschaftsanwärter eine gute Wahl getroffen zu haben. Doch auch wenn Jill Biden ihrem Mann pflichtbewusst beisteht, bedeutet es nicht, dass sie, die sich selbst als introvertiert bezeichnet, gern im Rampenlicht steht. „Sie ist seine Ehepartnerin und sie liebt ihn und spricht mit ihm über alle möglichen Dinge, aber sie hat eine einzigartige Rolle, und die ist nicht die eines politischen Beraters. Das ist nicht ihr Ding“, sagte auch Cathy Russell, Jill Bidens Stabschefin während der Obama-Regierung. In Jill Bidens Memoiren schildert sie, wie sie ihre erste politische Rede hielt und keine Lust verspürte, „irgendwelche Reden zu halten, wann und wo auch immer – schon der Gedanke daran machte mich so nervös, dass ich mich krank fühlte“. Doch nach acht Jahren als Frau des Vizepräsidenten hat sie auf der Bühne an Souveränität gewonnen und spricht über die Themen wie Bildung und Brustkrebsvorsorge flüssig und mit großer Leidenschaft. Im Vergleich zu Melania Trump zeigt sich auch ein großer Unterschied im beruflichen Selbstverständnis. Denn im Zuge der Vizepräsidentschaft ihres Mannes kontinuierte sie, trotz Abratens von Kollegen, weiterhin an einer Volkshochschule zu lehren. „Lehrerin zu sein ist nicht, was ich tue, es ist, was ich bin“, schrieb sie in ihren Memoiren und erzählte, wie sie sich in einem Toilettenraum ihrer Schule „in ein Cocktailkleid und hochhackige Schuhe warf“, um es rechtzeitig zu einem Empfang im Weißen Haus zu schaffen. Angeblich wolle sie es sich auch als First Lady nicht nehmen lassen, in einem Klassenzimmer zu stehen. Ein echtes Vorbild. 
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