Jugendliche sind oft nicht ausreichend informiert

Aufklärungsunterricht stark verbesserungswürdig

Österreichische Gynäkologen sind überzeugt: Der Aufklärungsunterricht in Österreich schreit nach Verbesserung.

Davon sind österreichische Gynäkologen überzeugt und dafür sprechen auch Umfragedaten von tsn healthcare bei heimischen Teenagern: Zwei Prozent halten eine Cola-Spülung des weiblichen Genitalbereichs für die beste Möglichkeit eine Schwangerschaft zu verhindern (drei Prozent der Burschen, ein Prozent der Frauen).

"Es gibt immer noch Jugendliche, die schlichtweg nicht ausreichend informiert sind", betonte Claudia Linemayr-Wagner, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF), in einer Aussendung anlässlich des Weltverhütungstages am 26. September. Weitere Ammenmärchen, die nach wie vor für Realität gehalten werden: Eine Dusche oder ein Bad nach dem Sex verhindert laut einem Prozent der Mädchen eine Empfängnis. Ebenso viele Burschen halten zwei Stunden Kopfstand für eine ideale Verhütungsmethode. Auch das Einnehmen von Folsäure soll laut sechs Prozent der Teenies helfen.

Nach Schätzungen gibt es jährlich zwischen 30.000 und 40.000 Schwangerschaftsabbrüche in Österreich. Im vergangenen Jahr wurden 2.747 Teenager Mütter, sieben von ihnen waren unter 15 Jahre alt. "Alle sind aufgeklärt, aber keiner weiß Bescheid", kritisierte der Gynäkologe Christian Fiala. "Viel Paare haben große Wissenslücken, wenn es um die Details zur Verhütung geht.

Sexualerziehung zu theoretisch

Hauptkritikpunkt von Experten: Die 1970 an heimischen Schulen verpflichtend eingeführte Sexualerziehung ist zu theoretisch. Das Wissen bleibe abstrakt, unemotional und habe keinen Bezug zum realen Leben, so Bettina Weidinger, Leiterin des österreichischen Instituts für Sexualpädagogik. Das Reden über Verhütung fällt den Burschen und Mädchen schwer: 23 Prozent der Jugendlichen sprechen vor dem ersten Mal nicht mit ihrem Partner darüber. 25 Prozent erwähnen das Thema zwar, fühlen sich dabei aber äußerst unwohl.

Positiv: Der Großteil will gemeinsam über die Verhütung entscheiden, nur fünf Prozent sehen das Thema als alleinige Angelegenheit des Partners. Wenn über Pille, Kondom und Co. gesprochen werden muss, ist der Partner laut Umfrage für 82 Prozent die erste Wahl. 80 Prozent reden mit Freunden, 46 Prozent mit Geschwistern und 44 Prozent mit dem Arzt darüber. Bei den Eltern sind Mütter (43 Prozent) als Ansprechpartner gefragter als die Väter (25 Prozent). 19 Prozent fragen Lehrer. Der Weltverhütungstag findet heuer zum dritten Mal statt und steht unter dem Motto "Über Verhütung sprechen".

Frankreichs Jugend weiß am meisten

Die jungen Franzosen kennen sich mit Verhütung aus - zumindest, wenn man ihrer Selbsteinschätzung Glauben schenkt. 69 Prozent - so viele wie nirgends sonst - halten sich in Sachen Pille und Kondom für gut informiert. Bei den Österreichern dieser Altersgruppe sind es 61 Prozent, die Alpenrepublik belegte bei der von tsn healthcare anlässlich des Weltverhütungstags durchgeführten Befragung gemeinsam mit Polen Platz zwei. Durchgeführt wurde die Umfrage unter insgesamt 1.616 Leuten im Alter von 15 bis 21 Jahren in sieben Ländern.

Bei den Burschen liegen die Österreicher mit einer auf Selbsteinschätzung beruhenden "Aufklärungsrate" von 69 Prozent sogar auf Platz eins. Die heimischen Mädchen landeten mit 54 Prozent auf dem vorletzten Rang, "gesiegt" haben die Französinnen (69 Prozent). Durchschnittlich glauben 55 Prozent der Befragten - dazu gehören auch Italiener, Russen, Spanier, Türken und Briten - viel über Verhütung zu wissen.

Russen und Türkinnen bildeten das Schlusslicht: 40 bzw. 38 Prozent gaben an, keine besonders große Ahnung von Verhütungsmethoden zu haben. In Österreich hatten elf Prozent geringes Wissen, 28 Prozent zeigten sich angesichts der verschiedenen Möglichkeiten "verwirrt". Im Durchschnitt kennt jeder Teenie vier Verhütungsmethoden. Österreichische Burschen kennen 3,6, Mädchen 4,1.

Besorgnis erregend: Als drittbestes Verhütungsmittel zum Schutz vor einer Schwangerschaft sehen 59 Prozent die "Pille danach", die als Notfallmaßnahme, jedoch nicht als alltägliches Verhütungsmittel gedacht ist. Auch in Österreich wählten 58 Prozent diese als drittbeste Methode. Als bestes Verhütungsmittel zum Schutz vor einer Schwangerschaft wird in Europa das Kondom gesehen, für das 96 Prozent plädierten, gleich danach folgt die Antibaby-Pille (91 Prozent).