Anna Veiths großer Befreiungsschlag

Karriereende

Anna Veiths großer Befreiungsschlag

Lange hatte sie ein Comeback versucht, doch vergangene Woche zog Skirennläuferin Anna Veith für ihre Sportkarriere den Schlussstrich. Beweggründe & Zukunftspläne. 

Seit Wochen schon machten Gerüchte um einen bevorstehenden Rücktritt von Anna Veith die Runde. Vergangenes Wochenende bestätigte die Salzburgerin diese jedoch in einem Fernseh-Interview. „Meine Träume für die Zukunft haben sich verändert. Deshalb werde ich meine aktive Karriere beenden“, so Veith. Es fühle sich zu 100 Prozent richtig an, sagte sie und führte weiter aus: „In meinem Leben war der Sport so viele Jahre die absolute Nummer eins. Ich durfte das machen, was ich unbedingt wollte und am meisten liebte. Das weiß ich sehr zu schätzen, aber für mich ist jetzt einfach der richtige Zeitpunkt zum Aufhören.“  
 
Alles erreicht. Acht Monate nach Kindheitsfreund Marcel Hirscher verabschiedete sich ein weiteres ÖSV-Ass aus dem aktiven Sportlerleben. Eine Olympia-Goldene, zwei große Gesamtweltcup-Kristallkugeln und drei goldene Weltmeistermedaillen hängen zu Hause im Boutiquehotel ARX in Schladming/Rohrmoos, das sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Ex-Snowboarder Manuel Veith, betreibt. „Ich bin sehr stolz auf das, was ich erreicht habe“, so Veith.
 
Den einen, großen Grund fürs „Abschwingen“ gebe es nicht, vielmehr sei es ein Mix aus mehreren kleineren. Eine wesentliche Rolle spielten die schweren Knieverletzungen, die sie seit 2015 fast ständig begleiteten. Das Zurückkommen wurde für Österreichs dreifache Sportlerin des Jahres praktisch zur Daueraufgabe. Auch letzten Winter habe sie „alles daran gesetzt, wieder zurückzukommen und Vertrauen zu finden“, so Veith über ihren aktuellsten Comebackversuch. „Aber es ist mir einfach nicht mehr gelungen, dahin zu kommen, wo ich hinwollte.“ Wie sie ihre Zukunft gestalten wird, weiß Veith noch nicht genau. „Es ist Zeit, dass ich zu Hause Wurzeln schlagen kann.“ Sie freue sich jetzt auf das Privatleben, in dem Familienplanung eine Rolle spielt. „Schwanger bin ich noch nicht“, gab sie mit einem Schmunzeln zu verstehen, dass sie und ihr Gatte dabei keinen Stress haben. „Wir genießen die Zeit für uns.“
 
Keine Mitläuferin. Mit Veith verabschiedet sich eine Ski-Persönlichkeit, die innerhalb des ÖSV-Universums auch bereit war, gegen den Strom zu schwimmen. Bei ihrem Versuch, sich ihr eigenes Betreuerteam sowie eine vom Verband losgelöste Vermarktung zu basteln, ging sie auf Konfrontationskurs mit ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. „Für manche Dinge muss man eben kämpfen“, sagte Veith 2015, die Rechte wie die Ski-Herren einforderte. Rückblickend würde Veith dies wieder so machen. „Es war mir wichtig, hinter meiner Meinung zu stehen.“ Möge sie es auch stets weiterhin so halten.