Andere Seite der Medaille

Ski-Star Vonn

Andere Seite der Medaille

Auf dem Weg ganz nach oben ereilte Lindsay Vonn vor wenigen Tagen ein schlimmer Rückschlag. In MADONNA erzählt sie, wie ihr Ehemann Tom Kraft gibt. Und weshalb sie mit ihrem Vater gebrochen hat.

(c) SingerJeden Tag am absoluten Limit leben und härter arbeiten, als alle anderen!“, das ist das Lebensmotto von Lindsey Vonn. Sie ist 24 Jahre alt und hat in ihrer jungen Karriere beinahe alles erreicht, was man erreichen kann. Die Amerikanerin aus Minnesota gewann letzte Saison den Ski-Gesamtweltcup, triumphierte in 18 Weltcup-Rennen, holte bei der Ski-WM in Val d´Isère ihre erste WM-Goldmedaille und ist zurzeit auf dem besten Weg, die erfolgreichste Skirennläuferin aller Zeiten zu werden.

Liebe macht stark
Auch wenn es ihr Rückschläge immer wieder schwer machen: Nach ihrem zweiten WM-Triumph im Super-G zog sich Vonn letzte Woche bei der Siegesfeier eine schwere Schnittverletzung am Daumen mit einer zerbrochenen Flasche zu und musste auf den OP-Tisch. Dass Ihr solche Rückschläge wenig anhaben, verdankt sie ihrem Ehemann Thomas Vonn. Im persönlichen Interview verrät die Wahl-Tirolerin – in perfektem Deutsch – das Geheimnis ihres Erfolges, warum sie mit ihrem Vater gebrochen hat und warum sie sich als Österreicherin fühlt.

Sie holten bei der WM in Val d´Isère zweimal Gold und zogen sich danach bei der Siegesfeier eine schwere Handverletzung zu. Wie stecken Sie solche Rückschläge weg?
Lindsey Vonn:
Das war sehr hart, aber mein Mann Tom hat mir geholfen, positiv zu bleiben. Ich lebe meinen großen Traum und bin jeden Tag dankbar dafür. Seit ich auf Skiern stehe, träume ich davon, bei einer WM oder Olympischen Spielen Gold zu gewinnen. Auch das ist mir nun gelungen.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Vonn:
Wir Amerikaner sind richtige Draufgänger. Wir fahren immer mit Risiko und wir kennen keine Angst. Hinzu kommt, dass ich ein fabelhaftes Team hinter mir habe. Meine Coaches und Betreuer sind zum Teil Österreicher. Mein größter Erfolgsgarant ist aber mein Ehemann Tom. Er ist ein Ex-Rennläufer und neun Jahre älter als ich. Früher war Tom immer schneller als ich. Mittlerweile ist er einzig und allein für mich da, und hilft mir so gut wie möglich Ski zu fahren.
Wir sind seit drei Jahren gemeinsam unterwegs und er wird immer mehr zu meinem Coach. Er hilft mir auch bei Terminen und Auftritten. Tom hat seine Karriere in der Immobilienbranche zurückgestellt. Das ist nicht selbstverständlich. Ohne ihn wäre ich sicher nicht so erfolgreich.

Sie sind seit 2007 mit Thomas Vonn verheiratet. Kollidiert der Beruf manchmal mit Ihrem Privatleben?
Vonn:
Ich mache Tom das Leben sehr schwer. Nach einem schlechten Rennen bekommt er all meine Wut ab. Aber er ist hart im Nehmen und weiß, wie er mich wieder runterholt – mit Geduld und viel Geschick. Dafür liebe ich ihn. Ansonsten ist alles sehr einfach, wir können Privates und Beruf gut trennen.

Sie haben eine Traumhochzeit gefeiert. Sind Sie romantisch?
Vonn:
Ja! Die Hochzeit war der schönste Tag in meinem Leben. Wir haben uns in unserer US-Heimat Park City getraut, wo Tom und ich vor kurzem unser Haus fertig gebaut haben. Es war fast Sommer und plötzlich hat es angefangen zu schneien. Das war wunderschön.

Inwieweit sind Kinder schon ein Thema?
Vonn:
Wir wollen auf jeden Fall Kinder haben! Wir haben oft über das Thema gesprochen und uns geeinigt, dass wir bis zu meinem Karriereende warten. Und das wird hoffentlich – klopfen wir auf Holz, dass ich mich nicht verletze – frühestens 2014 nach den Olympischen Spielen in Sotschi sein. In Russland möchte ich noch einmal ordentlich abräumen und mich danach meiner Familie widmen.

Sie kommen aus einer Großfamilie. Wie viel Zeit bleibt für Ihre Eltern und Geschwister?
Vonn:
Leider sehr wenig. Meine Mutter und meine vier Geschwister sind toll. Wann immer es ihnen möglich ist, feuern sie mich bei Rennen an. Zu meinem Vater habe ich leider so gut wie gar keinen Kontakt. Er war ein sehr ehrgeiziger ‚Eislaufvater‘. Er sagte immer, er wolle mich ‚ zur Kournikova des Skisports‘ machen. Irgendwann musste ich ausbrechen und setzte meinen eigenen Kopf durch. Seitdem ist unser Verhältnis extrem abgekühlt. Ich musste meinen eigenen Weg gehen.

Mit Erfolg! Sie gelten als beste Skifahrerin der Gegenwart. Welche Träume möchten Sie sich noch erfüllen?
Vonn:
Nach WM-Gold ist mein nächstes großes Ziel ein Olympiasieg. Diesen Kindheitstraum möchte ich mir bei den Winterspielen in Vancouver im nächsten Jahr bereits erfüllen.

Sie leben in Park City und in Tirol. Sie wollen ja später in Österreich sogar sesshaft werden...
Vonn:
Ich liebe Österreich und ich habe euch Österreichern viel zu verdanken! Ich überlege, nach meiner Karriere in Kirchberg ein Haus zu bauen. Meine Friseurin und meine drei Kühe sind bereits dort.

Möchten Sie später vielleicht Landwirtin werden?
Vonn:
(lacht) Meine Kühe werde ich auf jeden Fall behalten. Ich habe sie für meine Siege geschenkt bekommen. Zwei sind wieder trächtig und ich bin neugierig auf die Kälber.

Woher rührt Ihre große Liebe zu Österreich?
Vonn:
Ich fühle mich hier ein bisschen wichtiger, als in den USA. Die Leute wissen, wer ich bin und erkennen mich auf der Straße. In den USA hat man mich bis vor kurzem gar nicht erkannt. Da hieß es: Lindsey, wer? 2008 habe ich den Gesamtweltcup gewonnen und den ESPN-Award für die ‚Sportlerin des Jahres‘ bekommen. Seitdem ist es besser.

Welchen Stellenwert hat der Skisport in den USA?
Vonn:
Leider noch keinen besonders großen, obwohl es mit Bode Millers und meinen Erfolgen von Jahr zu Jahr besser wird. Was zum absoluten Durchbruch fehlt, ist eben Olympia-Gold.

Der tägliche Konkurrenzkampf ist extrem hart. Ist es möglich, Freundschaften im Skizirkus aufzubauen?
Vonn:
Meine beste Freundin ist Maria Riesch (Anm: deutsche Rennläuferin). Wir hatten beide unsere Ups-and-Downs und sind im Moment ganz oben. Jedes mal, wenn ich im Ziel abschwinge, hoffe ich, dass Maria und die anderen Läuferinnen gesund ins Ziel kommen. Das ist am Ende des Tages das Einzige was zählt!