Glücksgeheimnisse der Skandinavier

Die besten Tipps

Glücksgeheimnisse der Skandinavier

Von den Skandinaviern lernen heißt Glücklichsein lernen. Laut dem „World Happiness Report“ sind die Finnen das glücklichste Volk der Welt. Aber auch Dänemark, Norwegen und Schweden befinden sich stets auf den vorderen Rängen – im Vergleich dazu liegt Österreich mit Platz 12 im passablen Mittelfeld. Wie schaffen die Nordeuropäer es, so glücklich zu sein? Es ist dort länger kühl, häufig regnerisch und dunkel. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ­haben die skandinavischen Staaten aber in der Tat sehr günstige Rahmenbedingungen, die ihr Glück, ganz witterungsunabhängig fördern. In nahezu keiner anderen Region weltweit gibt es so ein hohes Vertrauen in die Regierungsführung wie in Skandinavien, die Menschen leben erstaunlich zufrieden in einem gläsernen System. Korruption existiert hier so gut wie kaum, da höchste Transparenz herrscht. Norwegen hat sich zum Beispiel dazu entschlossen, seine natürlichen ­Ressourcen nur langsam und kontrolliert auszubeuten, die Gewinne in nachhaltige Zukunftsprojekte zu investieren und für die Bevölkerung gemeinsame Ziele zu formulieren. Gute Gründe also für ein wenig Vertrauen.

Autorin Maike van den Boom  bereiste zu diesem Thema zwei Jahre lang die skandinavischen Gefilde und sprach mit 300 Interviewpartnern über ihr Verständnis von einem guten Leben. Ihre spannenden wie humorvollen Erkenntnisse gibt es seit dieser Woche in dem Buch „Acht Stunden mehr Glück“ (Krüger Verlag , 20,60 Euro) zu lesen. ­Worauf die Skandis in puncto Politik, Arbeitsethos und Lifestyle Wert legen und was wir von ihnen lernen können, haben wir an dieser Stelle in 55 Punkten, Fragen und Gedanken zusammengefasst.

Glücksgeheimnisse der Skandinavier 1/11
1 In Symbiose
Klare Sache. Es gibt keine Work-Life-Balance, denn wer arbeitet, lebt auch. Das lässt sich nicht trennen.   
 
2 Mehr Ambition
Effizient zum Glück. Skandinavier wollen nicht nur erfolgreich arbeiten, sie wollen erfolgreich leben.   
 
3 Austausch freut
Freiwilliges Büroleben. Mitarbeiter müssen nicht ständig anwesend sein, aber sie wollen es, weil sie die Kommunikation benötigen und voneinander lernen wollen. 
   
4 Geben und nehmen
Alles fließt. Wer um 14 Uhr zum Skirennen der Kinder abdüsen kann, der liest auch gerne mal im Urlaub seine Mails.  
 
5 Gelebte Fairness
Neidlos. Die gegenseitige Flexibilität fließt hin und her, keiner hat Angst, er könnte zu kurz kommen. Alle gehen davon aus, dass jeder sich dem anderen gegenüber fair ­verhält.  
 
 
6 Kommunikation!
Wenn nichts klappen will. Reden hilft. Reden hilft immer, einander zu verstehen.
 
7 Ressourcen nutzen  
Glücks-Turbo. Nordländer arbeiten nicht weniger, sondern schlauer. Die Geschäftsführerin von Siemens Norwegen erklärt: „Wir arbeiten als Land im Schnitt mehr als Deutschland, aber pro Person weniger.“ Das liegt mitunter daran, dass glückliche Menschen an die zwölf Prozent produktiver sind, wie eine Studie aus 2015 zeigt.

8 Im Rahmen bleiben
Ansonsten müsste man vielleicht etwas ­ändern? Auch wenn es immer Ausnahmen gibt, wird man in den skandinavischen Ländern dazu angehalten, keine Überstunden zu machen.    
 
9 Win-Win für alle
Das Credo lautet: Wenn Du glücklich bist, wirst du dich auch gerne einbringen und einsetzen. Dabei geht es nicht darum, dass aus diesem Grund die Kasse klingelt. Unternehmen wollen glückliche Mitarbeiter.  
 
10 Human denken 
Kollegen sind Menschen. Arbeitsplätze sind keine kühlen Orte ohne Emotionen. Große Krisen und kleine tägliche Pannen funken ständig in unser sogenanntes professionelles Leben. Wie grausam wäre es dann zu erwarten, dass Mitarbeiter einfach weiter funktionieren.    
 

11 Melange des Lebens 
Gedanken einer glücklichen Skandinavierin. „Wenn Arbeit ein Teil des Lebens ist, weshalb muss man denn überhaupt abschalten von der Arbeit? Ich schalte doch auch nicht von der Familie ab. Oder vom Sport. Ich mache mir Gedanken über die Schule meiner Tochter, meine Zukunft, meine Finanzen, meine Gesundheit, meinen Urlaub, mein Buch, meine Interviews. Was von all dem soll ich abends abschalten?“
 
12 Kein faken bitte 
Authentizität rockt. Nichts wirkt, wenn es nicht wahrhaft vom Herzen kommt. Alles steht und fällt mit dem Wort: echt. Echtes Vertrauen, echte Anteilnahme, echt okay, dass die Kollegin auch heute früher nach Hause geht, um ihrer Tochter bei den Vorbereitungen für ein Schulfest zu helfen.    Und keine Kollegen, die aus diesem Grund schräg schauen, oder im schlimmsten Fall hinterrücks darüber tuscheln. 
 
13 Offenes Geheimnis  
In einem Land gläserner Menschen heißt das Zauberwort Vertrauen und Transparenz die praktische Umsetzung.     
 
14 Prioritäten setzen 
Vergessen Sie niemals: Die Arbeit muss ins Leben passen und nicht umgekehrt. 
 
15 Liebe im Norden  
Scheidung kann auch positiv sein. Vielleicht sind die dortigen hohen Scheidungsraten auch ein Indiz für hohe Lebensqualität. Ein Zeichen dafür, dass man zusammenbleibt, weil man es will, und nicht, weil man sonst befürchten müsste, entweder an den Rand der Armutsgrenze verbannt zu werden, allein mit Kind, wie besorgniserregend viele Mütter in Deutschland, oder aber den Kontakt mit seinen Kindern zu verlieren, wie besorgniserregend viele Väter in Deutschland.
 
  
16 -  50:50 ist die Norm  
Erkämpfte Rechte. Gleichberechtigung ist der Heilige Gral der Wikinger und wird ­vehement verteidigt. Vor allem von den Männern.  
 
17 Sharing is caring 
Kinder sind Teamwork. Die Skandis machen es vor, wir machen nach: Sparen Sie sich das mühsame Herantasten über zwei und dann vielleicht drei Väter-Monate, sondern setzen Sie gleich auf fifty-fifty. Das hilft vorsorglich gegen weiblichen Burn-out. 
 
18 Evolution of Life 
Mütter können alles und noch viel mehr. Veränderung ist absolut erwünscht. Der Mensch reift nicht, wenn er immer nur dasselbe tut. Und kein Lebensereignis ist ergreifender als die Geburt eines Kindes. Und so herrscht in Schweden die Überzeugung, dass Personen, die Eltern werden, auch in ihrer Führungsrolle oder als Mitarbeiter reifen. 
 
19 Neid kann ab 
Fragen, die man sich stellen muss. Wie können wir überleben, wenn wir einander nicht vertrauen und nicht aneinander glauben?  
 
20 Zuversicht, olé!  
Es wird schon gut sein ... Die Länder des Nordens sind sogenannte High-Trust-Countries. Wenn Sie Skandinavier fragen, ob sie glauben, dass man Menschen im Allgemeinen vertrauen kann, dann sagen rund 68 Prozent der Dänen, 66 Prozent der Norweger und 64 der Schweden vorbehaltlos Ja. Im Vergleich dazu liegt dieser Wert in Deutschland bei nur 38 Prozent.
 
 
21 Vertrauen ist alles 
und Glaube hilft.  Das Maß an Vertrauen ist eng an das eigene Menschenbild gekoppelt. Es bestimmt alles. Wie wir miteinander umgehen, was wir wagen, wen wir ­lieben, mit wem wir uns verbinden, wie wir zusammen die Zukunft gestalten können. Wie glücklich wir sind.    

22 Alle tun Gutes 
Vertrauensvorschuss. Was immer ein Mensch tut, er tut es in guter Absicht. So ist die nordische Sicht. Ist das Menschenbild positiv, ist auch Vertrauen da. 
 
23 QUID PRO QUO 
positiver Einfluss.  Studien haben ergeben, dass Menschen, denen Vertrauen geschenkt wird, sich auch vertrauenswürdig verhalten. 
   
24 Skandi says ... 
Skandinavierehrenwort. Je echter die Wahrheit, um so kürzer der Weg zur Verständigung. Wahrheit bedeutet die Übereinstimmung einer Aussage mit der Sache, über die sie gemacht wird, oder: Sag, was du tust; und tue, was du sagst. Stehe zu deinem Wort, halte dein Versprechen. Übernimm Verantwortung.

25 Blabla ist out 
Reden Sie Tacheles, oder halten Sie die Luft an. Ehrlichkeit ist ein Basiswert in diesen Ländern. Besser nachdenken und schweigen, anstatt belanglos zu schwätzen. Nett gemeint, aber glatt gelogen, damit haben es die Norweger und Schweden nicht so. 
 
 
26 Ziel ist Ziel  
Bescheiden denken, dafür größer freuen. Anstatt zu hohe Erwartungen zu haben, ­stapeln die Skandis lieber tief, um sich stets selbst zu übertreffen. Genial !

27 You gotta have faith 
Lässige Lebensart. Vertrauen ist in all seiner Naivität die Neigung, das Leben erst einmal positiv zu sehen. Eine dem Glück sehr zuträgliche Einstellung. 
  
28 Lifestyle-trend 
... mit philosophischem Anspruch. „Lagom“ oder „Hygge“ ist die Kunst, im Einklang mit sich und der Welt zu leben, um seinem eigenen Wohlbefinden so nahe wie möglich zu kommen.  
 
29 Glück ist nicht viel  
... aber gerade genug. Nur, wie finde ich meine Mitte? Prüfen Sie Ihr Verlangen. Ist das, was Ihnen wichtig erscheint, wirklich wichtig? Oder wollen Sie einfach nur eine gute Zeit haben? Oft benötigen wir viel weniger als das, wonach wir verlangen. Die Lagom-Art des Lebens bedeutet nicht zu viel, nicht zu wenig, und damit genug zum Glücklichsein.
 
30 Freiheit für alle 
Life-Hack. Vertrauen hat damit zu tun, Menschen loszulassen, anstatt ihnen im Weg rumzustehen. Nehmen Sie anderen nicht die Chance, aus Erfahrungen zu lernen. 
 
 
31 Sexy Souveränität 
Die Macht der Eigenständigkeit. Liebe ist nur dann echt und unverfälscht, wenn sich beide Partner als vollständig gleichwertige Individuen gegenübertreten. Wenn ­weder Kinder von ihren Eltern abhängig sind, noch Eltern von ihren Kindern, Frauen nicht von ihren Männern, Männer aber auch nicht von ihren Frauen. Auch im Falle einer Trennung. 
 
32 Vorsorge schützt 
... vor unangenehmen Interdependenzen. Steuern sind der Schatz fürs unabhängige Leben. Damit die Kinder nicht irgendwann (ungewollt) anpacken müssen. „Wir möchten, dass unsere Beziehungen auf Freiwilligkeit basierten und nicht auf Dingen wie Pflichtbewusstsein, finanzieller oder emotionaler Abhängigkeit.“
 
33 Chancen für alle    
Kein Spaß! Wenn Kinder studieren, bekommen alle ungeachtet des Einkommens der Eltern die gleiche Studienfinanzierung vom Staat, der Sohn des Königs genauso viel wie der eines Bauarbeiters. „Wenn sie 18 Jahre alt sind, haben sie alle die gleichen Möglichkeiten“, erzählt Lars. Und das bedeutet, dass jeder werden kann, was er will.   

34 Die Pippi-Philosophie 
Originalität ist toll. Seien Sie eine eigenständige, eigenwillige und rotznäsige Kreatur, mit zwei verschiedenen Socken. Und achten Sie nicht zu sehr darauf, welche Farben die Socken der anderen haben. 
 
35 You are wanted 
Irgendjemand braucht genau so jemanden wie Sie! Man benötigt starke Individuen für ein starkes Team. Einheitsbrei braucht keiner.  
 
 
36 Simpel & effektiv  
Ob Kind, Mitarbeiter oder Partner. Selbstvertrauen benötigt Raum zum Wachsen.  

37 Mehr Mündigkeit 
Reifeprüfung. Unterricht befähigt Kinder dazu, den Mut zu haben, die Verantwortung für ihr eigenes Lernen und ihr eigenes Leben zu übernehmen.
 
38 Probleme umdenken 
Top-down-Entscheidungen umdrehen. Seit ein paar Jahren gilt für OP-Schwestern ein Sechs-Stunden-Tag. Diese haben davor ihre Probleme angekreidet und sich selbst eine Lösung überlegt, sie waren die Einzigen, die wussten, was man besser machen konnte. Ein fortschrittlicher Ansatz, der auch bei den Klinikvorständen positiven Anklang fand. 
 
39 Bedeutung schenken  
Eigene Wege fördern. Skandinavische CEOs gewähren Autonomie und Verantwortung: Die Mitarbeiter wissen, was sie liefern  müssen, wie, ist egal. Man kennt das Ziel, niemand schreibt aber den Weg vor. Das gibt auch einem einfachen Arbeiter das Gefühl, ein wichtiger Teil des Ganzen zu sein. 
 
40 Freigeist fördern 
Drang ins Unbekannte. Nordländer sind ­Eroberer, selbstbewusste Menschen, die den Kurs ihres Lebens selbst bestimmen. Kein Meer war den Wikingern zu weit, kein Feind zu mächtig, keine Brücke zu tief.  Bis heute hat sich an diesem stürmischen Freigeist nicht viel geändert. 
 
 
41 Info ist Gold wert 
Wissen ist Macht. Skandinavier sind versessen auf Informationen! Was ich tun werde, was mein Kollege tun wird, was die anderen tun, was die ganze Welt tut! Durch Information wird man besser.   
 
42 Eigens denken 
Herde ohne Leithammel. Die Skandinavier haben den Mut zur Frage, was auch recht anstrengend sein kann. Doch hier wackelt kein Schaf dem anderen einfach nur so hinterher.  

43 Ehrgeiz anregen 
Inspire to desire. Da man Menschen schlecht langfristig motivieren kann, setzten die Skandis lieber auf die Inspiration dazu, die eigene, innere Motivation auf die beste Art zu nutzen. 
 
44 Gesetze akzeptieren  
Alle halten sich dran. Der Skandinavier besitzt ein tiefes Vertrauen (wieder dieses Zauberwort!) darin, dass Gesetze zu aller Gunsten erlassen wurden und werden.  
 
45 Sinn der Sache 
Über den eigenen Horizont. Jeder Mensch ist glücklich, wenn er frech und wild und wunderbar sein kann. Aber es macht noch glücklicher, wenn wir unsere Talente nutzen, um darüber hinaus bedeutungsvoll für die Welt zu sein. 
 
 
46 Reich durch Lagom 
Genügsamkeit ist das Stichwort. Was das 
Finanzielle und Materielle angeht, ist die Lagom-Philosophie eine gute Richtlinie für ein reiches Leben.  
 
47 Im Dialog 
Austausch leben. Nichts ist wertvoller als der Blickwinkel des anderen. Das ist der ­Basisgedanke, der dem berühmt-berüchtigten skandinavischen Konsens innewohnt. Deshalb lebt der Norden vom Dialog. 

48 Alles ist im Wandel 
Perfektion ist ein Mythos. Die einzige Konstante ist der Wandel. Die einzige Gewohnheit die Veränderung. Denn das Streben nach Perfektion ist so sinnvoll, wie Wasser zum Meer zu tragen, wie der Holländer gern sagt.

49 Auf den Punkt 
Keine Umwege. Skandinavier sind mit dem Gedanken aufgewachsen, dass man alles, was man effizienter machen kann, auch ­effizienter tun sollte. 
 
50 Fehler zulassen 
Lehren ziehen. Denken Sie an ihre eigene Lebensgeschichte. Sie haben einen Fehler nach dem anderen gemacht. Oft denselben, aber immer unter anderen Umständen. Urteilen Sie also nicht zu hart, denn jeder Mensch hat das Recht auf seine eigenen Fehler! Gerne auch zweimal. 
 
 
51 ich+ du = WIR 
Hier regiert das Teamwork. „Wir“ funktioniert nur nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip. Der Arbeitsplatz ist die Wahlheimat, Menschen treten morgens durch dieselbe Türe oder loggen, weil sie zusammen etwas erreichen möchten.

52 Der weise Schwarm  
Mehr wissen immer mehr. Skandinavier glucken ständig zusammen, weil sie davon überzeugt sind, dass keiner die Weisheit alleine gepachtet hat. Schon gar nicht der Experte, der am meisten weiß. 

53 Nein zu Neid 
Bevor Sie wieder haten ... Schauen Sie Ihrem Neid tapfer in die Augen. Er will Ihnen eventuell sagen, dass Sie sich selbst mehr lieben sollten. Auf die Zunge beißen und das eigene Gedanken-Karussell ausbremsen, ist nicht nur dem Glück desjenigen ­zuträglich, der Ihr Opfer würde, sondern auch Ihrem eigenen.  
 
54 Glück kultivieren 
Guten Menschen widerfährt auch Gutes. Es ist einfacher, glücklich zu sein, wenn man von glücklichen Menschen umringt ist, die sich, jeder auf seine Art, dafür einsetzen, das Glück des anderen wachsen zu lassen. Werden Sie also so ein glücklicher Mensch, der andere umringt. Reichen Sie nur Ihr Bestes weiter. 
 
55 STEP BY STEP 
... zum Glück. Wenn Sie sich ein wenig Zeit nehmen, dann werden Sie die Dinge in kleinen Schritten in die Richtung bewegen können, die Sie als positiv empfinden.

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