Glücks-Strategien in der Krise

Bloß nicht den Mut verlieren!

Glücks-Strategien in der Krise

Wenn wir nichts zu lachen haben, ist es besonders wichtig, seinen Humor nicht zu verlieren“, erklärt Roman Szeliga im MADONNA-Talk (siehe unten)  – und er muss es ja wissen. Als Mitbegründer der CliniClowns ist der Motivationsspeaker mit kritischen Situationen wohlvertraut, muss jeden Tag aufs Neue mit heraus­fordernden Umständen zurechtkommen. Humor, sagt er, sei dabei „eine durchaus bodenständige Betrachtung und Verarbeitung harter Tatsachen“.

Auf sich selbst schauen. Dementsprechend sei es der eigenen Laune durchaus fördernd, die Nachrichten auch einmal abzudrehen und sich mit anderen Dingen als aktuellen Opferzahlen oder Isolationsprognosen auseinanderzusetzen. Denn, wie Szeliga ebenfalls betont, müsse man jetzt vor allem auf das eigene Wohlsein achten. Auch wenn es auf den ersten Blick egoistisch erscheinen mag: „In Krisenzeiten gilt, wie auch in einem Flugzeug bei einem Druckabfall: Die Erwachsenen setzen sich die Sauerstoffmasken zuerst auf, um dann die Kinder bestmöglich versorgen zu können. Da gilt im übertragenen Sinn auch jetzt: Schauen Sie auf sich, gönnen Sie sich Pausen, und lassen Sie im Haushalt auch einmal etwas liegen (jetzt ist der ideale Moment, Perfektionismus aufzugeben). Wenn es Ihnen gut geht, geht es Ihren Kindern gut.“

Singen gegen den Kummer. Was kann man also tun in Zeiten, in denen man im besten Fall nicht rausgehen soll? Tanzen und singen zum Beispiel. Wer auf Letzteres setzt, kann sich zum Beispiel neue Texte zu bekannten Liedern ausdenken. Das wird vor allem auf Social Media kultiviert, wo zum Beispiel der wohl bekannteste Stones-Hit in Zeiten von Corona zu I can get no desinfection umgemünzt wurde. Neil Diamond höchstpersönlich stellte ein Video mit krisenangepassten Lyrics seines Hits Sweet Caroline – nun eben Sweet Quarantine – online, und auch eine Neufassung der New-Wave-Hymne My Sharona liegt eigentlich auf der Hand. Ihre Kreativität bezüglich weiterer Neuversionen ist nun gefragt!
 
Island als Vorbild. Auch Glücksforscherin Maike van den Boom hat Gute-Laune-Tipps (siehe Kasten unten) für unsichere Zeiten. „Wir entscheiden jetzt, ob wir in einer Art Schockstarre verharren, in der das negative Denken Überhand gewinnt, oder ob wir gerade jetzt die Zeit nutzen, vorauszudenken und uns der Themen annehmen, die sonst im persönlichen Alltag und in den festgefahrenen Strukturen der Wirtschaft und Gesellschaft untergingen. Themen wie Digitalisierung, Gleichstellung und Lebensqualität im Job. Wenn wir in die Zukunft aufbrechen wollen, müssen wir erst die Vergangenheit aufbrechen: Routinen, Selbstverständlichkeiten und Annahmen über die Welt“, erklärt die Bestsellerautorin hinsichtlich der Möglichkeiten, die durch eine solche Situation erwachsen, im Talk. Und führt dabei das Beispiel der Isländer an, die 2008 Staatsbankrott anmelden mussten. „Sind die knapp 300.000 Bewohner der kleinen Vulkaninsel damals durch die Krise unglücklicher geworden? Die Antwort der Glücksexpertin Dóra Guðrún Guðmundsdóttir vom Direktorat für Gesundheit in Reykjavík lautete eindeutig: Nein. Umfragen des Ministeriums zum Thema Glück und Wohlbefinden vor und nach der Krise ergaben, dass das Glücksniveau unterm Strich gleich geblieben ist. Denn die 20 Prozent der Isländer, die unglücklicher wurden, hatten sich zu viele finanzielle Verpflichtungen aufgeladen. Die 20 Prozent hingegen, deren Glücksempfinden während der Krise stieg, gaben an, dass sie endlich wieder Zeit füreinander hatten. Bei dem vergangene Woche veröffentlichten Weltglücksbericht liegt Island auf Platz 4. Eine Krise macht also nur kurzfristig unglücklich, langfristig hat sie das Zeug zum richtigen Glücksbooster.“ Van den Boom resümiert: „Negatives Denken und Weltuntergangsstimmung bedingen den Weltuntergang. So ist es schon immer gewesen. Die stärkste Aufbruchsstimmung hat auch Deutschland nach dem Krieg erlebt. Lasst uns unser Leben also nicht in eine Vor- und Nach-Corona-Zeit einteilen. Lasst uns in der Corona-Zeit bereits am Aufbruch in eine ungewisse Zeit arbeiten.“
 

 

Gute-Laune-Tipps einer Glücksforscherin   

Maike van den Boom © maikevandenboom.de

„Wenn sich bei Ihnen jetzt absolut keine positive Stimmung einstellen möchte und Ihr ­Gehirn jeden positiven Gedanken mit einem Aber versieht, nicht verzagen, einfach trainieren. Denn negatives Denken, was von ­einigen gerne mit realistischem Denken verwechselt wird, entzieht Ihnen und Ihrer Umgebung die Energie, die Sie gerade am stärksten benötigen. Negatives Denken und Stress sorgen dafür, dass sich unser kogni­tiver Rahmen im Gehirn verengt. Wir haben auf einmal Scheuklappen auf und sehen keine Lösungen mehr. Wir schauen nicht weiter als bis zum Tellerrand des Unglücks. Ganz anders ist es, wenn wir uns darin üben, po­sitiv zu denken: Unser Rahmen vergrößert sich, wir werden kreativer, produktiver und lösungsorientiert und empfinden eine Menge mehr Energie: Also erst mal: Meckern ist okay. Aber nicht zu lange und nicht zu oft. Machen Sie die ‚1-Wochen-Challange‘. Versuchen Sie eine Woche lang, keinen negativen Gedanken zu denken. Keine Angst, Sie werden es nicht hinbekommen. Nehmen Sie es mit Humor. Was euch aber auffallen wird, ist, wie viel Dinge wir am Tag so denken, die uns eher runterholen als aufpeppen. Jedes Mal, wenn Sie so einen Gedanken am Schlafittchen haben, nehmen Sie ein wenig Anlauf und schmeißen Sie ihn gedanklich zurück ins Hirn. Er darf wiederkommen, wenn er positiv ist. Beispiel: Jetzt fängt es auch noch zu regnen an! Ummodeln in: Cool, es regnet! Gut, dass ich nicht raus muss. Damit trainieren Sie Ihr Gehirn, sich auf das Positive zu konzentrieren. Hören Sie auf, über negative Dinge zu sprechen, und halten Sie auch andere an, damit aufzuhören. Sprechen Sie das aktiv an, verabreden Sie sich zu Pep-Talks, Motivationsgesprächen, in denen Sie mit Humor über die positiven Aspekte der Krise reden. Zurzeit natürlich eher über das Telefon.“ 

Glücksforscherin Maike van den Boom weiß, wie Sie lernen, mit der aktuellen Situation klarzukommen. Weitere Infos: maikevandenboom.de

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Humor stärkt die seelische Kraft

Roman Szeliga im Talk

Roman Szeliga © roman-szeliga.com

„Wir brauchen den Humor derzeit wie einen Bissen Brot“, erklärt Roman Sze­liga, der als Mitbegründer der Clini­Clowns schon seit knapp 30 Jahren mit Humor gegen Krisen vorgeht. Seine Empfehlungen für schwere Zeiten lesen Sie hier.

Was haben Sie in Ihrer Zeit als CliniClown gelernt?
Roman Szeliga: Eines der wichtigsten Dinge, die ich gelernt habe, war, welche enorme positive Kraft der Humor in den schlimmsten Situationen des Lebens haben kann. Wie Humor Menschen in Phasen der (Lebens-)Krise verbinden kann, wie man mit ganz bewusst eingesetzter, wohldosierter Leichtigkeit dem Schweren im Leben begegnen kann, um damit auch Psychohygiene zu betreiben.
 
Was sind die Einstellungskriterien für ­CliniClowns?
Szeliga: Um es kurz zu machen: Für diese wunderbare, aber auch extrem einfühlsame Arbeit nehmen wir nur die Besten der Besten! Die Einbeziehung der Clowns in den therapeutischen Prozess verlangt eine besondere Ausbildung und basistherapeutisches Wissen. Grund­voraussetzungen für die Arbeit als Clini­Clown sind allerdings primär soziale Kompetenz, die Liebe zu und die Achtung vor den Menschen. Dass die Clini­Clowns vorwiegend aus künstlerischen, sozialen, medizinischen und pädagogischen Berufen kommen, ist sicherlich kein Fehler. Eine zirzensische, musikalische oder schauspielerische Fähigkeit und Ausbildung ist sicher von Vorteil. Ein langwieriges Aufnahmeverfahren, laufende Weiterbildung und die enge Zusammenarbeit zwischen CliniClown-Bewerber und aktiven Clowns haben zum Ziel, nur die geeignetsten Personen für die Arbeit der CliniClowns auszuwählen und einzusetzen.
 
Wie bleibt man als CliniClown nach einem langen Tag mit kranken Kindern hoffnungsfroh?
Szeliga: Es sind oft kleine Momente, die im ärgsten Leid deine positive Arbeit bei dir im Herzen spürbar machen. Ein kurzes Lächeln eines Kindes, das nicht mehr lächeln wollte, die glücklichen Blicke der Eltern, wenn sie merken, welch Freude das eigene schwerkranke Kind mit den Clowns hat, und auch das Danke der Ärzte und der Schwestern für unsere Fähigkeit am Ort von Angst, Trauer und des Schmerzens motivierender Hoffnungsspender zu sein.
 
Was tun Sie, wenn es Ihnen einmal schlecht geht?
Szeliga: Ich versuche primär, herauszufinden, was oder wer für meine schlechte Stimmung verantwortlich ist. Kann ich es ändern, dann versuche ich, diese negative Situation rasch in eine positive umzuwandeln. Kann ich sie nicht ändern, versuche ich, sie zu akzeptieren, um mich aber dann ganz bewusst und rasch einer angenehmen Aufgabe zuzuwenden. Dabei ich habe weitgehend gelernt, schlechten Stimmungen nicht die Macht über meine Einstellung zum positiven Leben zu geben. Ich weiß auch: Jede Minute, in der ich mich ärgere, verpasse ich vielleicht eine Minute eines wundervollen Moments. Deswegen zeige ich mir auch symbolisch und mental beim Aufkommen von schlechten Gefühlen die Rote Karte. Und das hilft – probieren Sie’s aus!
 
Mehr zu Szeligas Erlebnisvorträgen und Seminaren rund um die positive Kraft von Humor im täglichen Berufs- u. Privatleben finden Sie unter roman-szeliga.com
 

Glück ist (k)eine Lotterie - Soziologin Prof. Dr. Petra Arenberg
Forschungsergebnissen zufolge hängt dauerhaftes Glücksempfinden von drei Hauptkomponenten ab. „Die Unterschiede zwischen Personen werden dabei etwa zu 50 % über die Genetik, zu 10 % über die Situation und zu 40 % über deren Aktivitäten erklärt“, so Prof. Arenberg, die an der SRH Fernhochschule unterrichtet. „Jeder kann also selbst einen Teil dazu beitragen, glücklich zu werden.“ Wie das gelingt, lesen Sie hier.
 
Was bedeutet Glück in unsicheren Zeiten? 
Petra Arenberg: Glück wird im deutschsprachigen Raum oft pauschal verwendet, es umfasst jedoch mehrere unterschiedliche Konstrukte. Dazu zählen nicht nur das Zufallsglück, wie der Lottogewinn, sondern auch Lebenszufriedenheit, Wohlbefinden und Lebensqualität, ebenso wie hedonistisches Glück. In unsicheren Zeiten kann sich das Verständnis eher auf die Lebensqualität beziehen. Die Präferenzen können sich ändern, da sicher Geglaubtes schwindet (z. B. Lebensmittelversorgung) und Spaß (hedonistisches Glück) wegen der äußeren Umstände nicht mehr erlebt werden kann oder nicht als sinn­erfüllend empfunden wird.
 
Inwiefern verschieben sich Glücksmotive, wenn die Zeiten unsicher sind?
Arenberg: Glück hat unterschiedliche Quellen, es wird auch unterschiedlich erklärt, und es gibt interindividuelle Unterschiede. Für diejenigen, die vorübergehende Lebensbefriedigungen bevorzugen, ändert sich während einer längeren Ausgangssperre etwas fundamental. Sogenannte Gipfelerlebnisse, z. B. Party feiern, fallen plötzlich weg. Darüber hinaus kann es durchaus sein, dass Glück wieder mehr als Sicherheit oder Qualität sozialer Beziehungen verstanden wird. Die Bedeutung und der Wert von Familie oder Freunden für das eigene Wohlergehen werden bewusst.
 
Inwiefern greifen Menschen vielleicht auf Glücksbringer und Talismane zurück?
Arenberg: In unsicheren Zeiten kann Aberglaube durchaus wieder vermehrt auftreten. Eine Frau glaubt beispielsweise daran, dass ein bestimmtes Symbol oder ein Talisman Glück bringen. Bei Schwierigkeiten gibt sie nicht so leicht auf, sondern versucht es weiter, denn sie hat ja ihren Glücksbringer dabei und fühlt sich selbstsicherer. Der Glaube an das Glück kann unsere Denkprozesse und unsere Handlungen beeinflussen und dieses somit verwirklichen. Ein ähnlicher wissenschaftlicher Ansatz ist die Erhöhung der Selbstwirksamkeit. Aus ­eigener Kraft wird ein Ziel erreicht oder eine anspruchsvolle Herausforderung gemeistert, weil man sich selbst positivere Eigenschaften, mehr kognitive Fähigkeiten (Intelligenz) etc. zuschreibt. Wissenschaftliche Befunde zeigen, dass Leistungen über diese Prozesse tatsächlich gesteigert werden können.
 
Gibt es Rezepte für das schnelle Glück? Wenn man sich während der Isolation vielleicht etwas pushen möchte…
Arenberg: Durchaus. Tun Sie etwas Gutes für jemand anderen. Spenden Sie online für den Tierschutz, oder geben Sie digital eine gute Restaurantrezension. Machen Sie anderen am Telefon ein ehrliches Kompliment. Hören Sie Musik, die Sie in eine gute Stimmung versetzt. Besser ist es, wenn sie dazu auch noch tanzen. Bewegung kann glücklich machen.
 
Wie kann ich mich nachhaltig dazu bringen, glücklich zu sein?
Arenberg: Glückliche Menschen haben mehr glückliche Erinnerungen. Wir können diese Ereignisse selbst, durch unsere Aktivitäten, schaffen. Außerdem können wir unser Denken verändern. Sich fragen: Was hat das Gutes? Was ist positiv an der Situation? Wir stoppen negative Gedanken und Gefühle. Das braucht Zeit und Übung, kann aber durchaus erfolgreich sein. Nur Mut!
 
Arenberg ist Vortragende an der SRH Fernhochschule, die auf berufsbegleitendes Studieren spezialisiert ist. mobile-university.de
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