Der große Gehaltscheck

Plus: Tipps für die Gehaltsverhandlung

Der große Gehaltscheck

Sie sind männlich, Akademiker und über 50? Glückwunsch, dann gehören Sie mit großer Wahrscheinlichkeit zu den Spitzenverdienern der Privatwirtschaft. Sind Sie weiblich, über 30 und haben vielleicht schon Ihr erstes Kind, sind Sie statistisch gesehen  gehaltstechnisch eher benachteiligt. Denn wie viel jemand verdient, ist auch heutzutage noch von Geschlecht und Alter abhängig, wie eine aktuelle Erhebung der Statistik Austria ergeben hat. Das Institut hat für seine Studie Verdienststrukturen von 2010 mit 2014 verglichen und festgestellt, dass Männer über 50, mit einem akademischen Abschluss, mit ihrem gehaltlichen Schnitt von 20,59 Euro pro Stunde in puncto Einkommen sehr weit vorne liegen.  

Aus der weiblichen Perspektive. Für Frauen hingegen hat sich die gläserne Verdienstdecke in den letzten vier Jahren nur minimal gehoben. Im Durchschnitt verdienen diese weiterhin 19 Prozent weniger als Männer. Hier stehen die weiblichen 12,23 Euro pro Stunde den männlichen 15,09  Euro gegenüber. Es ist auf jeden Fall positiv zu beobachten, dass der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern bei der letzten Erhebung, die 2010 stattfand, noch 21,1 Prozent betrug, was aktuell einen Rückgang von 2,1 Prozent bedeutet. In einem Achtjahres-Vergleich bedeutet es immerhin 3,7 aufgeholte

Prozentpunkte, die dennoch keinen Grund zum Jubeln liefern. Tamara Geisberger, die Bevölkerungsstatistikerin der Behörde, beschrieb diese Entwicklung bei der Vorstellung von Lohn- und Gehaltsentwicklung gelinde gesagt als „langsam“. Dennoch ist die Einkommensschere offensichtlich immer noch gegeben, eine Sachlage, der u. a. auch Frauenministerin Sabine Oberhauser vehement den Kampf angesagt hat. Ein Kampf, der auch wirklich notwendig ist, wenn man sich mit den weiteren Zahlen näher auseinandersetzt.


Karrierekiller Kind.
Betrachtet man die Bruttoverdienste nach Branchen, verdienen Frauen nämlich in sämtlichen Berufsfeldern schlechter als ihre männlichen Kollegen. Hinzu kommt, dass Frauen vermehrt in Billiglohnbranchen beschäftigt sind und dort außerdem oft nur als Teilzeitkräfte fungieren. Während 68 Prozent der atypisch Beschäftigten Frauen seien – geringfügig Beschäftigte ausgenommen – beträgt die Männerquote bei Vollzeitarbeitsplätzen 72 Prozent. Im Hinblick auf weibliche Karrieren kommt außerdem noch der „Risikofaktor Kind“ dazu. Führt man sich die Statistiken zu Gemüte, ist herauszulesen, dass es ein Nachteil ist, eine Frau und über 30 zu sein. Überlegt man sich, dass die durchschnittliche Österreicherin ihr erstes Kind knapp unter 30 gebärt, kann man auch davon ausgehen, dass es danach nur den wenigsten gelingt, wieder Anschluss an gut bezahlte Spitzenpositionen zu erlangen. Häufig rutschen diese dann in Teilzeitmodelle und verdienen als Konsequenz mit über 50 beinahe ein viertel weniger als Männer der gleichen Altersgruppe. Bei der jüngeren Generation beträgt die Gehaltsschere im Vergleich dazu nur knapp 16 Prozent.    

Gehalt © Gehalt

Treu bleiben oder lieber neu anfangen? Ein weiteres Faktum, das für ein höheres Gehalt kausal ist, ist der Zeitraum der Anstellung im gleichen Unternehmen. Laut Erhebungen von Statistik Austria sind Männer ihren Unternehmen gegenüber treuer und bleiben im gleichen Betrieb durchschnittlich neun Jahre lang beschäftigt. Frauen hingegen bleiben im Schnitt sieben Jahre lang. Vulgo: je länger die Unternehmenszugehörigkeit, desto positiver ist das für den eigenen Gehaltsscheck. Denn statistisch gesehen verdient ein Firmenangehöriger, der zwischen zehn und 19 Jahre im gleichen Betrieb angestellt ist, 45 Prozent mehr als ein Firmenneuling.  

Statistischer Einkommensnationalismus. Letztlich sei auch das Kriterium der Staatsangehörigkeit für die Lohnhöhe zu nennen. So erhalten Nichtösterreicher einen mittleren Bruttostundenlohn von 11,22 Euro. Für Österreicher beträgt dieser hingegen 14,45 Euro. Wesentlich geringere Bildungsabschlüsse führten etwa bei Staatsangehörigen aus dem ehemaligen Jugoslawien (außer Kroatien und Slowenien) und der Türkei zu Bruttostundenlöhnen von nur rund 10,80 Euro, so die Statistik. An letzter Stelle der Skala stünden türkische Frauen, hieß es. Diese müssten sich mit einem Bruttostundenlohn von nur 8,31 Euro begnügen. Keinem, der sich nicht einfach so mit dem vorgeschlagenen Einstiegseinkommen zufriedengeben möchte bleibt die Gehaltsverhandlung erspart. Damit das auch gut klappt, lesen Sie rechts die besten Tipps. 

Tipps für die Gehaltsverhandlung 1/5
Die Expertin Dr. Kösten rät:TIPP 1: Sie sind kein Bittsteller, sondern erbringen konkrete Leistungen. Stellen Sie sich deshalb vorher einen Katalog zusammen, in dem alle erbrachten Leistungen festgehalten sind. So sind Sie top vorbereitet und haben genügend Argumente.
 
TIPP 2: Kennen Sie Ihren Marktwert!
Sie müssen sich vorher darüber informieren, was in der jeweiligen Branche in einer bestimmten Position üblicherweise bezahlt wird. Überlegen Sie sich vorher ihr Verhandlungsziel, bei welchem Betrag Sie aus der Verhandlung aussteigen würden und auch einen Kompromiss, der für Sie akzeptabel ist.
TIPP 2: Bewahren Sie Ruhe.
Nachdem Sie den Preis für Ihre Leistung genannt haben, warten Sie ab. Beginnen Sie nicht, sich zu rechtfertigen, damit bringen Sie sich nur in die Defensive. Halten Sie das Schweigen durch.
TIPP 3: Es ist nichts Persönliches!
Frauen machen oft den großen Fehler, sich mit ihren Forderungen zu assoziieren. Wenn es dann zu einem „Nein“ kommt, was in einer Verhandlung schließlich leicht passieren kann, werten sie das als persönlichen Angriff, als ein „Nein“ zu ihrer Person.
TIPP 4: Nicht in die Defensive drängen lassen!
Wenn man mit einem solchen „Nein“ konfrontiert ist, muss man reagieren. Etwa indem man Fragen stellt. Z. B. „Können Sie mir sagen, was ich hier noch zu erfüllen habe, um dieses bestimmte Gehalt zu bekommen?“

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