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20 Öko-Hacks für den Alltag

Klimaschutz geht uns alle an! Lassen Sie sich von Autorin Katarina Schicklings genialen Alltags-Hacks zu einem nachhaltigeren Lifestyle ganz im Sinne unserer Umwelt inspirieren. 

E s führt kein Weg drum herum: um eine Erwärmung der Erde um kritische 1,5 Grad Celsius oder gar mehr zu verhindern, muss sich vieles ändern. Allem voran in der Politik, die man wie es die Fridays-for-Future-Aktivistinnen vormachen, bei zu laschem Vorgehen mit Protesten oder Petitionen unter Druck setzen kann, aber sehr wohl auch im persönlichen Alltag. Denn es gibt zahlreiche Möglichkeiten den eigenen Fußabdruck zu verkleinern (auf mein-fussabdruck.at bekommen Sie eine Idee davon, wie sich dieser aktuell verhält), ohne sich dabei in seiner Lebensqualität einzuschränken. Viele kleine Schritte können Großes bewirken, weshalb es sich durchaus lohnt, die eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen und potenziell neue zu etablieren. Autorin Katarina Schickling, die sich bereits in ihrem Buch „Konsumkompass“ mit diversen Studien und Hintergründen zum Thema Klimawandel auseinandergesetzt hat, hat mit „Die 100 besten Eco-Hacks“ vor kurzem einen Ratgeber nachgelegt, in dem sie sympathisch und niederschwellig Tipps für einen nachhaltigeren Alltag liefert. „Wir haben allen Grund, uns weiter um die Zukunft zu sorgen – die Klimaerwärmung macht ja nicht Pause, nur weil wir plötzlich noch mehr Angst vor einem neuartigen Virus haben. Zudem führt der Wunsch nach Keimfreiheit zu einer wahren Flut von Plastik und zu neuen Wegwerfprodukten“, so Schlichting im Vorwort. Auf den folgenden Seiten finden Sie eine kleine Auswahl ihrer Hacks, die sich thematisch vornehmlich im Konsumverhalten ansiedeln.

1 Support your local dealer! Kaufen Sie öfters einfach beim Händler um die Ecke – der freut sich, und sie tun der Umwelt etwas Gutes.

2 Das Problem beim Online-Shopping ist weniger der Lieferverkehr als die Verpackung und die Verwertung zurückgesandter Waren, die teilweise einfach verbrannt oder vernichtet werden. Fragen Sie die Händler, wie sie mit Retouren umgehen – wenn die Retoure Geld kostet, könnte das ein Zeichen dafür sein, dass sich der Anbieter tatsächlich die Mühe macht, rückgesandte Ware wieder in den Verkauf zu bringen. Bestellen Sie nicht mehrere Teile auf Verdacht, sondern versuchen Sie im Vorfeld, Passform und Größe zu checken – viele Händler bieten dafür Maßtabellen.

3 Je weniger Verpackung, desto besser – meiden Sie Produkte mit zusätzlichen Umverpackungen. Konzentrate sind schon mal besser als normale Flüssigkeiten, etwa bei Seife oder Shampoo, feste Produkte sind noch besser.

4 Fun Fact: Plastikflaschen in hellen Farben lassen sich besser recyceln als dunkle.

5 Einwegartikel haben immer eine schlechtere Ökobilanz als Dinge, die sich wiederverwerten lassen. Das gilt auch für Rasierer und Co.

6 Bei Baumwolle ist vor allem der Wasserverbrauch ein Problem: Die Pflanze gedeiht am besten in sehr trockenen Regionen, benötigt dafür aber besonders viel Wasser. Fast zwei Drittel der weltweiten Baumwollanbaufläche werden künstlich bewässert. Das ist rund die Hälfte aller bewässerten Flächen auf der Welt – der Baumwollanbau ist für etwa sechs Prozent des globalen Süßwasserverbrauchs verantwortlich. Konventionelle Baumwolle ist zudem in aller Regel besonders stark pestizidbelastet. Biobaumwolle ist deshalb die bessere Wahl, verbraucht aber auch viel Wasser beim Anbau.

7 Kunstfasern wiederum werden in aller Regel aus Erdöl gewonnen, unter enormem Energieaufwand – fast doppelt so viel wie bei der Gewinnung von Baumwollfasern. Neben der Erdöl- und Energieproblematik bescheren uns Kunstfasern eine weitere Ökosünde: Mikroplastik, das beim Waschen in der Waschmaschine zum Problem wird. Besonders extrem sind dabei Fleece-Kleidungsstücke, die überdies – weil viel beim Sport getragen – oft schon nach einer Nutzung gewaschen werden: Greenpeace kommt auf eine Million Fasern pro Wäsche.

8 Achten Sie bei Merinowolle darauf, ob die Wolle „Mulesing“-frei gewonnen wurde: Das ist ein Verfahren, wo Schafen in Australien zum Schutz gegen Parasitenbefall die Haut rund um den After entfernt wird, ohne ­Betäubung. Eine echte Tierquälerei, die Sie nicht unterstützen sollten. Fragen Sie beim Hersteller, woher die Wolle stammt. In Deutschland oder Neuseeland beispielsweise ist diese Praxis verboten. Gerade Wolle gibt es inzwischen als Recyclingprodukt – das ist in jedem Fall eine gute Idee.

9 Fleece wird immer öfter aus recycelten PET-Flaschen hergestellt. Das Öko-Nylon „Econyl“ wird aus recycelten Industrie-Abfällen und aus alten Fischernetzen produziert.

10 Viskose ist keine uneingeschränkt umweltschonende Alternative. Sie wird zwar aus Holz erzeugt, also einem nachwachsenden Rohstoff erzeugt. Doch auch ihre Herstellung ist sehr energieintensiv, und außerdem werden dabei größere Mengen Chemikalien und giftige Dämpfe freigesetzt.

11 Stretchstoffe sind besonders schlecht zu recyceln, ebenso Fasermischungen wie Elasthan oder Lycra.

12 Ganz generell: Kaufen Sie Qualität! Die Billigfetzen aus Fast-Fashion-Läden werden unter schwierigen Arbeitsbedingungen hergestellt und wandern nach nur ein paar Mal tragen häufig wieder im Müll. Langlebige Stücke sind viel besser fürs Klima!

13 Apps wie „NotMyStyle“ oder „GoodOnYou“ bewerten zahlreiche Labels hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit und ethischer Faktoren.

14 Auf Qualität zu setzen gilt in allen Bereichen: So hat jeder Schuh, der sich reparieren lässt, eine bessere Ökobilanz. Darüber hinaus kann Leder, das als Nebenprodukt der Fleischgewinnung angefallen und somit ressourcenschonender ist, das Zertifikat „Naturleder IVN“ aufweisen.

15 Nutzen Sie Secondhandläden oder Kleidertausch-Portale! Wenn Sie lernen, gezielt zu suchen, finden Sie Unmengen aktueller, kaum getragener Mode. Gerade bei Babybekleidung können Sie so außerdem sicherstellen, dass eventuell noch vorhandene Schadstoffe ausgewaschen sind.

16 Es gibt mittlerweile zahlreiche Anbieter im Netz, die Kleidung oder auch Handtaschen verleihen – was definitiv ressourcenschonender ist, ob nun für Börserl oder die Umwelt. Luxushandtaschen to share finden Sie zum Beispiel unter bagandborrow.com

17 Schmucksache. Immer mehr Unternehmen handeln mit Goldprodukten, die ein Fairtrade-Siegel oder das Label des Responsible Jewellery Council tragen. Diese Zertifizierungen verweisen auf gute Arbeitsbedingungen für Minenarbeiter sowie einen umweltfreundlichen Abbau der Edelmetalle. Außerdem werden die Minen nach einer Stillegung rekultiviert.

18 Der Winter ist zwar noch weit weg, aber auch die Winter­garderobe darf aus ökologischer Sicht überdacht werden. Pelzmäntel und Fellkrägen sind aus ethischen Gründen schon lange nicht mehr en vogue, aber auch Kunstpelz ist keine besonders ­empfehlenswerte Alternative. Das beginnt damit, dass Kunstpelz manchmal in Wahrheit doch echter Pelz ist: chinesische Felle sind zum Teil so billig, dass es sich für Hersteller lohnt, echte Tierhaare als Fake Fur auszugeben. Kunstpelz hingegen besteht vorwiegend aus Acryl. Das hat die schlechteste Öko­bilanz von neun Fasern, die in einem ­Bericht der Europäischen Kommission im Jahr 2014 untersucht wurden. In vier von sechs Kategorien belegt es den letzten Platz, einschließlich Einfluss auf den Klimawandel, Einfluss auf die menschliche Gesundheit und Ressourcenerschöpfung.

19 Blumensträuße können viel Freude bereiten. Gleichzeitig sind sie nicht besonders ressourcenschonend – das beginnt damit, dass lebende Blumen geschnitten werden, um ein paar Tage später im Mist zu landen. Darüber hinaus kommen viele Schnittblumen per Flieger nach Deutschland. Über die Hälfte der meistgekauften Blumen, der Rosen, stammt aus Kenia – Tendenz steigend. An zweiter Stelle für Schnittblumen per Luftfracht stehen frische Nelken, sie kommen zu 90 Prozent aus Kolumbien. Die beste Wahl: Blumen direkt vom Schnittblumenfeld beim Bauern in der Nähe.

20 Zimmer- oder Balkonpflanzen kommen zu etwa 80 Prozent aus dem Ausland, oft aus Afrika oder Lateinamerika, weil in dem warmen Klima dort vieles besser wächst. Die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen sind oft katastrophal. Die Pflanzen werden häufig mit Pestiziden behandelt, die hierzulande verboten sind. Kaufen Sie Ihre urbanen Dschungel also lieber in einer Gärtnerei, die genau Auskunft über die Entstehung geben kann.  

Tipp: „Die 100 besten Eco Hacks“ von Katarina Schickling ist erschienen bei Goldmann und erhältlich um 10,90 Euro. 

© Goldmann
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