Woody Allen als Dixieland-Amateur in Wien

Woody Allen war da. Der Regisseur, Autor, Schauspieler und Komiker hat in Wien weder seinen neuen Film gedreht, noch eine Lesung veranstaltet. Er tat Mittwochabend (24.3.) in der Stadthalle das, was er hartnäckig schlecht kann: in der "New Orleans Jazz Band" Klarinette spielen. Einer solchen Leidenschaft konnte sich auch das Wiener Publikum nicht entziehen und feierte den kleinen Mann.

Es ist nicht Allens Band, die für eine volle Halle F in der Stadthalle sorgte und mit der das Multitalent auch wöchentlich im New Yorker Carlyle-Hotel auftritt, sondern jene von Banjo-Spieler Eddy Davis. Allen ist vielmehr nur ein "einfaches Bandmitglied", dessen untergeordnete Präsenz in der Hauskapelle in diesem Fall Preise von mehr als 100 Euro rechtfertigte. Selber Schuld, mag sich da der bebrillte Eulenspiegel denken, stattdessen sagte er: "Wir sind entzückt, hier zu sein."

Amateur wird grob mit Liebhaber übersetzt. Und da Allen bereits verraten hat, was man schon immer über diesen Komplex wissen wollte, spielte er nun, was man immer schon von ihm hören wollte. Etwa "Mack the Knife" aus der Dreigroschenoper im Dixieland-Arrangement. Oder "Alexander's Ragtime Band", wobei Bandleader Davis den Gesangspart übernahm. Dann "My Old Kentucky Home", "Sweet Georgia Brown" und so weiter. Dabei entpuppen sich Allens Mitmusiker als eine ganze Spur talentierter als der Star des Abends. Kein Wunder: Posaunist Jerry Zigmont etwa ist kein Unbekannter in der Szene.

Allen selbst scheint eher eine neurotische Verbindung - was sonst - zu seinem Instrument zu unterhalten. Ob er es nicht besser kann oder einfach nicht anders will bleibt offen. Mit beschränktem Ideenreichtum gesegnet, quiekt, trötet und stottert er sich durch den Abend. Wenn seine Kollegen an der Reihe sind, verfällt er in Sekundenschlaf. Gerade einmal ein Wippen mit dem Fuß verrät, dass der Mann doch Spaß an der Sache hat. Das alles natürlich nicht ohne latentes Augenzwinkern.

Von alldem lassen sich eingefleischte Allen-Fans nicht irritieren. Nur wenige enttäuschte Jazz-Liebhaber verließen bereits vor Ende des extrem kurzen Auftritts - das reguläre Set dauerte gerade einmal eineinviertel Stunden - den Saal. Der Rest wurde mit Zugaben belohnt, Allen mit Blumen aus dem Publikum. Und eigentlich ging es ja nur darum, ihn einmal live zu erleben - was immer er auch tut.