Wiens Goldenes Verdienstzeichen für Peter Kern

Zuletzt sorgten sein gescheiterter Versuch, auf die Kandidatenliste der Grünen für die Wien-Wahl im Oktober zu gelangen, und eine gefakte Parteikampagne als Werbung für seine schwule Nazisatire "Blutsfreundschaft" für Aufsehen: Nun hat der Schauspieler, Regisseur, Produzent und Autor Peter Kern (61) das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien erhalten.

Er bedanke sich, werde die einst damit verbundene Dienerschaft und Loyalität mit dem "Herrscher" aber auch in Zukunft verweigern, beschied das Enfant terrible in seiner Dankesrede. Kern trage zu Recht den Ehrentitel "großer Egomane", beschied sein Laudator Helmut Schödel. So feuere der Künstler seit Jahrzehnten mit seinem "Kino der Verletzten" eine "Breitseite gegen den ewigen Spießer" ab. Im Kern sei es aber Kerns Poesie, die in all seinen oft hämisch-hart formulierten Kritiken durchscheine und ihn als Künstler ausmache, analysierte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny.

Bei der Grazer Diagonale wird jedenfalls Kerns neuester Film "King Kongs Tränen" im März Premiere feiern und seinem schier unüberschaubaren Oeuvre ein weiteres Mosaiksteinchen hinzufügen. Nach dem Besuch der deutschen Schauspielschule Polly Kügler und Engagements an diversen Mittel- und Kleinbühnen wirkte der einstige Sängerknabe beim Musical "Hair" mit und ging damit auf Tournee. Als Schauspieler arbeitete er später mit Rainer Werner Fassbinder in "Despair", "Faustrecht der Freiheit" und "Mutter Küsters Fahrt zum Himmel" zusammen, mit Hans-Jürgen Syberberg in "Ludwig" und "Hitler", mit Peter Zadek in "Die wilden Fünfziger", mit Wim Wenders in "Falsche Begegnung" oder mit Werner Schroeter in "Malina".

Bei "Eine Handvoll Vergnügen - Crazy Boys" führte Kern 1986 erstmals selbst Regie. Es folgten das dokumentarisch anmutende Porträt eines 15-jährigen Strichers, "Gossenkind" (1992), sein Publikumserfolg "Domenica" (1993) und der Streifen "Knutschen, Kuscheln, Jubilieren" (1998) über das Leben alternder Schwuler. Retrospektiven der Filme von Kern gab es bereits in New York, Chicago, Houston, Düsseldorf, Manila, Montreal und Kairo. Für seine Rollen in "Falsche Bewegung", "Flammende Herzen" und "Ludwig" erhielt er jeweils den Bundesfilmpreis in Gold.

Daneben erregte Kern auch vor seinem Versuch einer Grünen-Kandidatur mit politischen Aktionen Aufsehen, so etwa durch den Plan, im Nationalratswahlkampf 2006 FPÖ- und BZÖ-Plakate mit Tierexkrementen zu beschmieren. Zuvor hatte er mit seiner 2002 produzierten Science-Fiction-Satire "Haider lebt - 1. April 2021" für Proteste der Kärntner FPÖ wegen der im Film enthaltenen Ermordung Jörg Haiders gesorgt.

INFO: http://www.peterkern.net/