US-Staatsanwalt gesteht Lüge im Polanski-Verfahren

Bizarre Wende im Fall Roman Polanski: Der frühere US-Staatsanwalt David Wells, der vor mehr als 30 Jahren den verantwortlichen Richter zu einer Haftstrafe für den Starregisseur gedrängt haben will, hat sich als Lügner geoutet. Er habe nie mit dem Richter gesprochen, sagte Wells dem US-Nachrichtensender CNN. "Ich habe diese unbedachten Äußerungen nur gemacht, um die Sache ein bisschen aufzupeppen."

Der Staatsanwalt hatte im vergangenen Jahr in dem Dokumentarfilm "Roman Polanski: Wanted and Desired" gesagt, er habe damals den Richter Laurence Rittenband von der Notwendigkeit einer Haftstrafe für Polanski überzeugt, obwohl die Verteidigung zuvor bereits eine mildere Lösung ausgehandelt hatte. Wells' Äußerungen weckten den Verdacht, der Richter habe sich beeinflussen lassen. Für Polanski war die Darstellung in der Dokumentation Anlass, eine Einstellung des Verfahrens zu beantragen. Über den Antrag ist noch nicht entschieden.

Der französisch-polnische Filmemacher hatte 1978 zugegeben, im Jahr zuvor ein 13-jähriges Mädchen betrunken gemacht und vergewaltigt zu haben. Als es Anzeichen gab, dass der Richter sich nicht an die Vereinbarung mit der Verteidigung halten würde, war Polanski kurz vor Urteilsverkündung aus den USA geflohen. Wells hatte mit dem Verfahren nicht selbst zu tun, war aber am gleichen Gericht tätig. Seit dem Wochenende sitzt Polanski in der Schweiz in Auslieferungshaft.