Regisseur Polanski in der Schweiz festgenommen

Der Regisseur Roman Polanski ist am Samstag bei der Einreise in die Schweiz festgenommen worden. Er wurde in Auslieferungshaft genommen, wie das Schweizer Justizministerium am Sonntag bestätigte. Grund für die Festnahme sei der seit 1978 bestehende Haftbefehl der US-Behörden gegen den 76-Jährigen. Der Oscar-Preisträger ("Der Pianist") soll 1977 in den USA eine Minderjährige vergewaltigt haben.

Polanski konnte dem damals verhängten Haftbefehl durch die Flucht aus den USA entgehen. Seitdem hat er das Land nie wieder betreten. Auch zur Oscar-Verleihung im Jahr 2003, wo er dann für "Der Pianist" als bester Regisseur ausgezeichnet wurde, hatte er die Einreise nicht gewagt. Nun soll in der Schweiz in einem Auslieferungsverfahren über seine Auslieferung an die USA entschieden werden.

Der in Polen geborene Filmemacher hatte sich damals schuldig bekannt, in der Villa von Hollywoodstar Jack Nicholson eine 13-Jährige mit Champagner und Drogen gefügig gemacht und verführt zu haben. Sex mit einer Minderjährigen gilt in Kalifornien automatisch als Vergewaltigung. Polanski verbrachte 42 Tage unter psychiatrischer Beobachtung. Er floh aus Angst vor einer längeren Gefängnisstrafe dann aber unmittelbar vor der Urteilsverkündung nach Frankreich.

Sein damaliges Opfer hat ihm längst öffentlich verziehen. Doch erst im Mai war Polanski endgültig mit seinem Antrag gescheitert, das Vergewaltigungs-Verfahren in Kalifornien nach 32 Jahren endlich für geschlossen zu erklären. Ein Gericht in Los Angeles hatte sein Ersuchen abgelehnt und das persönliche Erscheinen des Regisseurs gefordert.

Am Sonntagabend sollte der französische Staatsbürger in Zürich mit einem Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden. Das Festival verschob die Ehrung "auf einen unbestimmten Zeitpunkt", wollte den Regisseur aber wie geplant mit einer großen "Tribute to Roman Polanski"-Retrospektive würdigen.