R&B-Star Alicia Keys feiert ihren 29er

Ende vergangenen Jahres hat die gebürtige New Yorkerin ihr viertes Album herausgebracht. Es ist und bleibt R&B und Soul mit der Stimmgewalt und dem Tastentalent der US-Sängerin. Doch Musikexperten meinen in "The Elements of Freedom" eine klare Entwicklung herauszuhören. Keys selbst sagte dazu: "Grundsätzlich geht es schon darum, wer ich bin. Meine Gefühle haben sich nicht geändert. Es ist anders, weil ich anders bin, weil ich erwachsener geworden bin, weil ich mir neue Klangwelten angehört habe, weil ich mit neuen Keyboards und so etwas herumexperimentiert und eine neue Klangwelt geschaffen habe. Es ist anders, weil die Melodie praller, stärker und besser ist." Sie sei selbstbewusster geworden, habe sich die Freiheit genommen, vielen Dingen gegenüber aufgeschlossener zu sein, "sorgenfreier".

Auch neuen Verbreitungswesen gegenüber ist Keys aufgeschlossen. So lamentiert sie nicht über den allgemeinen Einbruch in der Plattenbranche, sondern setzt bei der Eigenvermarktung klar auf das Internet. Eine Woche vor der Veröffentlichung konnten Fans das neue Album bereits kostenlos im Netz hören. In diesem Monat eröffnete der Musik-Star mit einem von fünf Kameras im Internet übertragenen Konzert eine neue Dimension der Konzertvermarktung. Der Auftritt im New Yorker Apollo-Theater war so geschaltet, dass die Zuschauer die jeweilige Kameraperspektive wählen konnten und so selbst zum Regisseur wurden.

"In New York...there's nothing you can't do" - dieses Motto aus "Empire State of Mind" scheint sprichwörtlich für Alicia Keys zu sein. Was sie alles kann, entgeht seit ihrem Karrierestart mit Anfang 20 weder Musikfans noch Kritikern oder Preisjurys. Nebenbei durfte sie zusammen mit Jack White den Titelsong zum letzten James-Bond-Film einspielen. Auch als Schauspielerin war sie voriges Jahr zu sehen - allerdings in keinem 007-Streifen sondern in dem Südstaaten-Drama "Die Bienenhüterin". Inzwischen hat Keys auch eine eigene Schmuckkollektion entworfen.

Vieles hat Alicia der Förderung ihrer italienisch-stämmigen Mutter zu verdanken. Ihr afro-amerikanischer Vater setzte sich früh ab, das Mädchen wuchs im heruntergekommenen New Yorker Viertel Hell's Kitchen auf. Im zarten Alter von fünf Jahren begann sie, Klavier zu spielen. Mit 14 komponierte und textete sie Songs. Das Piano ist schon lange ihr "großer Gefährte"; Chopins "Preludes" sind für sie weit mehr als eine tägliche Fingerübung: "Chopin ist echt der Hammer", sagte Keys einmal dem Musik-Magazin "Rolling Stone".

Die Klassiker verehrt sie, doch wenn es um irdische Gefühle geht, nennt sie eher Marvin Gaye, Nina Simone und auch Jimi Hendrix. "Harlem hat mich geprägt", erzählt Keys, die eine Abneigung gegen den allzu aufgesetzten Star-Rummel hat. 1998 wurde Musikproduzent Clive Davis bei einer Party auf sie aufmerksam. Auf Anhieb erkannte er, was in der jungen Frau aus dem Armenviertel steckte: Jede Menge Talent, jede Menge Fantasie, Neugier, Lerneifer, Disziplin und Ehrgeiz. Der große Alte der US-Musikindustrie kaufte Keys aus einem Vertrag heraus, der ihr künstlerische Fesseln anlegte, sie auf durchschnittlichen Hip-Hop trimmte. Davis ließ ihr völlig freie Hand. Alicia durfte verarbeiten, was immer sie inspirierte, von klassischen Klaviersonaten über Soul und Pop bis zum Straßenblues Harlems. Ihr Debüt "Songs in A Minor" verkaufte sich allein in den USA mehr als sieben Millionen Mal.

"Die Art, wie die Lieder sich entwickeln, machen einen ganz natürlich 'high'", sagt Keys über ihr neues Album. "Die Hörer werden schockiert sein." Die Platte "puste Depressionen weg" - ob im Winter oder in der Liebe.

Apropos Liebe. Informationen über ihr Liebesleben hält Alicia Keys rigoros unter Verschluss. Das mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass ihr ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann nachgesagt wurde. Das ist nicht gut fürs Image. Im Mai letzten Jahres machte dann aber der New Yorker Produzent Swizz Beatz selbst das Verhältnis öffentlich - und bereitete damit den monatelangen Gerüchten ein Ende. Inzwischen ist der 31-Jährige von der Mutter seines kleinen Sohnes geschieden. Und die "New York Post" berichtete unlängst, Alicia Keys und der Rapper hätten sich im New Yorker East End gemeinsam ein Penthouse angesehen, das sie kaufen wollten. Alicia Keys scheint angekommen zu sein: "Ich lebe mit mir mehr in Frieden, bin stärker mit mir im Reinen."

Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden