Carlo Pedersoli alias Bud Spencer wird 80

Prügeleien mit Kultcharakter - Bud Spencer wird 80

Als gutmütiger und schwergewichtiger Held in Actionkomödien gelangte er zu Weltruhm. Seine Wild-West-Schlägereien an der Seite des blauäugigen Terence Hill haben längst Kultcharakter. Am kommenden Samstag (31. Oktober) wird der gebürtige Neapolitaner, der mit bürgerlichem Namen Carlo Pedersoli heißt, 80 Jahre alt.

Trotz des Erfolgs machte er sich jedoch über das, was er tat, niemals Illusionen. "Sogar ein Schimpanse könnte so Schauspieler werden", urteilte Bud Spencer einmal über sich und seine Filmkarriere. "Jede Einstellung wird 25 Mal wiederholt. Mir genügen 40, 50 Worte, um einen ganzen Film zu bestreiten."

In seinen Ruhm als Prügelheld in Klamaukwestern startete der Fabrikantensohn aus der süditalienischen Metropole im Schatten des Vesuvs erst relativ spät. Was viele bei seiner heutigen Leibesfülle kaum glauben mögen: er war in den 1950er Jahren mehrfach italienischer Schwimmmeister und nahm sogar an den Olympischen Spielen teil. Nebenbei studierte er Jura und promovierte. In der Angst, der sportliche Erfolg könnte ihm zu Kopf steigen, verließ er 1957 Italien und ging als Straßenbauer nach Südamerika auf die Suche nach sich selbst. "Ich wollte wissen, wer ich bin."

Nach Italien zurückgekehrt, verheiratet und inzwischen Vater zweier Kinder erwischte ihn das Schicksal 1967 durch einen Zufall: Ein Bekannter seiner Frau suchte für einen Film einen "dicken Brocken". Der Bekannte war der Regisseur Giuseppe Colizzi. Der Streifen hieß "Gott vergibt, wir beide nie". Die Ära der "Spaghetti-Western" brach an. Die Kunst- und Kultfigur Bud Spencer wurde geboren.

Mit von der Partie war ein junger Mann mit eisblauen Augen, auch er Italiener, auch er mit amerikanisch angehauchtem Künstler-Namen: Terence Hill. Während es seinem Filmpartner für die kommenden Jahrzehnte zustehen sollte, smart, gut aussehend und bärenstark zu sein, spielte Big Buddy zumeist den dickköpfigen Phlegmatiker, der schlagkräftig aber gutherzig seine Gegner außer Gefecht setzte. Die Erfolge kamen reihenweise - zu zweit wie in "Vier Fäuste für ein Halleluja" (1971), "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" (1972), "Zwei Missionare" (1974) und auch allein wie etwa in der deutsch-italienischen Produktion "Banana Joe" (1981).

Einfallsreicher wurden die Streifen nicht gerade, aber das Rezept stimmte. Das Publikum applaudierte begeistert. Die mit der Zeit immer ausführlicheren Schlägereien wurden "kultig" und Bud Spencer schwerer. "Irgendwann wog ich 160 Kilo. Mein Pferd warf sich immer verzweifelt auf den Rücken, sobald es mich kommen sah", erzählte der Koloss mit den schnellen Fäusten einmal. Aber seinem Publikum zuliebe hätte er alles getan.

Und das Publikum wollte von ihm den kindlichen, zentnerschweren Hau-Drauf. "Ich habe bei meinen Filmen nie ein Kind aus dem Kino rennen sehen. Die Kinder lachen, weil sie die Gewalt nicht ernst nehmen. Niemand stirbt, und es fließt fast kein Blut. Wenn Leute in den Filmen von mir geschlagen wurden, standen sie meistens wieder auf und rannten davon", erklärte der Italiener sein Erfolgsgeheimnis in einem Interview des deutschen Spielfilmsender Tele 5.

Später gestand die Kino-Ikone des Ulk-Westerns, er habe sogar "intelligente Rollen" abgelehnt. Die hätten ihn womöglich von der "Kunstfigur Bud Spencer" entfernt - Erfolg hat eben seinen Preis. Seit einigen Jahren lebt der pensionierte Westernheld wieder in Italien. Es heißt, er wiege nur noch 120 Kilo. Untätig ist er nie gewesen, und in Gastauftritten gönnt er sich jetzt auch andere Rollen - so etwa als kulinarischer Chef in der TV-Serie "I delitti del cuoco" (Die Verbrechen des Kochs), die demnächst in Italien ausgestrahlt wird.