Hollywoods "Walk of Fame" wird 50

Sichtlich gerührt stand der vom Krebs gezeichnete Dennis Hopper Ende März neben seiner glänzenden Sternenplakette auf dem Hollywood Walk of Fame. Der "Easy Rider"-Star hatte es sich nicht nehmen lassen, persönlich zu der Enthüllung des 2403. Sterns auf dem berühmten Bürgersteig zu erscheinen. Begonnen hat die Geschichte der Ruhmesstraße mit der ersten Sternenverleihung vor 50 Jahren.

Auch der nächste Empfänger steht schon fest. Am 12. April wird der Oscar-gekrönte "Gladiator" Russell Crowe nach seinem Stern greifen. Platz gibt es noch reichlich auf dem knapp vier Kilometer langen starbestückten Hollywood Boulevard, in dem die Namen der Entertainment-Prominenz seit 50 Jahren verewigt werden. "Avatar"-Schöpfer James Cameron wurde die Ehre ihm vorigen Dezember zuteil. Seine Ex-Frau, Kathryn Bigelow, die Anfang März als erste Regisseurin mit einem Oscar belohnt wurde, fehlt dagegen auf dem Walk of Fame. "Kathryn muss mich nur anrufen!", flachst Ana Martinez von der Handelskammer in Hollywood.

Seit über 20 Jahren stellt das "Stargirl" die Verleihzeremonien auf die Beine. Mit einem Anruf allein sei es natürlich nicht getan, erzählte Martinez kürzlich der Deutschen Presse-Agentur. Alljährlich im Juni wählt ein fünfköpfiges Komitee aus etwa dreihundert Vorschlägen rund zwei Dutzend Sternenempfänger für das kommende Jahr aus. Jedermann kann seinen Wunschkandidaten nominieren, meint Martinez. Meistens sind es Fans oder Filmstudios, die einen Namen vorschlagen. Bedingung ist allerdings, dass der Auserwählte einwilligt und dass 25 000 Dollar auf das Konto der Verleiher eingezahlt werden.

Für die Studios, die den Auftritt ihrer Stars auf dem Walk of Fame gewöhnlich mit einer Filmpremiere abstimmen, ist die Gebühr ein Klacks im Werbeetat. Doch mitunter legen sich auch die Fans ins Zeug. So kratzte der Fanclub von Liza Minnelli in den 1990er Jahren mit Flohmärkten und Partys die ganze Summe zusammen, verrät Martinez.

Rund zehn Millionen Schaulustige aus aller Welt flanieren nach Angaben der Handelskammer jedes Jahr über den Sternen-Boulevard. Sie laufen über schwarze Terrazzo-Platten, in die rosafarbene fünfzackige Sterne mit Verzierung und Namen in glänzendem Messing eingelassen sind. Der Walk of Fame wird derzeit einer vier Millionen Dollar teuren Schönheitsbehandlung unterzogen, um die Spuren der vielen Fußtritte zu beseitigen.

Mehr als dreihundert Sterne sind noch namenlos und werden in den kommenden Jahren einen "Eigentümer" erhalten. Die Plakettenverleiher wählen gerne einen passenden Standort für ihre Stars, doch die Rechnung geht nicht immer auf. Die für ihre blonde Lockenmähne berühmte Schauspielerin Farrah Fawcett nahm ihren Stern 1995 vor einem schicken Frisiersalon in Empfang, doch das Geschäft machte schnell dicht. Auch brüchige Liebesbeziehungen machen dem Walk of Fame zu schaffen. "Echt traurig, dass sich Susan Sarandon und Tim Robbins getrennt haben, denn ihre Sterne liegen nebeneinander. Da ist nichts zu machen", seufzt Martinez.

Die erste sternenförmige Plakette ging 1960 an Joanne Woodward, die da schon mit ihrem Ehemann Paul Newman den Streifen "Der lange, heiße Sommer" abgedreht hatte. Eine Gruppe einflussreicher Hollywood-Mogule, darunter Walt Disney und Cecil B. DeMille, wählten die ersten 500 Empfänger aus. Nicht alles ging glatt über die Bühne. So wurde etwa der politisch linken Leinwandgröße Charlie Chaplin anfangs ein Stern verwehrt. Sein Sohn klagte, Chaplin erhielt 1972 seine Auszeichnung.

Kirk Douglas hatte Glück, dass sein Stern wieder auftauchte. "Die Polizei rief an, mit der guten Nachricht, dass die Plakette im Garten eines Drogendealers gefunden wurde", erinnert sich Martinez an das mysteriöse Verschwinden des Gedenksteins. Gregory Pecks gestohlener Stern kam nie mehr zurück, er musste neu angefertigt werden. Der 1998 gestorbene Country-Sänger und Schauspieler Gene Autry hat gleich fünf Sterne auf dem Walk of Fame. Als einziger Künstler wurde er für seine Verdienste in allen Kategorien - Film, Fernsehen, Musik, Theater und Radio - geehrt.

Dafür fehlen einige große Namen wie Robert Redford, Michael Douglas, Robert DeNiro, Kate Winslet und Julia Roberts. "Das liegt nicht an uns", verteidigt sich Martinez. "Seit vielen Jahren sind wir schon hinter Clint Eastwood her, aber er ist wohl einfach nicht daran interessiert". Vielleicht hat er zu viel um die Ohren, mutmaßt das "Stargirl". "Nun mach schon, Clint", fordert sie den Oscar-Preisträger auf. "Die Leute wollen dich hier sehen!"