Austropopper Reinhold Bilgeri als Filmemacher

Der bisher als Musiker und Autor bekannte Reinhold Bilgeri (59) will in seinem letzten Lebensdrittel vorrangig Filmemacher sein. "Ich habe vor, Filme zu drehen und Romane zu schreiben. Und dazwischen trete ich als Musiker auf", erzählte Bilgeri im Interview mit der APA vor der Fortsetzung der Dreharbeiten zu seinem Film "Der Atem des Himmels".

Ab morgen, Donnerstag, werden in einem extra errichteten Filmdorf im Biosphärenpark Großes Walsertal auf 1.700 Metern die Winterszenen des Streifens aufgenommen. Bilgeri hat mit der Verfilmung seines Roman-Bestsellers aus dem Jahr 2005 im vergangenen August begonnen, Mitte Oktober war der Sommerdreh abgeschlossen. Die Geschichte handelt von der Liebe zwischen der veramten Adeligen Erna von Gaderthurn (gespielt von Bilgeris Frau Beatrix) und dem kauzigen Volksschullehrer Eugenio Casagrande (Jaron Löwenberg) im Vorarlberger Bergbauerndorf Blons. Seinen Höhepunkt erreicht das Drama mit der historischen Lawinenkatastrophe von 1954, bei der 57 Personen ums Leben kamen.

Auf der Alpe Oberpartnom im Großen Walsertal ist das Filmdorf - bestehend aus fünf Häusern und einer Kirche - bereits zerstört. Die Lawine hat dort in Form von Pistenraupen und Stahlseilen schon eingeschlagen. "Die Gebäude sind an den Sollbruchstellen auseinandergefallen. Alles wurde so drapiert, wie es die Fotos von 1954 zeigen. Ich will so nah wie möglich an der Realität bleiben", so der Vorarlberger Autor und Musiker.

Zur Realität gehört auch, dass Bilgeri einen persönlichen Nahbezug zum Großen Walsertal hat. Seine Mutter hat Jahre vor dem Lawinenabgang in der Talschaft unterrichtet. "Ich kann mich noch an die Betroffenheit meiner Mutter nach dem Unglück erinnern", erzählte Bilgeri, der am 26. März seinen 60. Geburtstag feiert. "Das Große Walsertal war schon als Kind ein Mysterium für mich", wollte Bilgeri auch deshalb "seine Geschichte" nicht aus den Händen geben und selbst Regie führen.

Die bevorstehenden Dreharbeiten werden dem Team einiges abverlangen. "Wir stehen um 6.00 Uhr auf, sind um 7.00 Uhr am Set und beginnen um 8.00 Uhr mit den Dreharbeiten. Die dauern bis zum Einbruch der Dunkelheit, möglicherweise gibt es auch noch Nachtdrehs", kommen auf Bilgeri 16-Stunden-Tage zu. Gegen die Kälte schützen sich die Beteiligten mit zwei oder drei Schichten an Kleidung. Um auch einen Schneesturm simulieren und authentische Bilder liefern zu können, wird ein Helikopter für Wind und aufgewirbelten Schnee sorgen. "Bis jetzt steht ein guter Stern über allem: Im Sommer hatten wir traumhaftes Wetter und konnten Vorarlberg von seiner schönsten Seite zeigen, jetzt haben wir massenhaft Schnee", freute sich Bilgeri über "ideale Bedingungen".

Glaubwürdig sollen auch die Liebesszenen zwischen Erna und Eugenio sein. Seine eigene Frau bei Liebesszenen mit einem anderen zu begleiten, ist für Bilgeri dabei kein Problem. "So viel Profi bin ich. Ich wusste ja, dass es zu Liebes- und Sex-Szenen kommt und dass ich dann danebenstehe und 'Action' sage", so der Regisseur. Nur beim ersten Mal habe er in der ersten Sekunde einen kurzen Stich in der Magengegend gespürt. Mittlerweile habe er Löwenberg aufgefordert, sich nicht zurückzuhalten.

Obwohl sich die Dreharbeiten noch länger hinziehen werden, steht der Termin für die Weltpremiere des Films schon fest: Sie wird am 24. August auf der Bregenzer Seebühne in Szene gehen. Bilgeri ist optimistisch, dass das 3,5 Mio. Euro-Projekt ein Erfolg werden wird: "Es gibt großes Interesse, speziell aus Deutschland."