Andre Agassi gibt früheren Drogenmissbrauch zu

Der frühere Tennisprofi Andre Agassi (39) packt in seinen Memoiren über seine Drogenabhängigkeit in den 90er Jahren aus. Er habe damals regelmäßig Crystal Meth (Methamphetamin) zu sich genommen, offenbart der Sportler nach Angaben von "People.com" vom Dienstag in dem in Kürze erscheinenden Buch "Open".

Agassis Drogen-Geständnis und Lügenbeichte haben den Tennis-Sport ein weiteres Mal schwer erschüttert. Der 2006 abgetretene US-Star und Ehemann der Deutschen Steffi Graf hat nach eigenen Angaben während seiner schlimmsten sportlichen Krise 1997 das Aufputschmittel Crystal Meth (Methamphetamin) zu sich genommen. Nur ein lügenreicher und schamloser Brief an die Herren-Tennis-Tour (ATP) habe danach eine Dopingsperre verhindert.

Dies geht aus einem Auszug aus der Autobiografie des 39-Jährigen hervor, aus der die britische Zeitung "The Times" am Mittwoch zitiert. Sein Buch "Open" wird am 9. November in den USA erscheinen. Der "New York Times" sagte Agassi: "Von Sucht kann ich nicht reden, aber viele Menschen würden sagen, wenn man etwas als Flucht benutzt, hat man ein Problem." Über die Reaktion seiner Fans habe er sich nur einen Moment lang Sorgen gemacht: "Ich habe mein Herz auf der Zunge getragen, und meine Gefühle standen mir immer ins Gesicht geschrieben. Ich fand es eigentlich sehr aufregend, der Welt die ganze Geschichte zu erzählen."

Der Gewinner von acht Grand-Slam-Titeln war Ende 1997 in der Weltrangliste auf Position 141 abgestürzt und hatte zweitklassige Challenger-Turniere spielen müssen. Damals habe ihm sein Assistent "Slim" die Droge angeboten, deren Besitz in den USA laut "Times" mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden kann. "Weißt du was? Sch... drauf. Lass uns high werden", wird Agassi zitiert. Dann habe er den Stoff geschnupft. Der Ex-Weltklassespieler schrieb, wie es das erste Mal zu dem Konsum kam und wie es ihm dabei ging: "Slim schüttete eine kleine Menge Puder auf den Couchtisch. Er machte eine Linie, schnupfte sie. Er machte noch eine. Ich schnupfte. Ich sank zurück in das Sofa." Und weiter: "Es gibt einen Moment des Bedauerns, gefolgt von riesiger Traurigkeit. Dann kommt eine Welle der Euphorie und schwemmt jeden negativen Gedanken aus meinem Kopf."

Auf dem New Yorker Flughafen LaGuardia habe ihn im Herbst 1997 ein für die ATP tätiger Arzt angerufen, über einen positiven Dopingtest informiert und die möglichen Sperren aufgezählt. Er habe sich zunächst gedacht, "mein Name, meine ganze Karriere, alles steht auf dem Spiel", berichtet Agassi. Ein paar Tage später habe er in einem Brief an die ATP-Verantwortlichen gelogen. "Ich habe gesagt, ich habe vor kurzem aus Versehen einen Drink mit Schuss meines Freundes Slim getrunken und dabei unabsichtlich seine Drogen zu mir genommen", soll Agassi in dem Buch geschrieben haben. Er bat um Verständnis und um Gnade. Die ATP entschied sich damals gegen eine Sperre. Eine Stellungnahme der ATP gab es am Mittwoch zunächst nicht.

Zur Zeit seines Drogenkonsums befand sich Agassi nicht nur in einem Formtief. Privat plagten ihn Zweifel an seiner bevorstehenden Hochzeit mit Brooke Shields. Agassi lässt sich in dem Buch auch über seine kurze, turbulente Ehe mit der Schauspielerin aus und erzählt von seiner Beziehung mit Steffi Graf (40), in die er sich während der French Open 1998 verliebt hatte. Die beiden sind seit 2001 verheiratet. Sie haben inzwischen zwei Kinder, Sohn Jaden Gil (7) und Tochter Jaz Elle (6). Die Familie lebt in Agassis Heimatstadt Las Vegas. Wegen seiner wechselvollen Karriere und seinem wohltätigen Engagement für Kinder ist Agassi hoch geachtet. Bei seiner jährlichen Benefiz-Gala in Las Vegas sammelt er Millionen für seine Stiftung.