60. Berlinale: Ehrenbär für Hanna Schygulla

Mit zahllosen Spielfilmen von Regisseur Rainer Werner Fassbinder, darunter "Lili Marleen" (1981), hat Hanna Schygulla in den 1970er und 80er Jahren Filmgeschichte geschrieben. In letzter Zeit hat sie mit Auftritten in Spielfilmen wie in Fatih Akins "Auf der anderen Seite" und als Chansoninterpretin von sich Reden gemacht. Die Berlinale ehrt sie am Donnerstag für ihr Lebenswerk.

Erstes Aufsehen erregte die 1943 geborene Tochter eines Holzhändlers aus Oberschlesien 1969 in Fassbinders Drama "Liebe ist kälter als der Tod". Mit ihrer charismatischen Erscheinung prägte die studierte Germanistin und Romanistin dann einige Welterfolge des Regisseurs - "Fontane Effi Briest" (1974) und "Die Ehe der Maria Braun" (1978). Schygulla wurde damit für einige Jahre weltweit zum Gesicht des deutschen Films.

Fassbinder, von dem sie noch heute ein Foto in ihrem Schlafzimmer hängen hat, war ihr wichtigster Lehrer und Förderer. Sie selbst hat sich immer als "Antistar" bezeichnet. Dazu sagte Schygulla einmal in einem Interview: "Für mich ist es aber wichtig, ein Mensch wie du und ich zu bleiben." Zu ihrer Natürlichkeit zählt auch, dass die 66-Jährige Schönheitsoperationen ablehnt. "Ich lehne es ab, das Alter wegoperieren zu lassen. Eine Frau kann im Alter ihre zweite oder dritte Schönheit entfalten."

Ab Mitte der 70er Jahre löste sich Hanna Schygulla von ihrem Entdecker Fassbinder und übernahm Rollen bei anderen Regisseuren. Die Romanverfilmungen "Flucht nach Varennes" (1982) unter Ettore Scola und "Eine Liebe in Deutschland" (1983) unter Andrzej Wajda brachten ihr die größten internationalen Erfolge. Seit 20 Jahren tritt Hanna Schygulla immer wieder als eigenwillige Chansoninterpretin auf. Wie vor der Kamera, so bezaubert sie das Publikum auch hier vor allem durch ihre einmalige Mischung aus kühlem Intellekt und überbordender Sinnlichkeit.

INFO: http://www.berlinale.de