Wo die wilden Kerle wohnen

Maurice Sendaks legendäres Kinderbuch "Wo die wilden Kerle wohnen" von 1963 hat es nun auch in die Kinos geschafft, nachdem Spike Jonze ("Being John Malkovich") die Herausforderung angenommen hat, eine nur neun Zeilen lange Geschichte um den Buben Max, der sich in eine Fantasiewelt flüchtet, für die Leinwand umzusetzen. Jonze kombinierte dafür Live-Szenen mit Computer-Animation und Puppenspiel.

Die Geschichte dreht sich in erster Linie um den kleinen, sensiblen Buben Max (Max Records), der so seine Träume hat und sich manchmal an einen anderen Ort wünscht, zum Beispiel wenn er sich wieder mit seiner Mutter (Catherine Keener) gestritten hat. So "reist" er auf eine Insel, die mit geheimnisvollen und seltsamen Wesen besiedelt ist.

Trotz ihrer Zottelpelze, Krallen und riesigen Mäulern, hinter denen Schauspieler wie James Gandolfini, Chris Cooper und Forest Whitaker stecken, wirken die Monster mit ihren Zweifeln und Wünschen wie ganz normale Menschen, mit netten und bösen Zügen, die einmal Spaß, einmal Streit haben. Jene Kreaturen wünschen sich einen Anführer - und Max träumt davon, über ein Königreich zu herrschen. Also wird Max zum König gekrönt und gelobt, ein Reich zu schaffen, in dem alle glücklich sind. Doch schon bald macht der Bub die Erfahrung, dass sich sein Königreich gar nicht so leicht regieren lässt.

US-Regisseur Jonze wagte sich daran, den Kinderbuchklassiker aus dem Jahr 1963 in einen 101 Minuten langen Film zu verwandeln. Nach seinem einfallsreichen Regie-Debüt mit der skurrilen Komödie "Being John Malkovich" (1999) und der Hollywood-Satire "Adaption" (2002) ist ihm wieder ein Meisterwerk geglückt, diesmal nach seinem eigenen Drehbuch. Max wird nicht etwa zum Leinwandhelden, der Mutproben besteht, sondern ist getreu nach Sendaks Vision ein sensibler und wilder Junge mit Ängsten, Sehnsüchten und Neugier in einer realen Welt.

Jonze erzählte vor dem US-Filmstart, er wollte einen Film darüber machen, wie sich Neunjährige gewöhnlich fühlen, sagte Jonze vor dem US-Start. "Die Gefühle eines Heranwachsenden sind genauso stark wie die eines Erwachsenen. Deine Fähigkeit sich einsam, sehnsüchtig, verwirrt oder verärgert zu fühlen, ist gleich tief".

In den USA lief der tiefsinnige Kinderfilm mit dem Vermerk "Rated PG" an, was bedeutet, dass die Begleitung eines Erwachsenen empfohlen wird. Für Jonze jedoch sei "Wo die wilden Kerle wohnen" kein "düsterer" Film, wie der Filmemacher erzählte. "Er hat allerdings Momente, die sehr intensiv sind".