Unter Bauern - Retter in der Nacht

Ludi Boeken hat sich an die Verfilmung der Kriegsmemoiren der Jüdin Marga Spiegel herangewagt, deren Familie von Bauern zwischen 1943 und 1945 versteckt und so vor dem Tod im KZ gerettet wurde. In "Unter Bauern - Retter in der Nacht" mit Veronica Ferres in der Hauptrolle nähert sich der Regisseur der Nazivergangenheit auf spannende und alltäglich absurde Weise - mit viel Herz und viel Verstand.

Siegmund Spiegel (Armin Rohde) hat im Städtchen Ahlen sehr erfolgreich einen Handel mit Zuchtpferden aufgezogen. Doch im Rahmen der sogenannten "Endlösung" werden die Spiegels - Siegmund, seine Frau Marga (Ferres) und seine kleine Tochter Karin (Louisa Mix) - im Jahr 1943 zur Deportation in den Osten eingeteilt. Sich widerstandslos deportieren zu lassen steht jedoch außer Frage. Siegmund sucht seinen alten Freund Aschoff (Martin Horn) auf, der sofort seine Hilfe anbietet. Er will Marga und Karin auf seinem Hof Unterschlupf gewähren, auch wenn darauf die Todesstrafe steht. Menne muss woanders unterkommen, da Aschoffs Familie sein Gesicht kennen - darunter Tochter Anni, die Mitglied der BDM ist. Unter Tränen trennt sich die Familie. Für Marga und Karin beginnt eine Zeit des Versteckspiels.

Zwischen Marga und Anni entwickelt sich trotz der anfänglichen Vorbehalte eine tiefe Freundschaft. Doch dann wird Marga im Dorf erkannt und Anni muss sich entscheiden, ob sie die Ideologie, die sie so verehrt, verraten und Margas Geheimnis bewahren oder sie ausliefern soll. Währenddessen ist Siegmund bei seinem Freund, dem Bauer Pentrop untergekommen und lebt in ständiger Angst, da er sein Gesicht nicht zeigen darf. Als ihm ein Hitlerjunge auch noch die Gstapo auf den Hals hetzt, kann Menne nur ganz knapp entkommen und schafft es, ein neues Versteck zu finden. Doch der Einmarsch der Aliierten lässt weiterhin auf sich warten.

Der Film ist differenziert, feinfühlig und unsentimental, mit einem zu Herzen gehenden Ende. Es geht um die mutigen Bauern, die Marga Spiegel, ihren Mann und ihre Tochter versteckten und so die Familie vor der Deportation retteten. Unter Gefahr für Leib und Leben zeigt die christlich geprägte Familie Aschoff, was Menschlichkeit und Würde in barbarischer Zeit bedeutet. Zugleich geht es erneut um die Frage, was die Deutschen vom Holocaust gewusst haben.

Marga Spiegel hat den Holocaust überlebt - mittlerweile ist sie 97 Jahre alt. Sie lebt in Münster und ist immer noch hellwach, rüstig genug, um von ihrer Geschichte zu erzählen. Marga Spiegel hat schon früh ihre Geschichte aufgeschrieben und 1965 als Buch veröffentlicht. "Die Bauern haben aus Glauben und aus Menschlichkeit gehandelt", sagt sie. Der Film lebt von vielen intimen und sprechenden Gesten und von seinen großartigen Schauspielern.