Umstrittener Meisterregisseur Elia Kazan wäre 100

Als der Meisterregisseur Elia Kazan fast 90-jährig auf der Oscar-Bühne stand und einen Ehrenpreis für sein Lebenswerk empfing, war die Filmwelt gespalten. Viele der Prominenten im Saal verweigerten der Hollywood-Legende 1999 den Beifall. Seine Aussagen vor dem McCarthy-Komitee für unamerikanische Umtriebe konnten ihm viele nicht verzeihen. Am 7. September wäre Kazan 100 Jahre alt geworden.

Dem Schöpfer von Filmklassikern wie "Endstation Sehnsucht" und "Jenseits von Eden" waren selbst nach Jahrzehnten seine Aussagen gegen einstige Gesinnungsgenossen eine Bürde. Filmschaffende, die in den 1950er Jahren bei den antikommunistischen Kampagnen auf Schwarze Listen gesetzt wurden, durften oft jahrelang nicht mehr arbeiten.

So umstritten dieser Teil der Kazan-Biografie ist, so unumstritten ist seine enorme künstlerische Leistung. Kazan habe "so viel Herausragendes für Theater und Film geleistet, dass ihm große Ehre gebührt", sagte damals selbst der linksliberale Dramatiker Arthur Miller. Kaza ging damals auf die Vorwürfe nicht ein. Als er den Ehren-Oscar entgegennahm, bedankte er sich bei der Film-Akademie schlicht für deren "Mut und Großzügigkeit". Wenige Wochen nach seinem 94. Geburtstag starb er in seiner New Yorker Wohnung.

Kazan hat von 1944 bis 1976 insgesamt 19 Filme realisiert, von denen etliche zu Klassikern wurden. Sieben seiner Filme wurden mit zusammen 20 Oscars gewürdigt. Er entdeckte Marlon Brando, James Dean und Warren Beatty und machte sie zu Stars. Sein Film "Gentlemen's Agreement" (1947), der den weit verbreiteten Antisemitismus jener Tage entblößte, wurde als bester Film des Jahres und für die beste Regie zweifach Oscar-gekrönt.

Beide Auszeichnungen erhielt Kazan auch 1954 für "Die Faust im Nacken", mit dem er die von Gangstern beherrschte Hafenarbeiterszene in New York attackierte. Für dieses in den Hafendocks von New Jersey gedrehte Gewerkschaftsdrama erhielt Marlon Brando einen Oscar als bester Schauspieler. Zuvor war er 1952 mit Kazans Mexiko-Drama "Viva Zapata" als proletarischer Held, der sich nicht korrumpieren lässt, bereits für einen Oscar nominiert worden. Bereits 1951 hatte Kazan den jungen Brando für die Filmfassung seiner Bühneninszenierung von Tennessee Williams "Endstation Sehnsucht" vor die Kamera geholt. In der Rolle des aufbegehrenden Jugendlichen Stanley Kowalski wurde der Schauspieler über Nacht berühmt.

Am Broadway schrieb Kazan in den 40er und 50er Jahren mit Stücken von Miller und Tennessee Williams Theatergeschichte. Zu seinen legendären Inszenierungen gehörten "Tod eines Handlungsreisenden" und "Die Katze auf dem heißen Blechdach". Als Mitbegründer des berühmten Actors Studio in New York sorgte Kazan für die Herausbildung eines neuen Schauspielstils. Dustin Hoffman äußerte einmal Zweifel, dass Robert De Niro und Al Pacino ohne Kazans Einfluss zu Schauspielern ihres Ranges gereift wären.

Der nur 1,68 Meter große Kazan beschrieb sich selbst als einen Mann voller Widersprüche. In seiner Autobiografie verglich er sich mit einer Schlange: "Ich habe in meiner Zeit viele Häute abgestreift, habe viele Leben gelebt und habe gewaltsame und grausame Veränderungen erfahren." Und er fügte hinzu: "Ich habe Leute oft dadurch in Erstaunen versetzt, dass ich meine Positionen und Verhaltensweisen ins total Entgegengesetzte verkehrte."

Sicher lag das auch daran, dass Kazan das Gefühl, ein Außenseiter zu sein, trotz aller Erfolge nie richtig los wurde. 1909 im damaligen Konstantinopel als Sohn eines griechischen Teppichhändlers geboren, kam Elia Kazanjoglous als Kleinkind mit seinen Eltern nach Amerika. In der Schule musste der Einwanderersohn Demütigungen ertragen, die er später bei der Gestaltung von Filmhelden verarbeitete.

Seine schönste Zeit begann, wie er einmal sagte, mit gut 50 Jahren, als er zum Schriftsteller wurde und damit begann, sich selbst zu beleuchten. Er gab sieben Romane heraus. "America, America" und "Das Arrangement" standen lange auf den Bestsellerlisten. 1988 wurde seine Autobiografie mit dem Titel "Elia Kazan - ein Leben" veröffentlicht, rücksichtslos geschrieben, "weil ich nicht mehr viel darauf gebe, was die Leute denken".