Schalko verfilmt Glavinics "Wie man leben soll"

Mehr als 70 Schauspieler, 80 bis 90 verschiedene Schauplätze und ein Budget von 2,7 Millionen Euro - die Kinoadaption von Thomas Glavinics Erfolgsroman "Wie man leben soll" ist alles andere als eine einfache Angelegenheit. "Es ist ein sehr aufwendiger Film", bestätigte auch Regisseur David Schalko bei einem Pressegespräch am Freitagabend in Wien.

Die Branchenweisheit, dass man sich an schlechte Bücher halten solle, um einen guten Film zu bekommen, hält er für sein Kinodebüt nicht ein. "Wir versuchen ein gutes Buch zu verfilmen, also auf hohem Niveau zu scheitern", sagte Schalko, "auch wenn es sich im Moment nicht wie Scheitern anfühlt."

Gemeinsam mit dem Kabarettisten Thomas Maurer hat er sich schon vor einiger Zeit an die Aufgabe gewagt, den wie ein Ratgeber geschriebenen Entwicklungsroman für die Leinwand umzuschreiben. "Das Drehbuch ist gereift wie guter Wein", meinte Maurer, "vor sieben Jahren haben wir begonnen zu schreiben." Vor fünf Jahren war der Plan einer Verfilmung durch die Produktionsfirma Dor Film dann erstmals an die Öffentlichkeit gelangt, 2011 wird der dicke und träge Protagonist Charlie Kolostrum schließlich tatsächlich das Licht des Projektors erblicken. "Er ist sicher der passivste Held der Filmgeschichte", so Schalko, "Herr Lehmann war dagegen Indiana Jones."

Für die Hauptrolle wurde nach langer Suche der junge Berliner Axel Ranisch gewonnen ("es ist wahnsinnig schwierig, einen jungen dicken Schauspieler zu finden"), ansonsten tauchen zahllose prominente Namen in größeren (Robert Stadlober, Bibiana Zeller) und kleineren (Josef Hader, Detlev Buck, Robert Palfrader, Michael Ostrowski) Rollen auf. "Ich arbeite immer wieder gern mit den gleichen Leuten", erklärte der Regisseur, "im deutschen Sprachraum gibt es nicht so viele gute Kinoschauspieler." Da der Film zudem zwischen 1989 und jetzt spiele, habe man den Vorteil, dass man "die Schauspieler mit diesen 80er-Jahre-Kostümen demütigen kann".

Thomas Glavinic, dessen "Kameramörder" kürzlich erst verfilmt wurde, hat jedenfalls Vertrauen in die Arbeit des Kreativduos. "Dadurch, dass wir befreundet sind, war ich diesmal von Anfang an näher dran", sagte der Autor, in den filmischen Prozess sei er aber auch diesmal nicht involviert. Man habe ja doch ganz eigene Vorstellungen im Kopf, wenn man ein Buch schreibe. Das eigene Werk dann auf der Leinwand zu sehen, sei "bestürzend einerseits, aber auch faszinierend". Und auch wenn er der Idee, einmal auch selber Regie zu führen, durchaus einiges abgewinnen kann: "Dieses Buch würde ich nicht machen wollen."

Glavinics "Erzählerqualität" und "eigenartige Unmittelbarkeit" der Sprache bringen Maurer kurz zum Schwärmen. "Wir versuchen ein filmisches Äquivalent der distanzierten Sprache." Und Schalko ergänzt: "Es ist immer schwierig, Sprache in Film zu übersetzen." Aufgrund des passiven Protagonisten setze man im Film daher auf Schnelligkeit, auf ein Kommen und Gehen. "Der Film wird eigentlich wie ein Remix des Buches", fasste Maurer zusammen. Wenn die Umsetzung der formulierten Ziele nun gut klappt, wird man bei der Dor Film dann wohl ein bisschen von der Berlinale träumen. Gedreht wird noch - vorwiegend in Wien - bis 20. April.