Nach Oscar-Verleihung: Haneke gab sich wortkarg

Auch wenn es mit den Oscars für den zweifach nominierten deutsch-österreichischen Film "Das weiße Band" nicht geklappt hat - es gab am Sonntagabend (Ortszeit) im Cafe des Artistes in Los Angeles keinen Grund, die Köpfe hängen zu lassen. Mit großem Applaus wurden Regisseur Michael Haneke und Kameramann Christian Berger bei der After-Party zur 82. Oscar-Verleihung empfangen.

Während Berger über das ganze Gesicht strahlte, präsentierte sich Haneke aber dann doch recht wortkarg. "Was soll ich denn jetzt groß sagen?", fragte der Regisseur in die Runde, belagert von Fotografen und Fernsehkameras. Dass die Nominierung toll war? "Ja, eh", so Haneke. Und was ist mit Waltz? "Super, das war klar." Unter Blitzlichtgewitter ging's dann schnell hinter den großen VIP-Tisch, wo der Regisseur mit seiner Familie, den Darstellern und Teilen der Crew nur etwas essen wollte. Kurz noch mit Rotwein anstoßen - und dann selbst einen Fotoapparat in die Hand, um angesichts der Medienaufregung kopfschüttelnd zurückzufotografieren.

Um einiges entspannter ging es Berger an, der Kameramann gab bereitwillig Interviews. "Ich habe schon vorher gesagt, dass das mehr Almabtrieb ist", zog er eine erste Bilanz, ohne dabei trotzig zu wirken. "Man spürt schon, dass wir hier nicht zu Hause sind - aber die Nominierung war ganz toll, und es waren auch sonst ein paar tolle Auszeichnungen dabei." Mit der Ehrung von Mauro Fiore für die Kamera von "Avatar" hatte er schon von Anfang an gerechnet - und dass er "kein Loser" ist, wie er dazusagte, musste Berger ohnehin nicht extra betonen.

So herrschte zu Beginn des Abends zwar große Freude über den Oscar für Christoph Waltz, am Ende war aber dann doch ein wenig die Luft draußen. "Wir hatten schon eine ernstzunehmende Hoffnung, dass wir gewinnen könnten, daher ist das schon eine etwas größere Enttäuschung", fasste Regisseur Tom Tykwer, Mitbegründer der deutschen Koproduktionsfirma X-Filme, zusammen. "Aber der Film hat schon so viel erreicht, dass wir auch alle sagen: Okay, dann hat das halt mal nicht geklappt. Der Film ist ein Welterfolg, da kann man schon damit leben."

Wie schon in der österreichischen Residenz der Generalkonsulin Karin Proidl wurde auch im Cafe des Artistes - trotz deutscher Prominenz - schließlich also nichts aus der erhofften großen Party. Auch der Franzose Jacques Audiard vom Gefängnisdrama "Un prophete" hatte sich zwischenzeitlich kurz im Cafe eingefunden, das Lokal unweit des Kodak Theatre aber schließlich schnell wieder verlassen. Die Enttäuschung hielt sich allgemein zwar in Grenzen - so richtig zum Feiern war aber offenbar trotzdem dann niemandem mehr zumute.