Michelle Pfeiffer ist nicht vom Alter besessen

Als Gangsterliebchen an der Seite von Al Pacino feierte Michelle Pfeiffer Anfang der 80er Jahre in "Scarface" ihren Durchbruch. In weiteren Filmen wie "Die Hexen von Eastwick" oder "Die fabelhaften Baker Boys" bewies sie ihre Wandlungsfähigkeit. Nun ist die 51-Jährige in "Cheri - Eine Komödie der Eitelkeiten" des britischen Regisseurs Stephen Frears zu sehen (Österreich-Start am 18.12.).

Darin spielt Pfeiffer eine reiche Kurtisane der Belle Epoque, die sich in einen deutlich jüngeren Mann verliebt. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa und anderen Medien spricht Pfeiffer über Schönheits-Operationen, das Altern und ihren Spaß am Arbeiten.

Nicht nur in "Cheri - Eine Komödie der Eitelkeiten" geht es ums Alter und die Schönheit. Auch mit Hollywood verbinden viele Menschen das Thema Schönheit. Gerade der Wert von Frauen wird häufig an ihrer Schönheit gemessen.

Pfeiffer: "Es gibt einen gewissen Druck. Weltweit. Für Männer und für Frauen. Wir haben eine Jugend-besessene Kultur. Viele Dinge durchlaufen jedoch einen Zyklus. Vielleicht erledigt sich dieses Thema ja irgendwann. Ich denke, dass sich jetzt auch schon etwas verändert. Wir wollen zwar scheinbar alle alles jünger und jünger haben. Doch gleichzeitig kriegen Frauen langsam auch immer mehr Macht, es gibt mehr Möglichkeiten für sie."

Unter Schönheit wird jedoch weiterhin meist Jungsein verstanden. Haben Sie sich früher schöner gefühlt als heute?

Pfeiffer: "Ja, ich glaube schon. Ich finde zwar nicht, dass ich schlecht aussehe für eine über 50-jährige Frau. Ich bin aber auch nicht so besessen vom Alter."

Sie sind im vergangenen Jahr 50 geworden. War Ihnen das also egal?

Pfeiffer: "Ich habe mich nicht sehr gefreut, 50 zu werden. Es gibt da eine Art Stigma, gerade bei Frauen. Das Überraschende war dann aber, dass der Tag kam, ging - und es gar keine so große Sache war. Aber es ist mir durchaus bewusst, dass ich jetzt in meiner zweiten Lebenshälfte angekommen bin. Zum ersten Mal realisiere ich, dass meine Zeit hier begrenzt ist. Ich möchte jeden Moment genießen und bin sehr dankbar für alles, was ich habe. Ich fühle mich jeden Tag mehr und mehr privilegiert. Für mich ist 50 das neue 30."

Was ist Ihre Meinung zu Schönheits-Operationen?

Pfeiffer: "Ich habe nichts gegen gute Schönheits-Operationen. Ich glaube aber, dass es ein bisschen außer Kontrolle geraten ist. Ich denke nicht, dass irgendjemand einen anderen Menschen dafür verurteilen wird, hier und da etwas zu machen. Aber diese Verzerrung, die ich derzeit beobachte, ist beängstigend."

Es ist natürlich eine Sache, schön geboren zu werden. Es braucht allerdings oft eine Menge Arbeit, um schön zu bleiben.

Pfeiffer: "Eine Menge Arbeit!"

Es verlangt eine Menge Disziplin.

Pfeiffer: "Oh ja, das tut es. Ich hasse das. Man akzeptiert aber irgendwann: 'Wenn Du fit sein willst, musst Du aufhören, wie ein Schwein zu essen'. Man versteht, dass man Sport treiben muss, um fit zu bleiben. Da hilft nichts. Es gibt keine Wunderdiät. Zwischen der Arbeit zu zwei Filmen lasse ich mich gehen, zumindest ein bisschen. Ich sehe dann etwas sonderbar aus. Ich tauche dann aber einfach nirgendwo auf. Ich bin gut im Verstecken. Ich weiß, wann ich rauskommen kann und wann nicht."

Lea de Lonval, ihre Figur in "Cheri", ist eine Edelprostituierte, die im Luxus lebt. Wenn man Ihnen anbieten würde, in der Zeit der Belle Epoque zu leben, würden Sie annehmen?

Pfeiffer: "Oh, nein, ich denke nicht. Ich bin viel glücklicher, ein Mädchen aus der heutigen Zeit zu sein. Ich mag es heute einfach lieber. Ich habe damals zwar nicht gelebt, aber ich glaube, dass Frauen heute glücklicher als damals sind. Wir haben ganz offensichtlich mehr Möglichkeiten und viel mehr Freiheiten. Es war damals auch schwieriger, über Gefühle zu sprechen. Ich glaube zwar, dass die meisten Menschen auch heute nur sehr selten ehrlich sagen und tun, was sie denken und fühlen. Doch wir sind heute sicherlich offener und ehrlicher als früher, wo alles reglementiert war und es viel um die Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln ging."

War es diese Zurückhaltung im Spiel, die Sie an der Rolle gereizt hat? Oder wie konnte Regisseur Stephen Frears Sie überzeugen mitzumachen?

Pfeiffer: "Ich war begeistert, als Stephen mich anrief, um diese Rolle zu übernehmen. Ich habe so gute Erinnerungen an unsere Zusammenarbeit für "Gefährliche Liebschaften". Und als ich dann das Drehbuch las, war ich wirklich sehr begeistert - es ist eine wunderbare Rolle. Die Herausforderung dieses Films war, in einer Szene keine Gefühle zu zeigen und trotzdem gleichzeitig so viel rauszulassen, dass die Zuschauer verstehen, was unterschwellig los ist."

Sie sprachen gerade den Film "Gefährliche Liebschaften" an. Das ist rund 20 Jahre her. Wer war Michelle Pfeiffer damals?

Pfeiffer: "Naja, Michelle war viel jünger, und ich war damals noch nicht Mutter. Seitdem hat sich eine Menge verändert. Ich war damals noch auf der Suche nach dem, was ich im Leben wollte. Ich habe ziemlich viel gearbeitet. Der Hauptteil meines Lebens bestand aus meiner Arbeit. Nicht lange danach habe ich dann meine Familie gegründet - das hat viel verändert."

Hatten sie trotz der Arbeit mehr Spaß als Sie jünger waren?

Pfeiffer: "Nein, definitiv nicht. Ich habe jetzt mehr Spaß. Wenn nämlich alles, was du im Leben hast, deine Arbeit ist, wird sie zu wichtig, du nimmst sie zu ernst. Wenn du dann aber andere Wege findest, die dein Leben genauso - wenn nicht sogar mehr - bereichern, dann nimmt das eine gewisse Last und verringert die Bedeutung der Arbeit. Ich habe jetzt mehr Spaß beim Arbeiten. Ich mache mir nicht mehr so viele Sorgen, dass ich etwas beweisen muss."