"Mahler auf der Couch"-Dreh in Wien

Einen kleinen Menschenauflauf hat es am Donnerstagnachmittag (10.9.) seitlich der Wiener Staatsoper gegeben. Grund dafür war jedoch ausnahmsweise keine Opernproduktion, sondern die Arbeit am Kinofilm "Mahler auf der Couch", die derzeit voll im Gange ist.

Regisseur Percy Adlon und sein Sohn Felix verfilmen - passend zum "Mahler-Jahr 2010" - die Geschichte der letzten Ehejahre von Gustav und Alma Mahler mit Johannes Silberschneider und Barbara Romaner in den Hauptrollen. Karl Markovics schlüpft in die Rolle Sigmund Freuds, den Mahler in seiner Verzweiflung damals aufgesucht hat.

Die Verzweiflung hatte einen guten Grund, musste der Komponist doch entdecken, dass seine "unbezähmbare Muse", wie es im Pressetext heißt, eine heiße Liebesaffäre mit dem Architekten Walter Gropius (Friedrich Mücke) hatte. Die "knackige Liebesgeschichte" war es auch, die Percy Adlon ("Bagdad Cafe") an dem Stoff gereizt hat. Der Film soll dementsprechend "kein Gustav-Mahler-Historienfilm, keine Lebensbeschreibung werden - das Ziel ist, dass man den Stoff herholt, dass es eine wichtige, spannende Geschichte ist", so Adlon.

"Alma wurde immer als Genie-fressendes Ungeheuer dargestellt", führte der in Los Angeles lebende Regisseur aus, "wir wollen so etwas wie eine Ehrenrettung versuchen: wir erzählen die Geschichte von einer emanzipierten, unheimlich begabten Frau." Für die Rolle der Alma wurde Barbara Romaner am Münchner Volkstheater entdeckt, diese bedankte sich für das in sie gesetzte Vertrauen bei ihrer ersten Filmarbeit. "Es ist wunderbar. Wir drehen die Geschichte rückwärts", so Romaner, "und jetzt in Wien: einfach nur schön."

Alle Beteiligten lobten die Vorbereitungen auf den Dreh, für die man sich viel Zeit genommen habe. "Es ist langsam etwas herangereift", meinte Johannes Silberschneider. Seine Figur des gehörnten Ehemanns Mahler darf sich vor allem bei der "Eheberatung" mit Freud in der holländischen Stadt Leiden im nächsten Drehblock auf durchaus humorvoll angelegte Gespräche freuen. Karl Markovics als Freud steigt nun, zur Hälfte des Drehs, erst in die Arbeit an dem Film ein. "Ich wollte mich auf ein Abenteuer einlassen", erklärte er seine Motivation, "darum geht es in erster Linie".

"Wir sind on schedule und on budget und kriegen tolle Bilder", freute sich Felix Adlon, der gemeinsam mit seinem Vater auch das Drehbuch geschrieben hat und für die Umsetzung ein 2,5-Millionen-Euro-Budget zur Verfügung hat. Dieses Drehbuch hat auch den Kameramann Benedict Neuenfels ("Die Fälscher") überzeugt: "Das hat nicht diesen Volkshochschulcharakter von Aufklärung, das hat mich angesprochen." Er finde das Drehbuch "radikal und wahnsinnig modern", daher werde es auch "ein Farbfilm, nicht so ein angegrautes, farbloses Ding".

Die Musik Mahlers, der am Gipfel seines Ruhms von 1897 bis 1907 Hofoperndirektor in Wien war und im kommenden Jahr 150 Jahre alt geworden wäre, soll nicht symphonisch, sondern nur durch Solisten interpretiert werden, erläutern die Regisseure. "Mahler ist ja der Vater der modernen Filmmusik." Gedreht wurde bisher in Tirol und am Attersee, nach Wien folgen noch Leiden und Berlin. Die Produzenten Burhard Ernst (Cult Film) und Konstantin Seitz (Pelemele Film) hoffen auf die Berlinale als Premierenort für die Koproduktion. Ein Kinostart ist für das Frühjahr 2010 vorgesehen.