Der Lemming und sein Vorgesetzter               .

Karl und Düringer ab 2.10. im "Fall des Lemming"

Wenn Fritz Karl und Roland Düringer gemeinsam Riesenrad fahren, rennt der Schmäh so flott, dass Düringer gar nicht dazukommt, bei dieser ersten Riesenradfahrt seines Lebens die schöne Aussicht zu genießen. Wenn man die beiden ab 2. Oktober in "Der Fall des Lemming" im Kino sehen wird, geht es bei weitem nicht so locker zu, die beiden Hauptprotagonisten können sich nämlich nicht leiden.

Karl spielt den Kriminalpolizisten Leopold "Lemming" Wallisch, Düringer seinen Vorgesetzten, den Kriminalgruppeninspektor Adolf Krotznig. Und das Verhältnis der beiden ist eindeutig: "Sie hassen einander", so beide unisono.

Dass man das auf der Leinwand so schön sieht, zählt zu den Stärken von Nikolaus Leytners Verfilmung des ersten Lemming-Krimis von Stefan Slupetzky. "Krotznig hat ein starkes Ego. Er ist ein totaler Machtmensch", schildert Düringer im APA-Doppelinterview seine Figur. Karl schließt an: "Wallisch dagegen hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Deswegen ist er Polizist geworden, deswegen setzt er sein Leben aufs Spiel." Beide Berufsauffassungen erweisen sich als nicht wirklich kompatibel. Dumm, dass die beiden nach der spektakulären Quittierung des Dienstes durch den Lemming einander wiederbegegnen: im Wienerwald, bei einer Männerleiche. Rasch und genüsslich lässt da Krotznig die Handschellen zuschnappen...

"Die Auseinandersetzung der beiden ist Herz und Zentrum des Films, der Kriminalfall ist nur der Motor", erklärt Regisseur Nikolaus Leytner, dessen Fernsehfilm "Ein halbes Leben" gleich in vier Kategorien für den Deutschen Fernsehpreis nominiert ist, "die Gewalt, mit der sie konfrontiert werden, ist in der Beziehung der beiden Hauptfiguren gespiegelt."

"Ich bin total glücklich mit dieser Besetzung", sagt Autor Stefan Slupetzky, der gemeinsam mit Agnes Pluch das Drehbuch geschrieben hat, "auch, wenn man sich den Krotznig beim Lesen vielleicht anders vorgestellt hat." Das Bild, das sich der Leser von den Figuren macht, ist für Leytner "überhaupt das Schwierigste bei Literaturverfilmungen. Aber es war klar, dass wir jemanden wie den Roland Düringer brauchen, der Tickets verkauft und das Publikum neugierig macht."

Im Prater spielen wesentliche Szenen des Films, in einer Riesenrad-Gondel findet der Showdown statt. Der Wiener Lokalkolorit in Schauplätzen und Sprache prägt den "Fall des Lemming". "Das ist mir sehr wichtig, obwohl vielleicht unsere deutschen Zuschauer dann nicht so mitkommen werden", grinst Düringer, doch der "Lemming" widerspricht: "Ich merke in Deutschland, dass die Wiener Krimis unglaublich gut ankommen."

"Der Fall des Lemming" führt in die Schulvergangenheit einer Gruppe von Männern, die sich als "Freunde des Brutus" am Gymnasium gegen einen widerlichen Lateinprofessor namens Grinzinger (gespielt von Miguel Herz-Kestranek) verbündet hatten und offenbar noch als Erwachsene von den damaligen Erlebnissen traumatisiert sind. Wie verlief die Schullaufbahn der beiden Hauptdarsteller? Beide haben mit ihrer Schulvergangenheit abgeschlossen, versichern sie. "Ich war immer ein Schulabbrecher", sagt Fritz Karl, und Düringer versichert: "Ich war dagegen immer ein unauffälliger Schüler." Kein Schmäh, versichert Düringer und lächelt sardonisch: "Auffällig bin ich nur, wenn's Geld dafür gibt."

Vielleicht auch noch ein weiteres Mal für den widerlichen Polizisten Krotznig? Wird es weitere Lemming-Filme geben? Produzent Helmut Grasser (Allegro Filmproduktion): "Das entscheidet das Publikum." Ein Drehbuch für den zweiten Roman gibt es bereits, und der Krotznig ist darin Fixstarter. Slupetzky hatte die Serie mit dem kürzlich erschienen vierten Buch ("Lemmings Zorn") eigentlich abgeschlossen. Aber warum soll nur der Brenner wiederkehren, und nicht auch der Lemming? Slupetzky lacht. Und gibt in der Riesenrad-Gondel hoch über Wien ein Versprechen ab: "Wenn alle vier Krimis verfilmt werden, schreib ich noch einen fünften!"