Huppert bewundert österreichische Künstler

Huppert bewundert österreichische Künstler

Die Schauspielerin Isabelle Huppert gehört seit drei Jahrzehnten zu den bekanntesten Gesichtern des französischen Kinos. Sie hat mehr als 90 Filme gedreht - dazu zählt auch die Rolle als "Klavierspielerin" unter Regisseur Michael Haneke nach dem Roman von Elfriede Jelinek. Heute, Mittwoch, verlieh sie in Wien den Pink Ribbon Award im MAK und sprach davor mit der APA.

APA: Wie kam es zu Ihrer Patronanz für den Pink Ribbon-Award?

Huppert: Ich wurde von den Organisatoren gefragt, ob ich das machen möchte. Und ich habe mir gedacht, dass es eine gute Gelegenheit wäre, über dieses Thema zu sprechen. Ich mache so etwas ja eigentlich nicht so oft.

APA: Wie schauen Sie selbst auf Ihre Gesundheit?

Huppert: Ich versuche darauf zu schauen, was ich esse. Und ich spaziere gerne, also ganz normale Sachen. Aber wenn man schlechtes Zeug in sich reinstopft, kann das auch nicht gut für die Gesundheit sein.

APA: Wie sieht Ihr Tag denn aus, wenn Sie nicht an einem Filmset sind?

Huppert: Ich mag es, wenn meine Tage offen sind, wenn nichts geplant ist. Es ist schön, wenn man den Tag neu erfinden kann - was selten vorkommt, wie ich zugeben muss. Wenn man viel arbeitet, ist man an enge Zeitpläne gebunden, meist für einige Zeit im Voraus. Aber manchmal ist es ziemlich wunderbar, wenn der nächste Tag etwas Ungewisses, Unbekanntes hat.

APA: Also das Gegenteil zur Konzentration und Durchgeplantheit am Set?

Huppert: Ja, genau. Wobei das dennoch auch der Grund ist, warum ich mich zu dieser Art von Leben hingezogen fühle, dieses Vorgeplante und Exakte. Wenn man einen Film macht, muss man zu jeder Stunde in ein gewisses Muster passen. Manchmal kann das eine Last sein, aber meistens gibt es einem doch Sicherheit.

APA: Hatten Sie schon mal das Gefühl, dass es zu viel Plan und zu wenig Freiheiten gibt in Ihrem Leben?

Huppert: Das kennt vermutlich jeder. Es ist immer wichtig, das richtige Maß zu finden. Im Leben geht es meistens um die Balance zwischen "schon genug" oder "schon zu viel".

APA: Wie suchen Sie sich Ihre Rollen aus? Und wie nähern Sie sich diesen dann an?

Huppert: Da gibt es ganz verschiedene Motive, oft hängt es vom Regisseur ab. Wenn ich mich einmal entschieden habe, einen Film zu machen, stelle ich mir selbst aber nicht mehr allzu viele Fragen. Ich tue es einfach - und mit dem Handeln bekomme ich die Antworten. Ich frage mich viele Dinge vor der Entscheidung, aber dann lasse ich mich einfach gehen. Auf jeden Fall ist es manchmal schwer zu widerstehen, wenn jemand wirklich mit dir arbeiten will.

APA: Wie würden Sie die Beziehung zwischen einer Schauspielerin und einem Regisseur beschreiben?

Huppert: Das ist eine wunderbare Beziehung, auch wenn sie eigentlich schwierig zu definieren ist, weil da immer viel Unausgesprochenes mitschwingt. Es ist eine Mischung aus Anziehung, Wünschen, Respekt - da muss immer eine Art von Anziehung zwischen den beiden sein, sonst passiert auch nichts auf der Leinwand. Es ist eine sehr reiche Beziehung, und darum bin ich auch immer auf der Suche danach. Man will jemandem gefallen, aber zur gleichen Zeit will man auch, dass er einen zufriedenstellt. Das ist eine gute Interaktion zwischen Geben und Nehmen.

APA: Sie haben bereits vielfach mit Michael Haneke gearbeitet. Wie würden Sie ihre Beziehung beschreiben? Und gibt es bald wieder eine Zusammenarbeit?

Huppert: Wenn ich eine ideale Beziehung definieren müsste, wäre das mein perfektes Beispiel. Er ist einfach wundervoll und hat einen sehr pragmatischen Zugang zu seinem Handwerk, ohne Sentimentalität, er weiß einfach, wo was wann sein muss. Einfach wundervoll. Und ja, wir werden bald einen neuen Film gemeinsam machen.

APA: In Cannes waren Sie im vergangenen Jahr Jury-Vorsitzende und haben die Goldene Palme für "Das weiße Band" mitverantwortet.

Huppert: Ja, ich fand diesen Film wirklich außergewöhnlich. Aber damit steh ich ja ohnehin nicht alleine da.

APA: In Österreich herrscht nun zum dritten Mal in Folge eine leise Aufregung vor der Oscar-Verleihung. Auch der schon in Cannes prämierte Christoph Waltz soll gute Chancen haben...

Huppert: Manchmal passieren solche Dinge. Auf einmal gibt es große Aufmerksamkeit für ein Land - ich würde sagen, gut für Österreich! Aber ich war nicht sonderlich überrascht. Ihr habt so viele große Künstler hier.

APA: Und was dürfen wir von Ihnen in näherer Zukunft noch erwarten?

Huppert: Gute Filme, klar.

(Das Gespräch führte Daniel Ebner/APA)