Fatih Akin spricht über neuen Film "Soul Kitchen"

Fatih Akin ("Gegen die Wand") ist allein schon aufgrund seiner deutsch-türkischen Abstammung ein Wanderer und Vermittler zwischen den Kulturen. Doch auch zwischen den Genres wechselt der Kultregisseur wie kaum ein zweiter heimischer Filmemacher mit ungeheurer Leichtigkeit und Präzision hin und her. Im Interview mit der APA in Wien erzählte der Regiseur von Heimatgefühlen und neuen Genrearten.

APA: Die Premiere von "Soul Kitchen" in der Schweiz haben Sie wegen des Minarett-Verbots abgesagt. Ist Ihnen persönlich Religion sehr wichtig?

Fatih Akin: Für mich selber nicht. Ich bin kein religiöser Mensch, aber es ging hier mehr um ein Menschenrecht. Das Verbot hätte auch Christen oder Juden treffen können, und ich hätte die Premiere ebenso abgesagt. Der Islam ist mir nur näher, weil ich eben aus so einem Elternhaus komme. Dagegen bin ich als aufgeklärter Mensch. Ich muss da nicht einer religiösen Gruppe zugehören.

APA: "Soul Kitchen" ist ja eine Art Heimatfilm.

Fatih Akin: Hamburg ist mir so vertraut. Ich bin dort geboren, und da fühl ich mich wohl und beschützt. Heimat macht für mich aus, dass ich da eben alles kenne. Ich kenne die Bahn- und Buslinien, ich weiß welcher Türsteher mich wo rein lässt, welcher nicht. Das ist auch mein Geburtsort. Das ist eine Stadt, die immer gut zu mir war. Ich will Hamburg etwas zurückgeben.

APA: "Soul Kitchen" ist ein leichtfüßiger Film im Gegensatz zu Ihren sonstigen Filmen. War es für Sie entspannend so etwas zu machen?

Fatih Akin: Das war als Erholung gedacht. Ich wollte natürlich auch einmal ein anderes Genre ausprobieren. Es war auch gedacht mir eine Art Auszeit zu nehmen. Dann war das rein organisatorisch ein sehr anstrengender Film. Aber es gibt eine Regel im Film, dass du leiden musst, um einen guten Film zu machen. Und bei diesem wurde ich sehr viel geläutert. Aber er hat mir auch sehr viel Kraft gegeben.

APA: Adam Bousdoukus hatte selbst so ein Lokal in Hamburg.

Fatih Akin: Das war schon die Geschichte seines Restaurants, die wir eben weitergesponnen haben. Ein Restaurant provoziert ja auch mehr Situationen, die zum Lachen sind als andere Orte.

APA: Sowohl mit Adam Bousdoukus als auch mit Moritz Bleibtreu verbindet sie eine intensive berufliche Zusammenarbeit wie auch eine Freundschaft. Es wirkt auch so, als ob sich für "Soul Kitchen" Ihre engsten Freunde geschnappt haben.

Fatih Akin: Ein bisschen war das auch so. Die Zusammenarbeit war sehr zirkusmäßig. Ich habe mich auch danach gesehnt, mit meinen Freunden etwas zu machen. Also ein Projekt, wo man mit seinen Freunden abhängt, aber auch etwas Gutes macht. Ich arbeite ja nicht mit ihnen, weil sie meine Freunde sind, sondern weil sie gut sind. Meine Freunde sind die Besten.

APA: Ist Hamburg als Hafenstadt für Sie prädestiniert, viele Nationalitäten zu durchmischen?

Fatih Akin: Ich denke schon. Vielmehr geht es aber oft um die Frage der Subkultur, als aus welchem Land jemand kommt. Wo künstlerisch gedacht wird, wird auch automatisch freier gedacht. Es geht dann auch manchmal einfach ums Feiern und nicht um Nationalitäten. Mehr als ein Mix der Kulturen ist für mich allerdings ungewöhnlicher, wenn ich aufs Land gehe, denn da sehen alle gleich aus.

APA: Im Film ist ein Bruder kriminell. Sie selbst hatten auch eine wilde Zeit, bis Sie Ihre Mutter auf den rechten Weg gebracht hat.

Fatih Akin: Ja, ich war in einer Gang. Meine Mutter hat mich dann durch Liebe wieder auf den rechten Weg gebracht. Außerdem hatte ich dann die Einsicht, dass Bildung die bessere Zukunft ist. Ich habe begonnen Film zu studieren und meine Mutter war darüber natürlich sehr froh.

APA: Musik, vor allem Hip Hop ist für Sie und Hamburg sehr markant. Auch Jan Delay hat zu "Soul Kitchen" ein Lied beigesteuert.

Fatih Akin: Ich kenne Jan Delay seit ein paar Jahren und wir respektieren einander sehr. Ich glaub auch, dass er in zwanzig Jahren noch genau dasselbe machen wird. Er und seine Texte inspirieren mich sehr viel. Bestimmte Redewendungen von ihm habe ich übernommen.

APA: "Soul Kitchen" ist eine Milieustudie in Hamburg und kam bisher international sehr gut an. Überrascht Sie das?

Fatih Akin: Es gibt den Spruch "The more local, the more international". Ich kann sehr viel über Länder und Städte aus Filmen lernen und begreifen. Das kann ich bedienen mit dem Film.

(Das Gespräch führte Tiziana Arico/APA)