Chinesische Tragikomödie eröffnete 60. Berlinale

Das Bären-Rennen ist eröffnet. Mit der Weltpremiere der chinesischen Tragikomödie "Tuan Yuan" (Getrennt zusammen) startete am Donnerstagabend (11.2.) die 60. Berlinale. Zum Auftakt der elftägigen Internationalen Filmfestspiele Berlin zeigte Regisseur Wang Quan'an, wie große Politik und privates Schicksal untrennbar verknüpft sein können.

Mehr als 1.600 Zuschauer waren in den Berlinale-Palast am Potsdamer Platz gekommen. Trotz Schneefalls und bei schneidendem Wind standen Hunderte Filmfans am roten Teppich, um die Premierengäste zu sehen - darunter die versammelte Riege deutscher Filmprominenz mit Mario Adorf, Michael Gwisdek, Jürgen Vogel, Senta Berger, Martina Gedeck, Iris Berben, Tom Tykwer, Wim Wenders und Sibel Kekilli. Berlinale-Direktor Dieter Kosslick hatte sich gegen die Kälte mit schwarzen Ohrenschützer gewappnet, auf die der Berlinale-Bär gestickt war.

Mit dem Film des in seiner Heimat China als Autorenfilmer anerkannten Quan'an holte Kosslick zum Festivalauftakt nicht das starbesetzte Glamour-Kino auf den roten Teppich. Er setzte vielmehr ein Zeichen dafür, dass die Berlinale sich auch im 60. Jahr ihres Bestehens als Festival mit politischer Botschaft versteht.

"Tuan Yuan" erzählt von einem Ex-Soldaten, der einst vor den chinesischen Kommunisten nach Taiwan floh. Bei einer Reise in seine frühere Heimat Schanghai trifft er seine ehemalige Geliebte wieder, die er damals schwanger zurückließ. Alte Gefühle flammen wieder auf. Doch die Frau ist schon lange mit einem Unteroffizier der kommunistischen Truppen verheiratet und hat mehrere Kinder mit ihm. Ein teils offen, teils subtil geführter Konflikt in der Familie bricht aus.

In seinem ebenso politischen wie privaten Film verbindet er komische mit tragischen Momenten. Der Regisseur ist kein Berlinale-Neuling. Er gewann vor drei Jahren mit "Tuyas Hochzeit" den Goldenen Bären. Die Berlinale war in den 80er Jahren das erste große Festival, das dem asiatischen Kino eine Plattform verschaffte. Der heutige Starregisseur Zhang Yimou gewann 1988 als erster Chinese den Goldenen Bären für "Rotes Kornfeld".

Durch die Eröffnungsgala der Jubiläums-Berlinale führte Comedy-Star Anke Engelke. Offiziell eröffnet wurde das Festival dann von Kosslick und Jury-Präsident Werner Herzog ("Fitzcarraldo"). Was einen guten Film ausmacht, wollte der 67-jährige Regisseur übrigens nicht klar definiert wissen. "Das bleibt immer ein Rätsel", sagte er.

Bis zum 21. Februar zeigt die Berlinale rund 400 Filme aus aller Welt. Stars wie Leonardo DiCaprio, Martin Scorsese, Ben Stiller, Shah Rukh Kahn, Jeanne Moreau, Jackie Chan und Gérard Depardieu werden erwartet. Im Wettbewerb um den Goldenen Bären sind neben "Tuan Yuan" weitere 19 Regiearbeiten.

Als Weltpremiere ist bereits am Freitag (12.2.) Roman Polanskis Politthriller "Der Ghostwriter" im Wettbewerb zu sehen. Polanski selbst kann wegen seines andauernden Hausarrests in der Schweiz allerdings nicht nach Berlin kommen. Nach Berlin schickt der Regisseur "Ghostwriter"-Autor Robert Harris und seine Darsteller Ewan McGregor und Pierce Brosnan. Außer Konkurrenz zeigen die Berlinale-Stammgäste DiCaprio und Scorsese am Samstag das Gefängnisdrama "Shutter Island".