Bilderbuch-Gentleman: David Niven wäre 100

Er reiste in 80 Tagen um die Welt, er schipperte über den Nil, und er jagte den rosaroten Panther: Der britische Schauspieler David Niven zählte zu den Großen des internationalen Kinos. Am Montag (1. März) wäre der 1983 verstorbene Parade-Gentleman 100 Jahre alt geworden.

Niven, den man in Hollywood schlicht "Niv" nannte, war ein Arbeitstier. Auf rund hundert Filme brachte er es in seiner Karriere. Doch egal in welcher Rolle er auch auf der Leinwand zu sehen war, das Markenzeichen des Briten blieb stets das Gleiche: "David war die Quintessenz des englischen Gentleman", beschrieb Peter Ustinov einmal den Schauspielerkollegen.

Schrullig, adrett, mit vorzüglichen Manieren und einer Prise Selbstgefälligkeit mimte er 1956 den englischen Abenteurer Phileas Fogg. Die Figur in der Verfilmung des Jules Verne-Klassikers "In 80 Tagen um die Welt" wurde zu seiner Paraderolle, und mit dem Film schaffte er seinen Durchbruch. Drei Jahre später war er ganz oben angekommen: Die Akademie verlieh Niven den Oscar für seine Rolle des Major Pollack im Film "Getrennt von Tisch und Bett". Nivens Aufstieg in den Hollywood-Olymp war jedoch mühsam.

Mit 19 beendete er seine Ausbildung in der britischen Militärakademie Sandhurst. Nach einem kurzen Intermezzo als Soldat auf Malta verließ er die Armee und ging nach Amerika. Von Ruhm und Glamour war "Niv" da noch weit entfernt. Britisch-pragmatisch hielt er sich zeitweise als Brückenbauer über Wasser. Trotz widriger Umstände bewies er Humor, der ihn später auf der Leinwand auszeichnete: "Das Leben ist so miserabel, dass ich es für meine Pflicht halte, alles zu versuchen und fröhlich zu sein." Über Gelegenheitsjobs als Holzfäller, Whisky-Verkäufer und Wäschefahrer kam er 1934 schließlich nach Kalifornien und in die Glitzerwelt Hollywood.

Viel zu verdanken hatte Niven seinem Äußeren: Stahlblaue Augen, markanter Oberlippenbart und ein gewinnendes Lächeln. Die Damenwelt lag "Niv" zu Füßen - im Film und auch im wirklichen Leben. "Mein Vater war für die Frauen unfassbar attraktiv. Er hatte die Fähigkeit, der Frau an seiner Seite das Gefühl zu geben, dass sie die wichtigste Person auf der ganzen Welt sei", sagte sein ältester Sohn David einmal. Niven selbst sah sich beim Blick im Spiegel kritischer: "Mein Gesicht sieht wie eine Mischung aus zwei Pfund Heilbutt und einer Explosion in einem alten Kleiderschrank aus."

Darüber, dass "Niv" in Sachen Frauen ein Mann der Tat war, gibt es wohl keine zwei Meinungen: 1940 heiratete er seine erste Frau Primula Rollo, obwohl er sie nur 17 Tage kannte. Rollo starb später bei einem tragischen Treppensturz. Zur zweiten Hochzeit kam es dann noch schneller als zur ersten. Mit dem schwedischen Model Hjördis Tersmeden zog Niven nach nur zehn Tagen vor den Traualtar.

Eine besondere Beziehung verband Niven auch zu Peter Ustinov. Seite an Seite spielten sie in der Verfilmung des Agatha Christie Krimis "Tod auf dem Nil" (1978). Niven, in Gestalt des Anwalts Colonel Race, half Ustinov, in Figur des belgischen Detektivs Hercule Poirot, einen Mord aufzuklären. Jahre zuvor kämpften beide Seite an Seite im Zweiten Weltkrieg. Niven, zu dieser Zeit schon ein gefeierter Leinwandheld, meldete sich freiwillig für den Kampf an der britischen Front. Nach dem Krieg und seiner Rückkehr in die USA spielte sich "Niv" dann in zahlreichen Filmen selbst: Den schmalen, "typischen" Engländer in Uniform.

"Schauspieler gehen nicht in Rente. Sie bekommen einfach weniger Rollen angeboten", erklärte Niven zum Ende seiner Karriere. Bevor es soweit war, feierte der Brite in seinen letzten beiden großen Auftritten noch einmal Publikumserfolge. In den Filmen "Der rosarote Panther wird gejagt" (1982) und "Der Fluch des rosaroten Panthers" (1983) hielt er als das mysteriöse Phantom seinen Gegenspieler Inspektor Clouseau zum Narren.

Die richtige Spur zu finden, bereitete jedoch nicht nur Clouseau Rätselraten. Verwirrung gab es auch um Nivens Geburtsort. Der Schauspieler selbst behauptete, in Schottland zur Welt gekommen zu sein. Seiner Geburtsurkunde zufolge erblickte James David Graham Niven, so sein vollständiger Name, jedoch in London das Licht der Welt. "Niv" hatte seine schottische Herkunft erfunden, weil er es offenbar für romantischer hielt. Am 29. Juli 1983 starb Niven im Alter von 73 Jahren in der Schweiz an der Nervenkrankheit ALS.