60. Berlinale: Außenseiter als Favoriten

Das Staraufkommen hielt sich stark in Grenzen, auch die am Freitag (19.2.) erwarteten Penelope Cruz oder Jessica Alba ließen sich nicht in Berlin blicken. Und im Wettbewerb fand sich bis zum Schluss einiges Gutes, aber nur wenig Herausragendes. Daher werden vor der Bären-Vergabe am Samstag vor allem Außenseiter hoch gehandelt.

Als Favoriten unter den Kritikern galten etwa der türkische Film "Bal" (Honig) über eine Familie im ländlichen Anatolien oder der russische Film "Kak ya provel etim letom" (Wie ich diesen Sommer beendete) über zwei Wissenschafter auf einer einsamen arktischen Insel. Auch dem österreichisch-deutschen Film "Der Räuber" über einen Marathon laufenden Bankräuber werden Chancen eingeräumt, ebenso wie der bosnisch-österreichischen Koproduktion "Auf dem Weg" über die Folgen des Bosnienkrieges.

Insgesamt haben 20 Filme Chancen auf die Bären, die am Samstagabend auf einer Gala im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz verliehen werden. Auch Roman Polanski hat mit "Der Ghostwriter" einen preiswürdigen Film abgeliefert. Aussichtslos ist dagegen wohl das Rennen für die österreichisch-deutsche Produktion "Jud Süß - Film ohne Gewissen", die von einigen Kritikern sogar als "Desaster" bezeichnet wurde. Als Abschlussfilm wird am Samstag "Otouto" (Über ihren Bruder) des japanischen Regisseurs Yoji Yamada gezeigt.

Stars blieben in Berlin in diesem Jahr Mangelware, geredet wurde vielmehr über jene, die nicht kamen. Roman Polanski etwa, der seinen Hausarrest in seinem Schweizer Chalet absitzt. Oder die Topriege vom Hollywood-Musical "Nine" mit Penelope Cruz, Marion Cotillard, Nicole Kidman und Daniel Day-Lewis, die allesamt am Freitag nicht erschienen. Oder Jessica Alba, Casey Affleck und Kate Hudson, die im letzten Wettbewerbsbeitrag "The Killer Inside Me" von Michael Winterbottom zu sehen sind.

Nur zu Beginn hatten Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley und Martin Scorsese, die den außer Konkurrenz laufenden Thriller "Shutter Island" zeigten, für jubelnde Fanscharen gesorgt. Und auch der Bollywood-Star Shah Rukh Khan lockte viele kreischenden Fans an. An Hollywood-Größen hatte das Festival ansonsten aber nur noch Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Ben Stiller und Julianne Moore zu bieten. Und für Freitagabend hatte sich auch der französische Superstar Gerard Depardieu angekündigt.

Ob es für Österreich bei der Bärenvergabe etwas zu jubeln gibt, wird sich zeigen. Chancen werden nicht zuletzt Andreas Lust ("Der Räuber") auf einen Silbernen Bären für den besten Darsteller - quasi in Nachfolge von Birgit Minichmayr aus dem letzten Jahr - zugesprochen. Insgesamt liefen heuer 14 österreichische (Ko-)Produktionen. Premiere feierten u.a. "David Wants To Fly" von David Sieveking im Panorama und "Paradise Later" von Ascan Breuer bei den "Shorts". Im Forum Expanded stachen "CRASH SITE / My_Never_Ending_Burial_Plot" von Constanze Ruhm und "Gyre" von Björn Kämmerer hervor.

INFO: http://www.berlinale.de

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