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Kaiserschnitt im Mythen-Check

Kaiserschnitt im Mythen-Check

Mythos 1: Schock für das Kind

Antwort: Da ein Kaiserschnitt meist vor dem errechneten Geburtstermin angesetzt wird, kann es beim Kind zu Anpassungsstörungen an das Leben außerhalb des Körpers der Mutter kommen. Anders als bei einer herkömmlichen Geburt wird das Fruchtwasser beim Kaiserschnitt nicht aus den Lungen gepresst - die Geburt erfolgt plötzlich. Es kann also zu Atemproblemen kommen, wenn das Fruchtwasser nicht ganz aus den Lungen gepresst wurde.

Zumeist wird das Neugeborene nach der Geburt für die Zeit, in der die Operation beendet wird, von der Mutter getrennt und kann erst später als bei einer natürlichen ­Geburt angelegt werden. Dieser Umstand kann zu einer verminderten Milchbildung führen.

Mythos 2: "Erhalte deinen Liebeskanal"

"Erhalte deinen Liebeskanal und lass gleich einen Kaiserschnitt machen" - mit diesem Slogan werben amerikanische Ärzte bei Schwangeren für eine Kaiserschnitt-Geburt.

Immer mehr Frauen folgen dem Trend, weil sie fürchten, dass eine natürliche Geburt ihre Scheide „ausleiert“. So leiden viele Frauen nach einer normalen Geburt unter Inkontinenz, andere erleben den Sex nach einer Geburt nicht mehr so intensiv. Allerdings gibt es hierzu keine Studien: Wie sich das Gewebe und die Scheidenmuskulatur nach der Geburt zurückbildet, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Manche sprechen von besserem Sex nach der Schwangerschaft, andere hingegen berichten von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Mit Beckenbodentraining kann man solchen Beschwerden entgegenwirken und die Scheidenmuskulatur wieder in die alte Form bringen. 

Mythos 3: Kaiserschnitt schadet der Mutter-Kind-Bindung

Studien zeigen, dass sich nach dem Kaiserschnitt weniger Oxytocin - ein Hormon, welches das Bindungsverhalten zwischen Kind und Mutter fördern soll - im Blut befindet. Nachdem das Kind aus der Gebärmutter geholt wird, werden Baby und Mutter getrennt versorgt: Sie lernen einander erst später kennen, die ersten wichtigen Glücksmomente nach der Geburt  fehlen.

Auch das Risiko, nach der Geburt an einer Wochenbettdepression zu erkranken, soll nach einer Kaiserschnittentbindung höher sein.

Mythos 4: Höheres Diabetes-Risiko für das Kind

Per Kaiserschnitt entbundene Kinder haben laut einer Studie ein mehr als doppelt so hohes Diabetes-Risiko wie Kinder, die auf natürliche Art zur Welt gekommen sind. Zu diesem Schluss kommen deutsche Forscher in einer  Langzeitstudie.

Die Wissenschafter der Technischen Universität München hatten den Einfluss von Umweltfaktoren auf die Entwicklung der Erkrankung bei 1.650 Kindern aus Risikofamilien untersucht. Die Studienteilnehmer wurden von Geburt an durchschnittlich elf Jahre lang beobachtet.

Laut der Studie haben Kinder, deren Mutter oder Vater an Typ 1 Diabetes erkrankt ist und die per Kaiserschnitt geboren wurden, ein Risiko von 4,8 Prozent, bis zum zwölften Lebensjahr an Diabetes zu erkranken. Dagegen liegt das Risiko von Kindern mit familiärer Vorbelastung, die vaginal entbunden wurden, bei 2,2 Prozent.