Teilzeitarbeit: Fluch oder Segen?

Geiz ist Geil!

Teilzeitarbeit: Fluch oder Segen?

Derzeit arbeiten 44 Prozent aller Frauen in Teilzeitstellen. Bei den Männern hingegen sind es nur neun Prozent. Der Hauptgrund für diese Beschäftigungsform ist die Kinderbetreuung, da diese mit einem Vollzeitjob weiterhin beinahe unvereinbar ist. Außerdem ist Teilzeit in vielen Branchen üblich, in denen hauptsächlich Frauen beschäftigt sind, wie zum Beispiel bei Jobs im Handel, in der Erziehung oder im Gesundheits- und Sozialwesen. Richtig glücklich sind die meisten damit nicht. Für 43 Prozent stellt die Teilzeitbeschäftigung eine Übergangslösung dar und für 12 Prozent sogar nur eine Notlösung. Kinderbetreuung wird in Zukunft nicht mehr nur ein Thema für Frauen sein und somit wird in 20 Jahren auch die Teilzeitarbeit zwischen Männern und Frauen aufgeteilt sein. Es wird gute, leistbare und fexible Kinderbetreuungseinrichtungen in ganz Österreich geben, verspricht Doris Rauscher-Kalod, Arbeits- und Sozialrechtsexperting der Arbeiterkammer Niederösterreich.Trotz einiger Vorteile, bringt die Teilzeitarbeit derzeit dennoch erhebliche Nachteile mit sich.

Die positive Seite der Medaille

  • Teilzeitarbeit ermöglicht es, Kind und Job besser zu vereinbaren und beides gut unter einen Hut zu bringen. Somit hat man auf der einen Seite die Möglichkeit, weiterhin beruflich tätig zu sein, sich aber auf der anderen Seite auch ausreichend um sein Kind kümmern zu können.
  • Der Wiedereinstieg ins Berufsleben wird erheblich erleichtert, da man Up-to-date bleibt und nicht wieder von Null beginnt. Somit bleibt die berufliche Routine zu einem gewissen Grad aufrecht, da man Veränderungen im Unternehmen laufend mitbekommt.
  • Auch soziale Kontakte bleiben durch die anhaltende Beschäftigung bestehen. Somit ist der Kontakt zu Kollegen gewährleistet und die soziale Eingliederung im Unternehmen bleibt erhalten.
  • Die zusätzliche Freizeit kann der Aus- und Weiterbildung, Kinderbetreuung, Hausarbeit und Hobbies gewidmet werden. Dies schützt vor Überforderung, trägt zur Work-Life-Balance bei und mindert das Risiko von Burn-out.
  • Aufgrund geringerer Steuern bleibt Teilzeitmitarbeitern verhältnismäβig ein höherer Nettostundenlohn. Sozialversicherungszeiten betreffend Pension und Arbeitslosenversicherung können zusätzlich erworben werden.
  • Natürlich sind auch Vorteile für Arbeitgeber gegeben. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung ermöglicht es die Teilzeitbeschäftigung Unternehmen, in Krisenzeiten Personalkosten einzusparen, ohne dass Mitarbeiter das Unternehmen ganz verlassen müssen. Außerdem arbeiten Teilzeitkräfte motivierter und sind produktiver als ihre Vollzeitkollegen.

Die Kehrseite der Medaille

  • Leider reicht der Verdienst bei einem Teilzeitjob häufig nicht, um sich selbst und eventuell eine Familie zu ernähren. Deshalb sind vor allem alleinerziehende Mütter häufig gezwungen, mehrere Jobs auszuüben, was wiederum zu Problemen bei der Anreise oder im Zeitmanagement führt. So passiert es immer öfter, dass Menschen trotz Erwerbstätigkeit armutsgefährdet sind.
  • Teilzeitarbeit ist nach wie vor nicht sehr angesehen, da es eine Teilzeitbeschäftigung meist nur in wenig qualifizierten Jobs gibt.
  • Vor allem bei längerer Teilzeitbeschäftigung muss man mit niedrigeren Pensionen rechnen, weil geringere Sozialversicherungsbeträge eingezahlt wurden.
  • Wird nur geringfügig gearbeitet, besteht keine soziale Absicherung, da vom Unternehmen keine Sozialversicherung abgeführt werden muss.
  • Teilzeitarbeit stellt leider häufig einen Stolperstein für die Karrriere dar. Führungspositionen werden nur sehr selten mit Teilzeitkräften besetzt. Bekommt man dennoch die Chance, bleibt es meist nicht bei der vereinbarten Stundenzahl.
  • Die Arbeitsbelastung innerhalb der anwesenden Stunden ist meist sehr hoch und man hat kaum die Möglichkeit, Pausen zu machen. Dadurch besteht auch die Gefahr, keine Zeit für Kommunikation und Netzwerken zu haben und soziale Kontakte im Unternehmen zu pflegen.
  • Flexibilität ist oft eine Grundvoraussetzung, weil Teilzeitbeschäftigte oft an Feiertagen, zu Rand- oder Spitzenzeiten eingesetzt werden. Dies widerspricht sich jedoch mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
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