Isabella Keusch über ihre Arbeit in Männerdomänen

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Isabella Keusch über ihre Arbeit in Männerdomänen

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Wie Marketing Director Isabella Keusch im Familienbetrieb Auto Stahl mit weiblicher Handschrift Erfolgsgeschichte schreibt.

Feng Shui im Autohaus? Ja, das gibt es – und das zu Recht. Wer Isabella Keusch (44) an dem nagelneuen Standort von Auto Stahl besucht, ist verleitet, länger in der stylischen Lounge bei köstlichem Espresso sitzen zu bleiben. Gustieren kann man hier zudem zwischen den Auto-Topmarken Volvo, Land Rover, Jaguar, Kia, Honda und Ford. Dem Wohlfühlprinzip hat sich die Ehefrau von Geschäftsführer Gernot Keusch und Mutter eines dreijährigen Buben in ihrer Funktion als Marketing Director verschrieben – nachdem sie zuvor jahrelang in einer anderen Männderdomäne Frauenpower bewies. Der Talk.

Frau Keusch, Sie waren jahrelang sehr erfolgreich bei Davidoff, haben es dort bis an die Spitze als Global Director Training & Development geschafft – vor zwei Jahren haben Sie dann in die Branche Ihres Ehemannes, in die Autobranche, gewechselt. Wie groß ist der Unterschied?

Isabella Keusch: Eigentlich gar nicht so groß – beide Branchen sind ja eher männerlastig. Wenn es nach meinem Mann gegangen wäre, hätte ich schon sehr viel früher hier im Familienunternehmen angefangen, aber ich war in meinem Job ja auch sehr erfolgreich und glücklich. Zudem war es mir auch immer wichtig, meine Selbstständigkeit zu bewahren. Nachdem Auto Stahl dann aber immer größer geworden ist, mein Mann diesen Standort geplant und neue Automarken dazugenommen hat und wirklich viel zu tun war, habe ich beschlossen zu wechseln und mich auf diesem Terrain auszutoben (lacht). Außerdem sind wir vor drei Jahren Eltern geworden – und die Arbeit im Familienbetrieb lässt sich wesentlich besser mit meiner Rolle als Mutter vereinbaren als mein ehemaliger Job, in dem ich zwei bis Tage pro Woche im Ausland war.

Nun sind Sie Ehepaar und gleichzeitig Kollegen – wie haben Sie Ihre Rollen im Unternehmen aufgeteilt?

Keusch: Diese Frage war ein wesentlicher Punkt, schließlich ist mein Mann ein Alpha-Tierchen – wie man es wohl als erfolgreicher Unternehmer auch sein muss – und ich bin auch jemand, der ganz klar sagt, was Sache ist und zeige stark Präsenz. Deshalb war ich nicht sicher, ob wir uns da nicht in die Haare kriegen könnten. Aber nach zwei Jahren kann ich wirklich sagen, dass das überhaupt kein Thema ist. Weil mein Mann mir den Raum lässt, den ich auch brauche. Er kümmert sich als Geschäftsführer vorrangig um die Strategie und die Leitung der Autohäuser – mein Gebiet ist sozusagen das Marketing, wobei das heutzutage ein sehr vielschichtiges Thema ist. Da geht es einerseits darum, die Marke aufzubauen und zu stärken, andererseits aber auch um interne Kommunikation und alles, was die Betriebsentwicklung betrifft.
Sie haben ja rund 130 Mitarbeiter:innen …
keusch: Ja – und um diesen ein gutes Arbeitsumfeld und -klima und so wiederum den Kund:innen eine besondere Atmosphäre und Top-Service zu bieten, muss man als Unternehmer zeitgemäß arbeiten. Das beginnt bei der Mitarbeiter-App und geht bis zum Arbeitsplatz, an dem man sich wohlfühlen muss.

Tatsächlich herrscht hier eine ganz besondere Atmosphäre, die man von einem Autohaus so gar nicht kennt. Ist das der weiblichen Handschrift zu verdanken?

Keusch: Mein Mann ist da schon auch sehr dahinter – aber ja, es stimmt schon: Von meiner Ausbildung im Modul her habe ich einen Hospitalitäts-Background, ich liebe schöne Hotels und Lokale – und wollte auch diesem Haus einen 5-Sterne-Charakter verleihen. Man darf nicht vergessen, dass neben dem Wohnen das Auto das größte Investment ist, das Familien tätigen. Sich beim Kauf und dann beim Service wohlzufühlen und etwa einen Kaffee nicht aus dem Automaten, sondern aus einer italienischen Kaffeemaschine oder einen eigenen Teleworking-Raum während der Wartezeit zur Verfügung gestellt zu bekommen, schafft ein gutes Klima.

Sie haben sich zum bereits zweiten Mal in einer Männerdomäne behauptet. Benötigt man dafür spezielle Skills?

Keusch: Ich habe mir darüber schon lange keine Gedanken mehr gemacht, weil ich das ja beide Mal nicht bewusst gewählt habe. Klar, es war schon etwas eigenartig, als ich damals im Europe Leadership-Team von Davidoff die einzige Frau war. Aber die Kollegen haben schnell erkannt, welch großer Vorteil es ist, wenn ein anderer Blickwinkel eingebracht wird. Ich denke, das Wichtigste ist, sich nicht einschüchtern zu lassen, zu seiner Meinung zu stehen und Grenzen zu ziehen. Dass man es als Frau – gerade wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Job geht – schwerer hat, steht außer Zweifel. Aber ich denke auch, dass wir in einem Land leben, in dem Frauen alle Möglichkeiten haben, etwas aus sich zu machen, wenn sie das möchten.

Wie lautet Ihr persönliches Erfolgsrezept?

Keusch: Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, immer gut in sich hineinzuhören, was für einen selbst gut und wichtig ist – und sich dementsprechend für etwas zu entscheiden. Das kann heute etwas anderes sein als morgen. Das Leben ist eine Reise – wichtig ist nur, dass man sich auf der Fahrt sicher und wohl fühlt.

Interview: Daniela Schimke

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