Sichere Körperpflege - das barrierefreie Bad

15.03.2010

Mit zunehmendem Alter wird die tägliche Körperpflege schwieriger: Unsicherheiten beim Gehen und Stehen, steife Gelenke, Sehschwäche und Schwindelgefühle - vor allem morgens - führen im schlimmsten Fall zu Unfällen. Wer möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben will, muss das Bad zwangsläufig an die körperlichen Einschränkungen anpassen.

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"Das größte Problem in vielen Bädern ist: Es fehlt der Bewegungsspielraum", sagt Renate Schulz, Architektin und Expertin für Barrierefreies Bauen im Bauherren-Schutzbund (BSB) in München. Zunächst muss deshalb überprüft werden: Welche Badmöbel sind verzichtbar? Kann die Waschmaschine in die Abstellkammer wandern? Muss der Schrank mit den Handtüchern im Bad stehen?

Auch eine Tür, die sich nach außen öffnen lässt, spart eine Menge Platz. Sie hat noch einen Vorteil: "Kommt es bei einer nach innen öffnenden Tür zum Sturz, so blockiert der Gestürzte nicht selten die Tür, so dass sie von Helfern eingeschlagen werden muss", sagt Schulz.

Doch die Scharniere neu zu montieren, nutzt nur dann etwas, wenn die Tür breit genug ist: "Das lichte Durchgangsmaß sollte 90 Zentimeter nicht unterschreiten. Außerdem darf keine Schwelle den Zugang oder die Zufahrt behindern", erläutert Matthias Thiel vom Zentralverband Sanitär-Heizung-Klima (SHK) in Potsdam.

Im Bad sollte der Platzbedarf eines Rollators oder eines Rollstuhles berücksichtigt werden. "Um sich einmal um die eigene Achse zu drehen, braucht man mit einem solchen Hilfsmittel eine Fläche mit einem Radius von 1,50 Metern", sagt Schulz. So viel Platz muss jeweils vor den Sanitärobjekten wie Waschbecken und Toilette vorhanden sein.

"In vielen Bädern ist die einzige Lösung, die Wanne gegen eine bodengleiche Dusche auszutauschen. Deren Fläche kann gleichzeitig als Bewegungsraum genutzt werden", erklärt Thiel. Mieter brauchen dafür die Genehmigung des Vermieters.

Manchmal stößt das Vorhaben aber auch an technische Grenzen: "Jede Dusche braucht ein gewisses Gefälle für den Ablauf. Je nach Fußbodenkonstruktion kann dies manchmal schwierig herzustellen sein", sagt Jens Wischmann, Geschäftsführer der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) in Bonn. Die Alternative ist eine möglichst flache sogenannte Duschtasse. Schulz empfiehlt als Abtrennung einen Duschvorhang. Er kann flexibel zur Seite geschoben werden.

In der Dusche sorgt ein wasserfester Sitz für Komfort beim Waschen. Wenn es die Wandkonstruktion zulässt, ist ein Klappsitz ideal. Die Alternative ist ein gepolsterter, stabiler Hocker. Ein Handlaufsystem und Griffe bieten Sicherheit.

Ist im Bad genug Raum für eine Wanne, muss sie vielfältigen Ansprüchen genügen. "Seitliche Türen erleichtern den Einstieg. Je nach Beeinträchtigung kann ein Badewannen-Lifter in Betracht gezogen werden", so Wischmann. Die Wanne darf nicht zu lang sein, damit der Badende im Falle einer Bewusstlosigkeit nicht ins Wasser abrutscht und ertrinkt. In einer Sitzwanne kann das nicht passieren. Vorhandene Modelle können mit einem sogenannten Wannenverkürzer nachgerüstet werden. In Dusche oder Wanne muss außerdem für Rutschsicherheit gesorgt werden. Es gibt Modelle mit spezieller Beschichtung. Die Alternative zum Nachrüsten sind Matten mit Saugnäpfen.

Viele ältere Menschen waschen sich sitzend vor dem Waschtisch. "Gut geeignet ist ein Waschtisch mit einer Tiefe von 30 Zentimetern und mit einer Kniefreiheit von mindestens 67 Zentimetern. Die Höhe der Oberkante sollte im Normalfall 80 Zentimeter betragen", sagt Thiel. Damit die Knie dabei nicht mit dem heißen Siphon in Berührung kommen, ist ein Unterputz- oder Flachaufputzsiphon empfehlenswert. Wer häufig die Haare am Becken wäscht, weiß eine ausziehbare Handbrause zu schätzen. Griffige Einhebelmischer mit integriertem Verbrühschutz sind sicher und einfach zu bedienen.

Bei der Toilette ist oft das Aufstehen ein Problem. Die Sitzhöhe muss so an die Körpergröße angepasst werden, dass die Knie beim Sitzen einen rechten Winkel bilden und die Füße sicheren Bodenkontakt haben. Sitzerhöhungen sind nachrüstbar. "Als Aufstehhilfe bieten sich beidseitige Klappgriffe an. Sie sollten einen Abstand von 70 Zentimeter zueinander haben", rät Thiel. Praktisch sind Systeme mit integrierter Papierhalterung.

Auch der Bodenbelag muss möglichst rutschhemmend sein. Matten - auch die mit Saugnäpfen - werden hier schnell zu Stolperfallen. Hochglanz-Fliesen könnten rutschhemmend beschichtet werden, sagt Schulz.

Eine praktische und zugleich komfortable Lösung ist eine Fußbodenheizung. "Sie spart Platz. Außerdem trocknet der Boden schnell ab, so dass die Rutschgefahr gemindert wird", sagt Wischmann. Die Alternative sind flache Wandheizkörper. Ihre Thermostate müssen gut erreichbar sein. Optimal ist eine Höhe von 85 Zentimetern. Auch alle anderen Griffe, Haken, Halter, Steckdosen, Lichtschalter und Ablagen müssen gut erreichbar sein. Und schließlich muss in vielen Fällen die Höhe des Spiegels angepasst werden. Flexibel einsetzbar sind zum Beispiel verstellbare Kippspiegel.

INFO: www.komfort-und-qualitaet.de; www.online-wohn-beratung.de.

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