Rot- und Orangetöne sind als Wandfarbe gefragt

Die neuen Wandfarben wirken beruhigend

Gemütlich statt schrill und altbewährt statt extravagant: Die Trendfarben für die eigenen vier Wände sind in diesem Jahr Balsam für die Seele. Gefragt sind Farben wie beige oder karminrot, die dem Raum eine helle und wärmende Atmosphäre geben. Endgültig vorbei ist die Dominanz schwarz-weißer und anderer strenger Farbkompositionen. Stattdessen kommen warme, mediterrane Beige- und Orangetöne zurück.

"Die Tendenz zu warmen Tönen macht deutlich, dass sich die meisten Menschen nach Geborgenheit und Schutz sehnen" sagt Harald Braem, Leiter des Instituts für Farbpsychologie. Auch die anhaltende Begeisterung fürs Kochen und der Trend zu offenen Wohnküchen drückten dieses Bedürfnis aus. Warme Beigetöne würden farblich mit Erde assoziiert und vermittelten deshalb Stabilität und Halt, erklärt Braem. Durch Holzmöbel, Schilf- und Bambuspflanzen könne der Wohlfühlfaktor noch verstärkt werden. "Wir leben seit dem 11. September in einer Zeit der Unsicherheit, die Wirtschaftskrise tut da ihr Übriges", erklärt der Farbpsychologe. "Warme Farben wirken dem entgegen, weil sie gestresste Menschen beruhigen und trübe Stimmungen aufhellen."

Damit sie diese Wirkung entfalten, sollten dem Experten Ludwig Popp zufolge Wandfarben auf die Raumverhältnisse abgestimmt werden. "Helle Töne wie Champagner oder ein weiches Beige können großflächig verwendet werden, aber bei stärkeren Farben wie karminrot macht sich eine einzelne Wand besser."

Grundsätzlich strukturieren dunkle Farben große Räume, verkleinern sie aber auch. Deshalb eigneten sich für kleine Räume helle Farben besser. Sie ließen ein Zimmer größer wirken und balancierten so auch die Schwere von dunklen Möbeln aus. Wer sich die erdigen Farben ins Haus holen will, ohne gleich neu zu streichen, kann auf schmale Tapetenstreifen oder Bordüren zurückgreifen. "Waagrecht oder senkrecht an die Wand geklebt, bringen sie Farbtupfer ins Spiel und geben dem Raum Struktur", erklärt Popp.

Im Kommen sind auch sogenannte Wandtattoos und Wandschablonen. Die Palette der Motive ist groß: Von Blumenornamenten bis zu Autos kann sich jeder seine Wunschvorlage an die Wand kleben oder malen. Wandtattoos sind laut Popp unkompliziert anzubringen. Für die Arbeit mit Schablonen rät er, kleine Flächen nicht zu streichen, sondern mit dem Pinsel Tupfer zu setzen. So würden die Konturen scharf.

Bei so viel Gestaltungsmöglichkeiten und Farbvielfalt sehnt sich mancher vielleicht nach Schlichtheit. Die Farbe Weiß liege auch dieses Jahr im Trend, sagt Bross. Schließlich sei Weiß einfach mit Möbeln zu kombinieren und leicht aufzutragen - aber eben auch langweilig.