Alte Möbel selber restaurieren

Alte Möbel selber restaurieren

Doch bei welchem Möbelstück lohnt sich der Aufwand einer Restaurierung? "Oft zählt nur, dass das Verhältnis von Aufwand und Ertrag stimmen muss", sagt Restaurator Bernhard Kügler. Nicht in jedem Fall zählt aber nur der reine Sachwert. "Viele Möbelstücke haben unabhängig vom Verkaufswert auch einen ideellen Wert - sie sind beispielsweise der einstige Lieblingssessel der Oma." Dann lohnt es sich meistens.

Antiquitäten gehören zum Fachmann

Nicht immer ist es allerdings ratsam, das alte Stück selber wieder herzurichten. "Wenn es sich um ein antiquarisch wertvolles Stück handelt, das möglicherweise auch noch eine Schellackoberfläche hat oder mit speziellen Beizen behandelt wurde, rate ich: Finger weg!", sagt Uwe Blumberg von der DIY-Academy in Köln. "Wenn es sich hingegen um einen alten Bauerschrank ohne aufwendige Bemalungen vom Flohmarkt handelt, kann man sich da - etwas handwerkliches Geschick vorausgesetzt - auch durchaus selber herantrauen."

Wer sich unsicher über Wert und Alter des Möbelstücks ist oder Wert auf historische Originalität legt, sollte ohnehin einen Fachmann zu Rate ziehen. "Der Laie macht oft mehr kaputt, als er rettet", sagt Kügler. "Häufig passiert es beispielsweise, dass abgebeizt wird, wodurch Schäden wie Verfärbungen verursacht oder durch Farbschichten überdeckte Malereien zerstört werden." Außerdem würden Beschläge und Vergoldungen oft viel zu scharf gereinigt. Viele Stücke landeten auch mit Fehlklebungen beim Restaurator, die dann mühsam wieder korrigiert werden müssten.

Gründliche Prüfung

Allerdings handelt es sich bei der Ausgrabung ja nicht immer gleich um eine Antiquität. Dann kann der Heimwerker selbst anlegen. Einige Arbeitsschritte gehören immer dazu. Zunächst sollte das Möbelstück komplett auf seine Funktionen überprüft werden. "Dabei wird herausgefunden, was gegebenenfalls repariert werden muss", sagt der Tischlermeister und Restaurator Kurt Spatzier aus dem brandenburgischen Wiesenburg.

Oft sind Verbindungen lose oder haben sich entleimt, wodurch sie instabil werden. "Ist das der Fall, sollten Risse geleimt und in die offenen Fugen passende Hölzer oder Furniere pass- und pressdicht eingebaut werden", erklärt Spatzier. "Die Holzarten, die dabei verarbeitet werden, sollten möglichst nicht nur gleicher Art und Maserung wie beim Möbel sein, sondern auch das gleiche Alter haben."

Lack entfernen

Soll die ursprüngliche, natürliche Holzstruktur wieder hergestellt werden, muss die möglicherweise vorhandene Lack- oder Farbschicht entfernt werden. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. "Entweder bearbeitet man die Oberfläche chemisch mit Abbeizer", erklärt Blumberg. "Oder die Lackschicht wird mechanisch durch Schleifen entfernt. Dabei sollte allerdings mit Verzierungen sehr vorsichtig umgegangen werden." Vorher müssen alle Metallbeschläge abgeschraubt und entfernt werden.

Ist der alte Lack erst einmal ab, muss im letzten Arbeitsschritt die Oberfläche behandelt werden. "Auch hier hat man verschiedene Optionen", sagt Spatzier. "Je nach Vorliebe kann geölt, gewachst oder - mit Lasur oder deckendem Neuanstrich - lackiert werden."

Hilfe durch Listen

Eine gute Vorbereitung kann beim Restaurieren durchaus Zeit und Geld sparen. "Um den Überblick zu behalten, sollte man aufschreiben, welche Materialien und welche Werkzeuge gebraucht werden", rät Uwe Blumberg. "Ist das alles besorgt, ist eine To-Do-Liste für die gesamte Reparatur äußerst sinnvoll und hilfreich." Darauf sollten die verschiedenen Arbeitsschritte in der richtigen Reihenfolge notiert werden. "Außerdem empfiehlt es sich, vorab ein Foto zu machen, damit man später beim Zusammenbauen wieder genau weiß, welches Teil an welche Stelle gehört."

Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden