Vorbeugung gegen Missbrauch

Wiener Spitäler verlangen Ausweis zu E-Card

Ab 2. Dezember werden die Wiener beim Besuch in einem städtischen Spital ersucht, neben ihrer E-Card auch einen gültigen Lichtbildausweis mitzunehmen. Ziel der Maßnahme sei es, im Interesse aller Patienten und des Sozialsystems die Person, die eine E-Card vorlegt, eindeutig identifizieren zu können, hieß es in einer Aussendung des Krankenanstaltenverbundes (KAV).

Laut dem Büro von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (S) soll damit einer missbräuchlichen Verwendung vorgebeugt werden. Bisher, so hieß es auf APA-Anfrage, sei E-Card-Betrug noch nicht sehr häufig vorgekommen.

In den Ambulanzen der Spitäler werden die Besucher mittels Plakaten auf die Maßnahme aufmerksam gemacht. Personen ohne Ausweis werden nicht abgewiesen: Ist beim Check-In im Spital gerade kein solcher zur Hand oder handelt es sich um einen medizinischen Notfall, wird dies jedoch auf den Aufnahmepapieren vermerkt.

Neue E-Card mit Blindenschrift wird ab 9. Dezember versendet

Der Versand der neuen E-Card mit Blindenschrift startet am 9. Dezember. Im kommenden Jahr werden dann insgesamt rund 4,6 Mio. Karten ausgetauscht. Die neuen Karten wurden nun vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger sowie dem Blindenverband und dem Behindertenverband der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die neue Generation der E-Card hat ein neues Merkmal: In deutlich spürbarer Blindenschrift werden die Buchstaben "SV" auf der Oberfläche der Karte aufgebracht. So ist die E-Card für Menschen mit Seheinschränkungen von allen anderen Karten mit einem Griff leicht zu unterscheiden. Die Präsidenten des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Gerhard Höllerer sowie des Kriegsopfer- und Behindertenverbandes Michael Svoboda sprachen von einem "Riesen-Meilenschritt" für mehr Barrierefreiheit und plädierten dafür auch auf anderen Karten Aufdrucke in Blindenschrift anzubringen.

Ab 9. Dezember werden alle Karten nur noch in der neuen Version ausgegeben. Für 2010 werden etwa vier Mio. E-Cards ausgetauscht, weil die Gültigkeit der europäischen Krankenversicherungskarte auf der Rückseite abläuft. Dazu kommen rund 600.000 weitere Neuausstellungen für Neugeborene, Zuwanderer bzw. Menschen, die ihre Karte verloren haben oder weil sie defekt ist.

Anforderung in vielen Fällen nötig

Der Austausch der Karte im Jahr 2010 betrifft vor allem alle Menschen, die bei der Ausgabe der ersten Karte vor fünf Jahren unselbstständig erwerbstätig waren und seither keine neue Karte bekommen haben. Jene Personen, deren europäische Krankenversicherungskarte über das Jahr 2010 hinaus gültig ist, erhalten keine neue Karte. Das betrifft u.a. auch Pensionisten. Sehbehinderte werden die neue Karte nicht automatisch zugeschickt bekommen, wenn sie noch nicht abgelaufen ist. Sie müssen diese beim Hauptverband anfordern.

Die Versicherten erhalten ihre neue E-Card spätestens zwei Wochen vor Ablauf der Gültigkeit der europäischen Krankenversicherungskarte. Die neue Karte ist dann sofort verwendbar, die alte wird durch die Neuausstellung ungültig und kann vernichtet und mit dem Hausmüll entsorgt werden.

Wie bisher enthält auch die neue E-Card keine medizinischen Daten, sie ist der persönliche Schlüssel zum Gesundheitssystem. Zusätzlich zur Blindenschrift ist die Karte auch für den Einsatz der aktuellsten Verschüsselungstechnologien für die Bürgerkarte geeignet. Damit sind künftig auch Mailsignatur und Verschlüsselung möglich. Der Chip hat eine doppelt so große Speicher- und Rechenleistung. Auch für das elektronische Rezept und die geplante elektronische Gesundheitsakte ist die E-Card erforderlich.

Ein Foto wird es auf der neuen E-Card nicht geben. Der für das Projekt zuständige Generaldirektor-Stv. des Hauptverbandes Volker Schörghofer und der Vorstandsvorsitzende Hansjörg Schelling begründeten dies damit, dass der Aufwand zu groß wäre. Zur Verhinderung von Missbrauch soll mit der Verwendung der E-Card eine Ausweiskontrolle durchgeführt werden. Ein Pilotversuch im Wiener AKH sei dafür positiv verlaufen. Auch in anderen Spitälern werde dies jetzt schon so gehandhabt. Mit den niedergelassenen Ärzten wird derzeit eine entsprechende Vereinbarung verhandelt. Schörghofer betonte, dass bisher "kein signifikanter Missbrauch" mit der E-Card festgestellt worden sei. Die Wiener Spitäler verlangen ab morgen, Mittwoch, die Vorlage eines Lichtbildausweises.