Vorsorge bei Jungen verstärken

Weltgesundheitstag: Sorge um "kranke" Jugend

Jährlich am 7. April steht weltweit die Bedeutung von Gesundheit für den Menschen im Vordergrund. Seit 1950 thematisiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) an diesem Tag ein dringliches Problem. Das Motto des diesjährigen Weltgesundheitstages lautet "Gesunde Städte".

Zahlreiche Veranstaltungen in vielen Ländern sollen aufzeigen, wie das Leben in Städten gesundheitsförderlicher gestaltet werden kann. In Österreich warnten etliche Organisationen vor den unterschiedlichsten Krankheiten und forderten Verbesserungen bei der Prävention.

Große Sorge um die heimische Jugend äußerte das Rote Kreuz (ÖRK). "Es muss im Interesse von Politik und Gesellschaft sein, jungen Menschen zu zeigen, wie gesundes Leben funktioniert. Probleme kann man nicht in Alkohol ertränken und seelische Leere füllen weder Süßigkeiten noch Chips", waren sich Rotkreuz-Präsident Fredy Mayer und Jugendrotkreuz-Generalsekretär Karl Zarhuber einig. Ergebnisse internationaler Studien seien erschreckend: Laut der jüngsten OECD-Untersuchung waren 41 Prozent der Burschen und 36 Prozent der Mädchen mit 15 Jahren schon mindestens zweimal betrunken. Fast die Hälfte der 15-Jährigen hat spätestens mit 13 Jahren erstmals zur Zigarette gegriffen und zwölf Prozent der Elf- bis 15-Jährigen sind übergewichtig, ein Teil davon ist bereits adipös.

Mehr Förderungen

"Gesundheitsprogramme müssen stärker gefördert werden. Prävention in Form von Bewusstseinsbildung muss ein Schwerpunkt in der Kinder- und Jugendpolitik sein", forderte Mayer. "Physische und psychische Gesundheit müssen in Schule und Familie Thema sein. Werden Stress und Druck zu groß, greifen Jugendliche zu Bier und Schnaps - ihnen konstruktive Alternativen zu zeigen ist unser aller Aufgabe", so Zarhuber.

Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" erinnerte daran, dass in Österreich viel zu viel Fleisch und andere Tierprodukte konsumiert werden. Das von Ernährungswissenschaftern empfohlene Maximum werde um das Doppelte übertroffen. Geschäftsführerin Johanna Stadler: "Allein in Österreich werden pro Jahr etwa hundert Millionen Tiere und zwei Milliarden Eier konsumiert. Das ist für das kleine Land eine schockierend große Menge." Wissenschaftlich sei klar belegt, dass ein zu hoher Konsum von Fleisch, Wurstwaren, Milchprodukten und Eiern die Entstehung von Zivilisationskrankheiten erheblich fördert. Zu diesen werden etwa Fettleibigkeit, Diabetes, Bluthochdruck und Herzinfarkt, Schlaganfall sowie viele Krebsarten, die die Haupttodesursachen darstellen, gezählt.

Auf den Zusammenhang von Armut und gesundheitlicher Ungleichheit machte Volkshilfe-Bundesgeschäftsführer Erich Fenninger aufmerksam: "Armut heißt nicht nur kein Geld zu haben, sie schlägt sich auch in sozialer Isolation, psychischen Belastungen, emotionalen Störungen und negativem Stress nieder. Die Folgen sind ernsthafte gesundheitliche Probleme, wie Magenbeschwerden, Herzerkrankungen, Bluthochdruck oder Schlafstörungen. Von Armut betroffene Menschen sind wesentlich häufiger krank als Menschen, die im Wohlstand leben, und sterben um bis zu sieben Jahre früher." Gerade im europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung müsse ein besonderes Augenmerk auf der Gesundheitsversorgung ärmerer Bevölkerungsschichten liegen, forderte Fenninger. Für Alleinerzieherinnen sei fehlende Kinderbetreuung häufig ein Grund, nicht zum Arzt zu gehen. Für Migrantinnen stellen nicht vorhandene Deutschkenntnisse oft eine Hürde dar.

Präventionsverstärkung gegen HIV

Petra Bayr, SPÖ-Bereichssprecherin für Globale Entwicklung, betonte die Notwendigkeit der Präventionsverstärkung gegen HIV-Infektionen, die vor allem im Bereich von "Empowerment" von Frauen sowie reproduktiver und sexueller Gesundheit liegen. "Die Selbstbestimmung von Frauen ist Voraussetzung für ihre Möglichkeiten, sich vor HIV zu schützen", so Bayr, "durch ungewollten und ungeschützten Sexualverkehr werden noch immer die allermeisten HIV-Infektionen verursacht." Bayr wies auf die steigende Zahl an HIV-infizierten Frauen hin, die vor allem durch mangelnde Aufklärung und Unterstützung der Selbstbestimmung liegen. "In vielen Teilen Afrikas beispielsweise wissen Frauen gar nicht, dass sie sich durch den Gebrauch eines Kondoms vor HIV schützen können", so Bayr, "bei uns hingegen ist es zwar bekannt, wird aber dennoch vernachlässigt, weil Frauen sich dem Wunsch vieler Männer nach ungeschütztem Verkehr beugen. Es gilt also, gleichzeitig auf mehreren Ebenen Information, Aufklärung und Unterstützung anzubieten."