Starchirurg Margreiter legt sein Skalpell nieder

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Bescheiden sind die Freuden, denen sich der Innsbrucker Starchirurg Raimund Margreiter nach 44 Jahren im Arztberuf nach seiner Emeritierung Ende September widmen möchte. Er freue sich auf einen "selbstbestimmten Tagesablauf" und "zeitlich unbegrenztes Lesen". Ein Luxus für einen Mediziner, der "in seinen besten Zeiten" bis zu 120 Stunden in der Woche im Krankenhaus verbrachte.

Margreiter leistete auf dem Gebiet der Verpflanzung von Organen Pionierarbeit, was ihm den Beinamen "Vater der Transplantationschirurgie" einbrachte. 1983 gelang dem Zillertaler in Innsbruck die erste Herztransplantation Österreichs, die erste Niere verpflanzte er allerdings schon neun Jahre davor unter schwierigsten Bedingungen.

"Ich bin lange genug im OP gestanden", sagte der über die Grenzen Österreichs hinaus bekannte Mediziner, angesichts der Tatsache, dass er im Alter von 68 Jahren bald zum letzten Mal ein Skalpell in der Hand halten wird. Außerdem habe er sich nie übers Operieren definiert.

Die Liste seiner medizinischen Spitzenleistungen ist lang: 1983 gelang Margreiter in Innsbruck die weltweit erste kombinierte Leber-Nierentransplantation und 1985 die erste Herz-Lungentransplantation. 1989 war Margreiter ebenfalls weltweit der Erste, dem eine Mehrfachtransplantation von Leber, Magen, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm bei einem Erwachsenen gelangt, die auch die erste erfolgreiche Multiviszeraltransplantation überhaupt war.

Für internationale Schlagzeilen sorgte der Tiroler auch 2000, als er dem Bombenopfer Theo Kelz in einer siebzehnstündigen Operation zwei Hände transplantierte. Der Beamte der Klagenfurter Polizei hatte durch eine explodierende Rohrbombe beide Hände verloren. Der eigentlich nicht für seinen Hang zum Understatement bekannte Chirurg sprach in der Pressekonferenz nach der gelungenen Operation schlicht von einem "recht komplexen Eingriff".

Aber nicht nur als Mediziner suchte Margreiter die Extreme, auch privat strebte er nach außergewöhnlichen Erfahrungen. So war er beispielsweise 1978 Teilnehmer der Mount-Everest-Expedition von Reinhold Messner und Peter Habeler. Außerdem bewältigte er im Alleingang mit einem Kajak den Oberlauf des Amazonas auf einer Länge von rund 1.000 Kilometern. Nach seiner Emeritierung will der 68-Jährige zwar "noch einige weiße Flecken" auf der Landkarte bereisen, die Zeit der Abenteuer dürfte aber vorbei sein. "Gemächlich" und "beschaulich" soll es dabei zugehen.

Sorge um Praxis bei Jungärzten

Beruflich habe sich seit seinen Anfangszeiten sehr viel verändert. Abgesehen von den immensen Fortschritten in der Transplantationschirurgie, die nicht vorhersehbar gewesen seien, habe sich auch die tägliche Arbeit als Arzt gewandelt. Vor allem der bürokratische Aufwand habe drastisch zugenommen. Dadurch werde einem die "Freude am Beruf vergällt". Sorge bereitete Margreiter auch die Ausbildung der jungen Ärzte. Durch das neue Arbeitszeitgesetz würden sie viel weniger Zeit im Operationssaal verbringen: "Wie man da langfristig wird mithalten können, ist sehr fragwürdig".

Raimund Margreiter wurde am 16. Mai 1941 in Fügen in Tirol geboren. Er absolvierte das Studium an der medizinischen Fakultät in kürzester Zeit und wurde 1965 zum Dr. med. promoviert. Nach Anstellungen in Salzburg kehrte er durch eine Assistentenstelle für Chirurgie an der Universitätsklinik nach Innsbruck zurück. 1980 folgte die Habilitation und seit 1999 ist er Vorstand der Universitätsklinik für Chirurgie an der medizinischen Fakultät Innsbruck.

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