Selbstwertgefühl erreicht mit 60 den Höhepunkt

Selbstbewusstsein nimmt nach der Pensionierung ab

Im Lauf ihres Lebens werden Menschen immer selbstbewusster. Doch etwa ab der Pensionierung beginnt das Selbstwertgefühl rapide abzunehmen. Das zeigt eine Studie, die ein Forscher der Universität Basel gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Kanada durchgeführt hat.

Die Psychologen um Ulrich Orth von der Uni Basel werteten Angaben aus einer Langzeitstudie in den USA aus. In einer Periode von 16 Jahren waren 3.617 Männer und Frauen im Alter von 25 bis 104 Jahren vier Mal befragt worden, unter anderem zu ihrem Selbstwertgefühl, wie die Amerikanische Psychologen-Vereinigung APA mitteilte.

Die Teilnehmer gaben auch Auskunft über Einkommen, Bildung, Beruf, Zivilstand, Gesundheit oder wie zufrieden sie in ihrer Beziehung waren. Auch nach Stress auslösenden Ereignissen fragten die Forscher, also zum Beispiel, ob jemand plötzlich arbeitslos wurde, Angehörige starben oder er Opfer eines Gewaltverbrechens wurde.

Höhepunkt mit 60 Jahren

Wie Orth und seine Kollegen im Fachmagazin "Journal of Personality and Social Psychology" berichten, war das Selbstwertgefühl bei jungen Erwachsenen am tiefsten. Es stieg danach kontinuierlich an, bis es im Alter von etwa 60 Jahren einen Höhepunkt erreichte und danach rasch abnahm.

Frauen sind laut der Studie in den meisten Altersklassen etwas weniger selbstbewusst als Männer. Im Alter von 80 oder 90 Jahren aber nähern sich die Kurven einander an. Auch die Bildung, das Einkommen, die Gesundheit und die berufliche Stellung haben einen Einfluss auf das Selbstwertgefühl.

Das gilt vor allem für ältere Semester. "Wir fanden, dass Personen mit höheren Einkommen und besserer Gesundheit ihr Selbstwertgefühl im Alter eher aufrecht erhielten", wurde Orth in einer Aussendung zitiert. Ein möglicher Grund: Reichtum und Gesundheit führen dazu, dass man sich unabhängiger fühlt und dass dies das Selbstvertrauen erhöht.

Beziehung von Bedeutung

Menschen in einer intakten und glücklichen Beziehung verfügten ebenfalls über ein höheres Selbstwertgefühl. Vor dem Rückgang des Selbstvertrauens im Alter schützte dies allerdings nicht: Die Forscher fanden bei Personen in einer glücklichen Beziehung einen ähnlich großen Rückgang wie bei allen anderen.

Laut Orth und seinen Kollegen gibt es verschiedene Theorien, um diesen Rückgang zu erklären. Im mittleren Alter seien die meisten Menschen in Familien eingebunden und erreichten im Beruf eine immer höhere Stellung, sagte Mitautor Richard Robins von der Universität von Kalifornien in Davis. Im Alter hingegen komme es zu Rollenwechseln. Die Wohnung oder das Haus werden plötzlich leer, die eigene Arbeitsleistung wird mit der Pensionierung überflüssig und die Gesundheit verschlechtert sich. Dies alles lässt das Selbstwertgefühl schwinden.