Ratiopharm will Gewinn trotz Preisdrucks steigern

Der Arzneimittelkonzern Ratiopharm hat sich trotz des Preisdrucks auf dem deutschen Markt überraschend ehrgeizige Ziele gesetzt. Das Geschäft soll vor allem im Ausland wachsen und den Gewinn deutlich steigern. "Wir erwarten bis 2014 einen jährlichen Umsatzanstieg von durchschnittlich acht Prozent auf 2,4 Milliarden Euro", sagte Firmenchef Oliver Windholz der "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe).

Im gleichen Zeitraum soll der operative Gewinn (Ebitda) auf 530 Millionen Euro klettern, was einem durchschnittlichen Anstieg von 20 Prozent pro Jahr entspricht. Für das Gesamtjahr erwarte Ratiopharm einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro und ein Ebitda von deutlich mehr als 200 Millionen Euro.

Ratiopharm hat nie zuvor einen Gewinnausblick veröffentlicht. Mit der ambitionierten Prognose macht Windholz sein Unternehmen auch für mögliche Käufer attraktiv. Der Hersteller von Nachahmermedikamenten (Generika) gehört zur hochverschuldeten Merckle-Gruppe, die sich auf Druck der Gläubiger von ihrem Herzstück trennen muss.

Der Verkauf des Unternehmens kommt zu einer Zeit, wo die gesetzlichen Krankenkassen durch Rabattforderungen das Geschäft mit Generika erschweren. Ratiopharm erzielt fast die Hälfte seiner Einnahmen in Deutschland. Windholz setzt daher auf ausländische Märkte, wo derzeit 53 Prozent des Umsatzes herkommen. "Dieser Anteil wird sich in den nächsten Jahren auf 60 Prozent erhöhen". In Italien, Frankreich, Spanien und Finnland gebe es noch deutliches Potenzial für Generika.

Windholz erwartet, dass bis 2012 weltweit Patente mit mehr als 140 Milliarden Dollar Umsatzvolumen auslaufen werden. Bis 2014 plant er weltweit mehr als 500 Produktneueinführungen pro Jahr. Da der Kostendruck auch im Ausland zunimmt, sieht Windholz dort gute Chancen für Generika.

Große Pläne hat der Konzernchef auch mit biotechnologisch hergestellten Generika. Ratiopharm war vor kurzem in das Geschäft eingestiegen und hat in Ulm eine neue Anlage dafür errichtet. Hoffnungen knüpft Windholz zum Beispiel an das zur Behandlung von Blutarmut bei Dialysepatienten eingesetzte Präparat Epoetin. Die Biotechnikparte soll weiter wachsen. "Bis 2014 werden wir 200 Millionen Euro Umsatz damit machen." Heute ist es ein Zehntel.