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"Pille danach" ab sofort rezeptfrei

Die "Pille danach" ist ab sofort in Österreichs Apotheken rezeptfrei erhältlich. Der entsprechende Bescheid wurde am Donnerstag vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen ausgestellt, teilte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums der APA am Freitag (18. Dezember) mit. Freigegeben wurde das Präparat "Vikela", das in Österreich derzeit noch von Gerot Pharmazeutika, ab 2010 von Sanova Pharma vertrieben wird.

Das Präparat zur Notfallverhütung wurde "für Frauen aller Altersgruppen rezeptfrei gestellt", hieß es im Ministerium. Der Beschluss erfolgte einstimmig nach Prüfung der vorliegenden Gutachten. Auch der Oberste Sanitätsrat hat kürzlich eine positive Empfehlung ausgesprochen. Es wurde nun doch nicht der Wirkstoff, sondern eine bestimmte Arzneispezialität freigegeben, was das Verfahren verkürzt hat. Dazu wurde ein mehrere Jahre alter Antrag herangezogen. Gesundheitsminister Alois Stöger (S) hat sich seit längerem für die Freigabe starkgemacht.

Artzbesuch empfohlen

Zeitgleich mit der Freigabe der Vikela 1,5-mg-Tablette (Wirkstoff Levonorgestrel) erhalten die Apotheken ein Info-Schreiben des Gesundheitsministeriums. Darin wird um Information der Patientinnen gebeten, unter anderem darüber, dass ein Notfallkontrazeptivum keinesfalls eine reguläre Verhütungsmethode ersetze. Auch eine Kontrolle durch einen Facharzt für Frauenheilkunde soll "nachdrücklich" empfohlen werden.

Zusätzlich sollen die Apotheker die Frauen darauf hinweisen, dass eine bestehende Schwangerschaft durch die Einnahme nicht abgebrochen werden kann und eine Verhinderung einer Schwangerschaft nicht in jedem Fall gegeben sei (besonders, wenn Unsicherheit über den genauen Zeitpunkt des ungeschützten Geschlechtsverkehrs besteht). Ein Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten durch die Anwendung sei nicht gegeben, auch darüber soll informiert werden.

Die Freigabe von Vikela erfolgte aufgrund eines Antrags, den Gerot Pharmazeutika aus der Firmengruppe von Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) vor einigen Jahren gestellt hat. Das Gesundheitsministerium fragte nun nach und bekam die Auskunft, dass dieser noch aufrecht sei, hieß es am Freitag. Unter ÖVP-Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat sei der Antrag aus politischen Gründen nicht weiter verfolgt worden, so eine Sprecherin Stögers.

Zuletzt hatte es noch geheißen, dass Stöger eine Freigabe des Wirkstoffs plane. Weder Sanova, die ab 2010 den Vertrieb des aus Frankreich stammenden Produkts von Gerot übernimmt, noch das Pharmaunternehmen Kwizda wollten sich nämlich um Befreiung für ihre Produkte mit identem Wirkstoff bemühen. Die Wirkstofffreigabe hätte länger gedauert, weil diese nur über den Weg einer Verordnung - samt Begutachtung - möglich gewesen wäre.

Stöger und Heinisch-Hosek zufrieden

Gesundheitsminister Alois Stöger (S) hat die Rezeptfreistellung der "Pille danach" als wichtiges frauenpolitisches Anliegen bezeichnet, "für das ich mich aus Überzeugung eingesetzt habe". In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA betonte er: "Ich will gewährleisten, dass Frauen in Notsituationen das Medikament ohne zeitliche Verzögerung erhalten." Erfreut zeigte sich Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (S).

Auch der Oberste Sanitätsrat hat sich laut Stöger bereits mehrmals positiv zu einer Rezeptbefreiung geäußert. Wichtig sei es zu betonen, dass dies keineswegs eine Routinemethode der Empfängnisverhütung sein könne. "Sie ist nur ein Mittel der Notfallkontrazeption und kann das Kondom, die herkömmliche 'Pille' oder andere geeignete Methoden zur Empfängnisverhütung nur im Notfall ergänzen", so der Minister. Um die Bewusstseinsbildung in diesem Sinne zu forcieren, werde es eine begleitende Informationskampagne geben.

Heinisch-Hosek betonte, dass Stöger "absolut im Sinne der Frauen" handle. Es werde eine langjährige Forderung von Frauenpolitikerinnen erfüllt. Es gehe darum, nach einer Verhütungspanne den betroffenen Frauen in einer Notsituation die geeignete medizinische Hilfe ohne zeitliche Hürden zur Verfügung zu stellen. "Mit der Rezeptfreistellung der 'Pille danach' hoffen wir einen Schritt zu setzen, damit es zukünftig zu weniger unerwünschten Schwangerschaften kommt", so die Ministerin.

Politik ist uneins

An frühere Zeiten erinnerten die Reaktionen auf die Rezept-Freistellung der "Pille danach" durch Gesundheitsminister Alois Stöger (S): Schwarz und Blau deponierten in Aussendungen ihre strikte Ablehnung, Rot und Grün begrüßten diesen Schritt. Erwartungsgemäß negativ reagierte die aktion leben, positiv das Gynmed Ambulatorium.

ÖVP-Familiensprecherin Ridi Steibl strich klar heraus, dass Stöger für diese Verordnung nicht auf die Zustimmung der ÖVP angewiesen ist. Aus ihrer Sicht ist dieser Schritt "falsch", denn die "Pille danach" sei eine "regelrechte Hormonbombe". Aus der Sicht von FPÖ-Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch-Jenewein gefährdet Stöger bewusst die Gesundheit von Frauen. Damit habe er sich als Gesundheitsminister disqualifiziert.

"Mit Freude" nahm hingegen die Grüne Frauensprecherin Judith Schwentner die Nachricht von der Rezeptfreistellung auf. Es sei wichtig, dass "Frauen nun endlich einen barrierefreien Zugang zu einem Notfallsverhütungsmittel haben", um ungewollte Schwangerschaften nach einer Verhütungspanne zu verhindern. SPÖ-Gesundheitssprecherin Sabine Oberhauser begrüßte den Schritt ihres Parteikollegen Stöger "sehr" - und forderte eine breite Informationskampagne.

aktion leben fordert mehr Aufklärung

"Bestürzt" zeigte sich die Generalsekretärin der aktion leben österreich, Martina Kronthaler. Die "Pille danach" sei nur eine "billige Antwort auf die Versäumnisse der schulischen Sexualerziehung und Aufklärungsarbeit". Zur Vermeidung ungewollter Schwangerschaften wären "tiefer gehende Lösungen" gefragt.

Der Leiter der Wiener Gynmed-Klinik Christian Fiala erwartet durch die rezeptfreie "Pille danach" einen Rückgang der Schwangerschaftsabbrüche. In fast allen Ländern Westeuropas sei diese Maßnahme seit mehr als zehn Jahren Realität und habe sich sehr bewährt. Aber auch er forderte weitere Maßnahmen in Sachen Sexualerziehung, Verhütungsmittel auf Krankenschein und regelmäßige Kampagnen für wirksame Verhütung.