Kritik an Behandlung nach "billigstem Stand"

Pharmig kritisiert SGKK wegen billiger Rezepte

Die Vorgangsweise der Salzburger Gebietskrankenkasse (SGKK) hat die Pharmig kritisiert: "In Salzburg wird in Zukunft auf Rezept nur mehr nach dem billigsten Stand der Medizin behandelt. Leidtragender ist der Patient, der entweder dazu zahlt oder schlechter behandelt wird", so Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber in einer Aussendung. Die Pharmig fordert die SGKK auf umzudenken. Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger konterte am Nachmittag der Pharmig.

"Die Kasse hat in erster Linie die Aufgabe, für ihre Versicherten die beste individuelle medizinische Behandlung zu ermöglichen. Der Salzburger Vertrag verhindert das, weil er Ärzte verpflichtet, immer das billigste Medikament zu verschreiben und keine Rücksicht darauf nimmt, ob der Patient durch die Umstellung mehr Rezeptgebühr zahlen muss. In dieser Form darf der Vertrag auf keinen Fall umgesetzt werden", so Huber. Salzburg sei am falschen Weg: "Der Patient und dessen Gesundheit müssen im Mittelpunkt stehen. Von Ökonomielisten, die von den Ärzten brav befolgt werden, da sie sonst Honorarkürzungen fürchten, wird keiner gesund."

In Informationsveranstaltungen der SGKK werde es Ärzten verboten, ihren Patienten das bisher verordnete Medikament weiterzuverschreiben, wenn es nicht das billigste sei. Seit 2004 gebe es in Österreich den Erstattungskodex, der vom Hauptverband herausgegeben wird und bundesweit gilt. Er regelt für ganz Österreich, welche Arzneimittel von den Kassen bezahlt werden. Der Vertrag der SGKK setze den Erstattungskodex de facto außer Kraft. "Die SGKK handelt damit für Patienten vollkommen intransparent, ohne für so einen Vertrag die notwendige Kompetenz zu haben", so Pharmig.

Schelling kontert

"Wenn man der sozialen Krankenversicherung im Zusammenhang mit der Verschreibung von Medikamenten durch Vertragsärzte einen Vorwurf machen kann, dann höchstens denjenigen, dass die seit 1. Juli 1990 bestehende Richtlinie zur ökonomischen Verschreibweise bei Medikamenten bisher nicht wesentlich stringenter umgesetzt wurde." - So reagierte der Vorsitzende des Verbandsvorstandes im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Hans Jörg Schelling, auf die Kritik der Pharmig (Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs).

Die Richtlinie zur ökonomischen Verschreibweise besage, dass die Vertragsärzte bei zwei gleichgeeigneten Medikamenten dasjenige zu verschreiben haben, welches für die soziale Krankenversicherung das preisgünstigste sei. "Und welches das preisgünstigste wirkstoffähnliche Medikament ist, entscheidet ganz allein der Markt. Der Patient bekommt jedenfalls das richtige Medikament, das allein entscheidet der Arzt", so Schelling.