Onkologen überzeugt von neuen Biotech-Medikamenten

Onkologen überzeugt von neuen Biotech-Medikamenten

Zielinski, Chef der Universitätsklinik für Innere Medizin I am Wiener AKH: "Ich persönlich empfinde es als entsetzlich, in einer Kostendiskussion gewonnene Lebenszeit zu relativieren. (...) Wie kommen Menschen dazu, sich vorwerfen lassen zu müssen, dass sie krank sind und zu uns kommen, damit wir ihnen helfen sollen?"

Biotech-Medikamente wie monoklonale Antikörper und kleine Moleküle der sogenannten zielgerichteten Therapie hätten in den vergangenen Jahren wesentliche Vorteile gebracht. Der Onkologe: "Das mediane Überleben von Brustkrebspatientinnen mit fortgeschrittenen Tumoren betrug vor der Einführung dieser Mittel zwölf Monate, jetzt sind es mehr als 50 Monate." Beim fortgeschrittenen Dickdarmkrebs wären es jetzt mehr als 30 Monate statt ehemals zwölf Monate, bei Eierstockkarzinomen beispielsweise nun 36 statt ehemals ebenfalls zwölf Monate. Die Überlebensrate bei Nierenzellkarzinomen habe sich von 14 auf 28 Monate verdoppelt. Beim Lungenkarzinom seien die Erfolge allerdings noch geringer.

Zielinski betonte, dass Österreich mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate von Krebspatienten von 47,5 Prozent bei den Männern und von 57,9 Prozent bei den Frauen im EU-Vergleich (40 bzw. 47 Prozent) sehr gut abschneide. Dies sei auch der durch Studien belegten vergleichsweise schnellen Erhältlichkeit neuer Therapeutika zu verdanken.

Die Kostendiskussion - so der Onkologe - dürfe nicht zulasten der Patienten gehen. Sie sei auch nicht neu: "Als wir 1979/1980 das Chemotherapeutikum Adriblastin bekamen, hat das 6.000 Schilling gekostet. Das hat uns die Schuh ausgezogen. 1990 kam 'Taxol'. Das hat 18.000 Schilling gekostet." Da hätte man ähnlich gestaunt. Mit den damals neuen Krebsmitteln sei man sich als Onkologe wie ein "Wunderwuzzi" vorgekommen, weil es vorher nur drei verschiedene Substanzen mit sehr beschränkter Wirkung gegeben hätte.

Unzufriedenheit mit Medienberichterstattung

Scharfe Medienkritik übte Zielinski jedenfalls an der Veröffentlichung einer Cover-Story in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" mit dem Titel "Therapie zum Tod", in dem die moderne Onkologie kritisch beleuchtet wird: "Es ist hier ein Tabubruch passiert, der in der Medienlandschaft einmalig ist. Ich komme aus einem Spital, wo viele solcher Patienten liegen - einer neben dem anderen." Bei Medien-Titelzeilen zur Krebsmedizin wie "Eine notwendige Geldverschwendung?" falle es einem Klinikvorstand schwer, Mitarbeiter nach Dienstschluss zu motivieren, "damit es den Patienten gut geht".

Die Entwicklung in modernen Biomedizin geht rasant weiter. Amgen - weltweit größtes Biotech-Unternehmen - hat derzeit mehrere Dutzend neue Substanzen in Entwicklung. Von neun Phase-III-Studien zur Wirksamkeit bei großen Patientengruppen konnten vergangenes Jahr vier erfolgreich abgeschlossen werden. Der monoklonale Antikörper Denosumab soll beispielsweise sowohl zur Bekämpfung der Osteoporose als auch in der Behandlung von Knochenmetastasen eingesetzt werden.

Der Wiener Medizin-Genetiker Markus Hengstschläger wiederum stellte unter anderem eine Arbeit vor, wonach man bei Versuchstieren Nierenschäden mit Stammzellen aus Fruchtwasser zumindest zeitweise behandeln könne. Unsinnig und für die Konsumenten bestenfalls gefährlich wären Versand-Gentests auf allfällige Krankheitsrisiken. Hier soll es bald eine kritische Empfehlung der österreichischen Bioethik-Kommission geben.

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