Onkologen suchen Hilfe für Schwerstkranke

Mit neuen medikamentösen Therapien tasten sich die Onkologen auch an bisher kaum behandelbare Krebserkrankungen heran. Dies könnte auch für das fortgeschrittene Melanom gelten, bei dem es bisher nur wenig Hilfe gab, geht aus Studien hervor, die beim Europäischen Krebskongress (bis 24. September) in Berlin.

"Wir sind durch unsere wichtigen Ergebnisse sehr in unserer Zuversicht bestärkt worden. Wir haben erstmals ein einer solchen Studie eine signifikante Steigerung der Gesamt-Überlebensrate bei Patienten mit Melanom und bereits aufgetretenen Metastasen zeigen können", sagte beispielsweise Steven O'Day vom Los Angeles Clinic and Research Institute (USA) bei einer Studienpräsentation.

Bisher gilt eine Melanom-Erkrankung für eine Chemotherapie kaum zugänglich. Doch O'Day kombinierte eine solche Behandlung mit Zytostatika (Carboplatin und Paclitaxel) mit der Verabreichung des monoklonalen Antikörpers Bevacizumab ("Avastin"/Roche).

Dieser monoklonale Antikörper wirkt hemmend auf die Neubildung von Blutgefäßen in Tumoren und blockiert daher ihr Wachstum. Dies erfolgt über das Abfangen des Blutgefäßwachstumsfaktors VEGF. In Kombination mit Chemotherapeutika verstärkt das Biotech-Medikament die krebshemmende Wirkung.

In der Studie bekamen 214 Patienten mit fortgeschrittener Melanom-Erkrankung - nach dem Zufallsprinzip ausgewählt - entweder die kombinierte Chemotherapie allein (ein Drittel) oder noch dazu den monoklonalen Antikörper (zwei Drittel). Nach durchschnittlich 13 Monaten gab es ein deutlich positives Ergebnis für die neue Behandlungsform: Die zusätzliche Gabe von Bevacizumab erhöhte die durchschnittliche Überlebenszeit der Patienten von 8,6 auf 12,3 Monate.

Geringere Sterblichkeit

O'Day: "Das war eine Steigerung um 43 Prozent. Die Mortalitätsrate reduzierte sich während der Studiendauer um 33 Prozent." Bevacizumab wird bereits bei mehreren anderen Krebserkrankungen eingesetzt. Hier könnte sich ein neues Anwendungsgebiet ergeben.

Der US-Experte: "Ich habe jetzt 15 Jahre damit verbracht, bessere Behandlungsmethoden für Patienten mit Melanomerkrankung und Metastasen zu entwickeln. Normalerweise überleben solche Patienten nur zwischen sechs bis neun Monate. Nach einem Jahr leben sonst nur noch 25 Prozent, nach fünf Jahren nur noch weniger als fünf Prozent."

Noch ein zusätzlicher Hoffnungsschimmer: Es gibt aus dieser Studie auch Hinweise darauf, dass gerade die kränksten der Patienten am meisten von der neuen Therapie profitierten. Diese Ergebnisse müssen aber noch in größeren Studien bestätigt werden.

Entscheidend bleibt beim Melanom aber weiterhin die Frühdiagnose. Im Anfangsstadium könnten nämlich durch eine Operation mehr als 90 Prozent der Patienten geheilt werden. (Schluss)