Mobbing nimmt in der Krise stärker zu als sonst

03.03.2010

Mobbing nimmt zu - die Wirtschaftskrise verstärkt das Problem offensichtlich noch: "Wir hatten im Vorjahr so viele Fälle wie noch nie, da war der Zusammenhang deutlich", erklärte Christa Kolodej vom Zentrum für Mobbingberatung und Konfliktlösung am Arbeitsplatz bei einer Pressekonferenz am 3. März in Wien.

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Dabei zeigt sich eine geschlechtsspezifische Variante: "Frauen werden auf sozialer Ebene gemobbt, Männer eher über Leistung und Alter." Führungskräfte müssten entsprechend geschult werden. Generell werden etwa zwölf Millionen Menschen, also rund neun Prozent aller Beschäftigten in Europa, gemobbt - die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Allein zwischen 300 und 500 Betroffene werden jährlich dem Zentrum für Mobbingberatung und Konfliktlösung am Arbeitsplatz durch die Arbeiterkammern Wien und Niederösterreich zugewiesen: Laut Kolodej gab es bei den Fällen im Vorjahr einen Zuwachs von einem Drittel.

"Systematische, dauerhafte Schikane"

Mobbing ist "die systematische, dauerhafte Schikane" eines Menschen, z. B. durch langfristige Angriffe, bei dem ein Machtungleichgewicht herrscht, erklärte Kolodej. Betroffene fühlen sich isoliert, die Situation beeinträchtigt das Wohlergehen: Die Beschwerden reichen von Konzentrationsproblemen bis zu Depression und Selbstmordgedanken; oft kommt es zu psychosomatischen Beschwerden. "Wenngleich die Fälle spezifisch sind, ist die Dynamik immer die gleiche", so die Psychologin. Das typische Opfer gibt es nicht, aber Tendenzen: "Beim Betroffenen ist es eine gewisse Konfliktscheue, beim Täter ein geringes Selbstwertgefühl und ein hohes Bedürfnis, sich zu präsentieren."

Auch wenn die Grundproblematiken vielfältig sein können: "Mobbing ist durchaus ein Führungsthema", berichtete Kolodej aus ihrer langjährigen Erfahrung. "Wenn man Führungskräfte hat, die klar sagen, Mobbing werde sanktioniert, dann wird man wenig Fälle finden." Doch nicht nur die Opfer leiden: "Der Deutsche Gewerkschaftsbund beziffert die Kosten eines durch Mobbing bedingten Fehltages mit 103 bis 410 Euro", sagte Wolfgang Knopf von der Vereinigung für Supervision (ÖVS). Nach Angaben eines schwedischen Arbeitspsychologen der 80er Jahre koste ein Mobbingfall ein Unternehmen jährlich mehr als 68.500 Euro.

Durch Mobbing werden auch "Werte wie Selbstwert und Fairness zerstört, die auch wichtig für Unternehmen und die Entwicklung des Menschen ist", erklärte Peter Hoffmann von der Sozialpolitischen Abteilung der Arbeiterkammer Wien. "Wichtig ist, sich rasch Hilfe zu holen." Der Arbeitgeber habe Fürsorgepflicht und sei für Gesundheit und Sittlichkeit verantwortlich: "Führungskräfte müssten in sozialer Kompetenz geschult werden", so Hoffmann. Das sei auch im Sinne der Prävention von Mobbing.

Service: ÖVS und Arbeiterkammer Wien haben die Broschüre "Mobbing... was tun?" herausgegeben. Sie kann bei der ÖVS unter der Telefonnummer 01/533 0822 bestellt bzw. unter http://www.oevs.or.at/ abgerufen werden.

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