Merck hofft bei Erbitux weiter auf Milliardenumsatz

Der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Merck hofft trotz eines Zulassungsrückschlags weiter auf Spitzenumsätze in Milliardenhöhe mit seinem wichtigem Krebsmedikament Erbitux. "Erbitux gehört zu unseren Wachstumsmotoren. Blockbuster-Status ist immer noch machbar", sagte Merck-Pharmavorstand Elmar Schnee. Dieses Ziel könne das Unternehmen auch ohne eine Zulassung von Erbitux zur Behandlung von Lungenkrebs erreichen, "aber das wäre erst viel später als 2010 oder 2011". Wahrscheinlich sei dies nun eher kurz vor Auslaufen des Patentschutzes 2014. Damit nannte Schnee erstmals einen neuen Zeitraum für die angestrebte Umsatzmilliarde.

Das wissenschaftliche Komitee der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA hatte sich unlängst gegen eine Zulassung von Erbitux zur Erstbehandlung von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) ausgesprochen. Merck hat zwar eine Überprüfung des Votums beantragt, die Zulassung dürfte sich aber zumindest deutlich verzögern - falls sie überhaupt noch erteilt wird. Schnee rechnet sich allerdings immer noch gute Chancen für eine Zulassung von Erbitux bei bestimmten Gruppen der Lungenkrebspatienten aus, die besonders gut auf das Mittel ansprechen.

Von einer Genehmigung für die gesamte Bandbreite aller Patienten mit NSCLC geht er jedoch nicht mehr aus. Das Mittel ist schon zur Behandlung von Darmkrebs sowie von Kopf-Hals-Tumoren auf dem Markt. 2008 setzte Merck mit dem Medikament 565 Mio. Euro um.

Große Hoffnungen setzt der Darmstädter Traditionskonzern auch auf sein Medikament Cladribin, welches das erste Multiple-Sklerose-Mittel auf dem Markt werden könnte, das als Tablette eingenommen wird. Damit würde Merck den Schweizer Konkurrenten Novartis ausstechen, der ebenfalls dieses Ziel verfolgt. Den Zulassungsantrag für die EU hatte Merck im Juli gestellt, der für die USA soll bis Ende September folgen. Im Idealfall - bei einer beschleunigten Zulassungsprüfung durch die US-Gesundheitsbehörde FDA - könnte Merck dann im zweiten Quartal 2010 mit der Markteinführung dort beginnen, in der EU könnte der Start im vierten Quartal 2010 folgen, sagte Schnee.

Mehr Investitionen in Forschung

Seine Forschungs-Pipeline will der Dax-Konzern weiter ausbauen. "Wir müssen beides tun, Einlizenzierungen und Zukäufe", erläuterte der Manager. Der Schwerpunkt liege auf dem Erwerb von Substanzen, mit denen Merck sich Nachschub an neuen Medikamenten sichern könne. "Die nötige Infrastruktur haben wir jetzt. Wir brauchen jetzt nicht nochmal eine Serono, was wir brauchen sind Produkte", betonte Schnee. Mit der milliardenschweren Übernahme des Schweizer Biotechunternehmens Serono 2007 war Merck zur Nummer eins in der europäischen Biopharmazie geworden. Zukäufe ziehe der Konzern auch für sein Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Gesundheitsprodukten (OTC) in Erwägung, sagte Schnee.

Der Pharmavorstand bekräftigte, dass Merck ein Fünftel der jährlichen Umsätze für Forschung und Entwicklung ausgeben wolle. "Langfristig ist 20 Prozent das Minimum. Wir werden möglicherweise jetzt ein oder zwei Jahre darüber gehen." Merck habe den Anspruch, sich mit seiner Pipeline schneller entwickeln zu können als der Welt-Pharmamarkt.

Die Konsolidierung der Branche will das Unternehmen aber nicht von sich aus vorantreiben. "Vielleicht gibt es Chancen für uns, wenn die großen Firmen Bereinigungen machen", sagte Schnee. "Aber ich sehe nicht, dass wir uns aktiv in die Konsolidierung einmischen", sagte Schnee. "Wir wollen 'best pharma' sein und nicht 'big pharma'."